0
Rotznäsig-polternd: Katrin Bauerfeind in ihrem Element. Foto: Barbara Franke - © Barbara Franke
Rotznäsig-polternd: Katrin Bauerfeind in ihrem Element. Foto: Barbara Franke | © Barbara Franke

Kultur Viagra für Herz und Alltag

Die Schauspielerin und Moderatorin Katrin Bauerfeind sorgt für ein wenig mehr Glücksgefühle

Christoph Guddorf
23.03.2018 | Stand 22.03.2018, 18:33 Uhr

Dass die Liebe ein zartes Pflänzchen ist, das begossen werden muss, damit es nicht eingeht, wussten wir schon, bevor Moderatorin, Autorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind die Bühne des kleinen Saals der Stadthalle betritt. Doch dass das Herz einer „entsicherten Handgranate“ gleicht, die man nicht irgendwem in die Hand drückt, um zu sagen: „Hier, von mir für dich. Viel Spaß damit!“, ist eine typischen Bauerfeind-Formulierungen. Unverblümt, meist rotznäsig-polternd und nicht so nett, wie vielleicht einige glaubten, kommt sie daher. Denn der gebürtigen Schwäbin, deren auch mit Liebesbestätigungen sparsam umgehende Familie sich – freilich fiktiv und im übertragenen Sinne – mit der Begleichung von Lösegeldforderungen für ihre entführte kleine Tochter über dem Wert des Wohnzimmersofas geziert habe, kommen die drei berühmten Worte menschlicher Zuneigung auch nicht allzu leicht über die Lippen. »Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und Liebe« Nahm ihre erste „große Liebe“ als 16-Jährige im Italien-Urlaub zu „Super-Mario mit seinem Stracciatella-Eis-Lächeln“ doch ein jähes Ende, als sie – randvoll mit Ramazotti gefüllt – sich über seiner Vespa erbrach. Und auch eine spätere Beziehung scheiterte an den unheilvollen Allianzen des Alltags und besonderen „Macken“ des „anderen Menschen in der Wohnung“, in welche sie sich einst verliebt hatte. Da stelle sich unter anderem die Frage: Ist das Leben als Single, der tun und lassen kann, was er will, vielleicht doch angenehmer als das Leben jener einstigen Freundinnen, die – mit einem oder gar mehreren Kindern – sich ganz dem alkoholenthaltsamen Spaßbremsen-Alltag hingegeben haben? Mit ein paar zu vielen altgedienten Frau-Mann-Klischees und zu wenigen tiefergehenden, in ihr Buch „Alles kann, Liebe muss“ eingeflossenen wissenschaftlichen Erklärungsthesen nähert sich Bauerfeind in ihrer Liveshow dem Thema in seinen Facetten Eigenliebe als Voraussetzung für Nächstenliebe, die Liebe zu seiner Familie, Kindern, Freunden und der Heimat. »So kommt der Hassin die Welt« Auch die Geschichte mit dem Fragen aufwerfenden Zettel eines Wutbürgers (ein vulgärer Beamter?), der an ihrer Windschutzscheibe haftete, weil sie eilig, aber „faktisch“ vor einer Einfahrt geparkt hatte, ist dabei. Sie veranlasste Bauerfeind, als sie kurze Zeit später selbst eingeparkt wird, einen Zettel mit einem „riesigen Parkpimmel“ zu hinterlassen, der sie jedoch selbst als „Arsch“ dastehen ließ, als sich herausstellte, dass hier eine um ihr krankes Kind besorgte Mutter aus der Not heraus gehandelt hatte. „So kommt der Hass in die Welt“, dachte sich Bauerfeind und entschied, beim nächsten Mal einen Zettel zu hinterlassen, auf dem steht: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und Liebe“. So rette man zwar nicht die Welt, aber die Stimmung für ein paar Stunden. Vielleicht mache das am Ende den Unterschied. Fazit: Faktisch gesehen sorgt der Abend, der nicht so viel mit ihrem Buch zu tun hat wie erwartet, für keine neuen Erkenntnisse, jedoch meistens für gute Unterhaltung und ein wenig mehr Gefühl für das kleine bisschen mehr Glück und Liebe im zu oft von Hass und Nörgelei erfüllten Alltag. Also lieben wir los!

realisiert durch evolver group