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Höchste Konzentration: Die Bläser der Jungen Sinfoniker. Foto: Barbara Franke - © Barbara Franke
Höchste Konzentration: Die Bläser der Jungen Sinfoniker. Foto: Barbara Franke | © Barbara Franke

Kultur Junge Sinfoniker machen Feierlaune

Das Orchester begeisterte in der Oetkerhalle. Die junge Solo-Cellistin Irena Josifoska spielte erstaunlich reif

Christoph Guddorf
18.09.2018 | Stand 17.09.2018, 18:51 Uhr

Bielefeld. Am Ende eines anspruchsvollen wie gelungenen Konzerts war die Erleichterung auf allen Seiten spürbar groß. Die Jungen Sinfoniker feierten ihre Gastsolistin, die Soloinstrumentalisten aus den eigene Reihen sowie nicht zuletzt den Dirigenten ihres diesjährigen Sommerprojekts, Pawel Poplawski. Doch gibt es Grund genug, auch einmal sich selbst zu feiern. 45 Jahre gibt es sie nun schon, die „Jusis“, wie sie sich selbst liebevoll nennen. Mit Herzblut und einer Menge Talent engagierte Jugendliche aus Ostwestfalen-Lippe, die jedes Jahr aufs Neue zwei intensive Projekte stemmen und dabei durch mehr oder minder ehrenamtliche Profimusiker und weitere fleißige Hände aus der Region unermüdlich begleitet werden. Und das auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins und einiger treuer Sponsoren. Nicht selten beginnt bei den JuSis eine Profilaufbahn Dadurch wird die regionale Kulturszene bereichert, und nicht selten findet auch ein Talent den Weg in ein Berufsorchester oder in die solistische Laufbahn. Eben das ist es, was kulturelle Bildung und Nachwuchsförderung hier und andernorts ausmachen kann und daher gar nicht häufig genug erwähnt, gelobt und nachgeahmt werden kann und sollte. Gelobt werden sollte auch an diesem Abend freilich in erster Linie die künstlerische Leistung des Orchesters. Gemeinsam mit der serbischen Cellistin Irena Josifoska, die derzeit in Detmold studiert, geht es zunächst an eines der wundervollsten Solokonzerte der Violoncello-Literatur, Antonín Dvo¹áks Genrebeitrag in h-Moll. Dass dieses Werk von einem jungen englischen Cellisten und nicht von einem übereifrigen Widmungsträger uraufgeführt wurde, ist der Tatsache geschuldet, dass der Komponist in seinem Konzert nichts von virtuosen Kadenzen wissen wollte. So verströmt es neben typischen technischen Kunstgriffen einen böhmisch-tänzerischen Duktus, zum anderen eine melancholisch-sehnsuchtsvolle Aura. Beides füllt die junge Josifoska erstaunlich reif aus. Agiert das Orchester in den ersten beiden Sätzen noch recht verhalten und klanglich ein wenig matt, ergreift die Solistin immer wieder die Initiative und spielt zwischen draufgängerischer Brillanz und lyrischer Insichgekehrtheit, die sich etwa im dritten Satz vor dem finalen Tutti-Ausbruch aus einem atemberaubenden Pianissimo und vibratolos erhebt. Mit der Zugabe ein folkloristisches Feuerwerk entfacht Hier vereinen sich neben den thematischen Fäden auch jene zwischen Solistin und Orchester, wirkt alles gelöster und auch in den Holzbläsern und Streichern strahlender. Dieser Eindruck setzt sich in Johannes Brahms’ Zweiter Sinfonie D-Dur fort. Was die Binnenstrukturen und den spielerischen Anspruch generell anbelangt, ist es ein schwerer Brocken, äußerlich mutet sie oft wie ein in sich ruhendes Naturidyll an, das blauen Himmel, Sonne und kühlenden Schatten spendet. Diesen Spagat meistern die Jungen Sinfoniker in allen vier Sätzen bemerkenswert – auch in den solistischen Passagen. Poplawski führt sie mit feinem Gespür und der richtigen Dosierung von Führen und (Los-)Lassen durch Brahms’ sinfonische Strukturen – und eine grandios gespielte Zugabe: den 6. Ungarischen Tanz. Mit süffiger, aber ungemein präziser Spielfreude (und Schunkellaune) wird ein folkloristisches Feuerwerk entfacht – und ein Beifallssturm aus dem Publikum.

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