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Gelehrter im Studierzimmer, 1634. - © Wallraf-Museum Köln/Nationalgalerie Prag
Gelehrter im Studierzimmer, 1634. | © Wallraf-Museum Köln/Nationalgalerie Prag

Sonderausstellung Kölner Wallraf-Museum zeigt Rembrandt van Rijn

Das Kölner Wallraf-Museum zeigt mit Rembrandt van Rijn einen der größten Maler der Kunstgeschichte. Die Nationalgalerie Prag lieferte für die Sonderausstellung eines seiner herausragenden Werke.

Florian Pfitzner
31.10.2019 | Stand 31.10.2019, 11:28 Uhr

Köln. Übung macht den Meister. Dass Rembrandt van Rijn sich gewiss nicht nur auf gottgegebenes Talent verlassen konnte, zeigt ein ehrgeiziges Erstlingswerk des gerade einmal 19-jährigen Malers. Es wirkt ein wenig unausgegoren, einfache Schraffuren schildern grobschlächtig die Beschneidung des Jesuskindes. Ungefähr fünf Jahre darauf, um 1630, nahm er sich den Stoff erneut vor. Er legte die Radierung der "Beschneidung Christi im Tempel" im kleinen Hochformat an, kaum größer als eine Briefmarke, dieses Mal aber hochklassig durchkomponiert. Ihm sei eben "nicht alles in die Wiege gelegt worden", sagt Anja Sevcik, die Kuratorin der großen Sonderausstellung "Inside Rembrandt" im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. "Er war ein Arbeitstier." Hochkarätige Leihgaben Zu seinem 350. Todestag am 4. Oktober 1669 hat das Haus neben eigenen Werken hochkarätige Leihgaben unter anderem aus dem Amsterdamer Rijksmuseum, dem Getty Museum in Los Angeles und dem New Yorker Metropolitan Museum zusammengetragen. Selbstverständlich habe sie sich auch Absagen eingehandelt, räumt Sevcik ein, "schon aus Erhaltungsgründen". Dafür lieferte die Prager Nationalgalerie eines seiner größten Gemälde: "Der Gelehrte im Studierzimmer". Aufgebaut ist die Schau wie ein barockes Theaterstück in fünf Akten: von seiner Heimatstadt Leiden, wo Rembrandt 1606 zur Welt kam und die ihm als junger Mann zu eng wurde, über Amsterdam, wo er vom Könner zum Meister reifte. Bald strich er die höchsten Honorare der Niederlande ein; in dieser Phase malte er den "Gelehrten". Malen, was ist Im Wallraf geht man geradewegs auf ihn zu, golden gerahmt steht er im Mittelpunkt der Kabinette. Sevcik, die lange in Prag gearbeitet hat, schwärmt von der "wunderbaren Lichtführung vom Gesicht aufs Buch". Die badenden Nymphen aus derselben Zeit kämen heutigen Wimmelbildern gleich. Der Meister verzichte auf schöngefärbte, glorifizierte Körper, sagt Sevcik, im See und am Ufer sehe man normal geformte Frauen. Rembrandt hat keine Schriften hinterlassen wie Dürer, er war kein gewandter Diplomat wie Rubens. Und doch scheint er Kunstfans näher zu stehen als einer dieser Meister, konstatiert Ernst Gombrich in seiner "Geschichte der Kunst". Das mag an den Selbstbildnissen liegen, die Rembrandt hinterlassen hat; sie reichten von seiner Jugend, "vom erfolgreichen und sogar modischen Maler", bis ins Alter, "als sein Gesicht die Tragödie seines Bankrotts und gleichzeitig den ungebrochenen Lebenswillen eines wahrhaftig großen Menschen widerspiegelt". Weitgehend frei von Eitelkeit Betrachtet man seine großen Porträts, sehe man Menschen in all ihrer Unmittelbarkeit, sagt Wallraf-Direktor Marcus Dekiert. Rembrandt sei es als erstem Künstler gelungen, eine Marke zu werden – und eine Schule zu gründen, die diese Marke weiterträgt. Dabei blieb der Meister weitgehend frei von Eitelkeit. 15 der 34 überlieferten Öl-Selbstbildnisse gehören zu seinem Spätwerk. Sonderlich schön hat er sich nicht gemalt mit seinem groben, am Ende aufgequollenen Greisengesicht. Er habe sich im Spiegel mit unbestechlicher Ehrlichkeit angesehen, heißt es im Gombrich. "Es ist das Gesicht eines wirklichen Menschen." "Muse und Managerin" Als junger Mann in Amsterdam heiratete Rembrandt ein reiches Mädchen. Von Saskia fertigte er feine Zeichnungen an, die sie im Sonnenlicht am Fenster zeigen. Er malte sie mit Kassenbuch, was Sevcik zu der Vermutung gelangen lässt, dass sie für ihn "Muse und Managerin" gewesen sei. Das gemeinsame Glück, vom frühen Tod von drei Neugeborenen auf härteste Proben gestellt, währte nicht lange. Saskia ist keine dreißig Jahre alt geworden. "Inside Rembrandt. 1606-1669" ist vom 1. November bis zum 1. März 2020 im Kölner Wallraf-Museum zu sehen. Neben 63 Werken des großen Malers hängen im Wallraf Arbeiten seiner Zeitgenossen und Schüler wie Jan Lievens, Gerrit Dou, Govert Flinck und Ferdinand Bol. Eintritt: 8 Euro (ermäßigt) bis 13 Euro.

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