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Produkte für Kinder enthalten oft zu viel Zucker, bemängelt die Organisation Foodwatch. - © Pixabay
Produkte für Kinder enthalten oft zu viel Zucker, bemängelt die Organisation Foodwatch. | © Pixabay

Ernährung Säfte, Müsli und Co.: Alternativen zu zuckerhaltigen Produkten

Eckard Hamelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Bethel, wünscht sich eine bessere Produkt-Kennzeichnung

Kristina Grube
12.08.2019 | Stand 13.08.2019, 16:00 Uhr

Bielefeld/Berlin. Kinder lieben es süß – doch der aktuelle Zuckerkonsum ist laut der Verbraucherorganisation Foodwatch bedenklich. Sie hat deshalb jetzt den „Kinder-Überzuckerungstag" ausgerufen – denn die empfohlene Jahresdosis an Zucker sei rechnerisch bereits aufgebraucht. Dabei gäbe es gute Alternativen zu den größten Zuckersünden, weiß Eckard Hamelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Kinderzentrum Bethel. Vermeintlich gesunde Lebensmittel Viele Fruchtsaftgetränke beinhalteten nicht nur den Zucker der enthaltenen Fruchtsäfte, sondern auch zugesetzten Zucker. Drei Zuckerwürfel pro 100 Milliliter ist beispielsweise in der bei Kindern beliebten Capri Sun. Hamelmann empfiehlt Wasser, Tee oder – für einen süßeren Geschmack – stark verdünnte Obstschorlen. Zum Frühstück ein Müsli: Das geht schnell, macht satt und scheint gesund. Doch die fertigen Mischungen seien meist viel zu süß, sagt Hamelmann. Er hat recht: Kellogg’s Smacks haben 14 Stück Zucker pro 100 Gramm, Vitalis Knuspermüsli acht Stücke. Gesünder sei es, sich Getreideflocken zu kaufen und diese mit Joghurt oder magerem Quark und frischen Früchten selbst anzurühren. „Das ist süß genug", erklärt er. Es schmeckt, was man kennt Das Geschmacksempfinden sei eine Sache der Gewohnheit. Doch nur, wenn man Kindern Alternativen wie diese anbiete, könnten sie anfangen, sie attraktiv zu finden. Eltern wolle er aber keinen Vorwurf machen, da viele Produktwerbungen suggerierten, die hochzuckerhaltigen Lebensmittel seien gesund. Hier müsse etwas verändert werden, eine eindeutigere Kennzeichnung wäre wünschenswert. Auch Quetsch-Joghurts und Brotaufstrichen wie Nutella steht Hamelmann kritisch gegenüber und empfiehlt Naturjoghurt mit Früchten und Honig. Der sei auch sehr süß, aber in Maßen gesund. Die Folgen einer Fehlernährung von Zucker seien die Volkskrankheiten Diabetes Typ 2, Adipositas und Gefäßerkrankungen. In der Klinik in Bethel sei die Zahl der jungen Patienten in den letzten Jahrzehnten gestiegen, die Tendenz sei weiter steigend. Eine gesunde Ernährung macht Arbeit Während Hamelmann deshalb auf gesündere Alternativen setzt, sieht Sabine Baum von der Koordinationsstelle Ernährung und Bewegung in der OGS vom Kreis Gütersloh hier das Problem. „Eine gesunde Ernährung macht Arbeit und muss vorbereitet werden", erklärt sie. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern sprechen, in welcher Form sie die empfohlene Menge Zucker am Tag zu sich nehmen wollen. Anstatt Süßes zu verbannen, sollte es etwas Besonderes bleiben – dann könne das Nutellabrot aber auch einmal ganz dick bestrichen werden.

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