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Marina Neumann mit ihrem Buch zur Rückschulung auf die linke Hand: "Natürlich mit links". - © picture alliance/dpa
Marina Neumann mit ihrem Buch zur Rückschulung auf die linke Hand: "Natürlich mit links". | © picture alliance/dpa

Tag der Linkshänder Bielefelder Expertin räumt mit Vorurteilen gegenüber Linkshändern auf

Marina Neumann erklärt, warum viele Linkshänder langsam und unsauber schreiben

Katharina Thiel
13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 19:48 Uhr

Bielefeld/Berlin. Um Linkshänder ranken sich die wildesten Vorurteile und Mythen. Die in Bielefeld geborene Psychotherapeutin Marina Neumann hat selbst bis zur Einschulung mit der linken Hand geschrieben, dann wurde sie auf die rechte Hand umgeschult. Erst spät brachte sie sich selbst bei, wieder mit ihrer eigentlichen Schreibhand zu arbeiten. In ihrer Praxis in Berlin berät Neumann umgeschulte Linkshänder jeden Alters und unterstützt sie bei der Rückschulung auf die dominante Hand. Für nw.de macht sie den Faktencheck zum Thema Linkshändigkeit: 1. Linkshänder sind kreativer Ob Rechts- oder Linkshänder, beide seien gleich kreativ, sagt Marina Neumann. "Das wichtige ist, dass beide Gehirnhälften mitarbeiten." Dafür müsse jedoch die dominante Hand benutzt werden. "Fakt ist, dass Linkshänder oft kreative Interessen haben", was nur selten gefördert werde. So sei ihr nur ein Professor in Skandinavien bekannt, der das Geigespielen mit der linken Hand unterrichtet. 2. Linkshändigkeit ist schon im Mutterleib erkennbar Erkennbar sei die Linkshändigkeit nicht. Wohl aber "vorhanden", sagt die Expertin. Eine Mutter habe im Gespräch davon berichtet, dass sie ihr ungeborenes Baby bei einem Ultraschall dabei beobachtet hat, wie es mit der linken Hand am Daumen nuckelte. Bei Zwillingen komme es häufig vor, dass einer davon Rechts- und der andere Linkshänder sei. "Es muss erkannt und entdeckt werden", sagt Neumann. 3. Linkshänder sind die besseren Sportler Tatsächlich sei es so, dass vor allem Sportler, die einen Ball werfen oder ihr Sportgerät nur mit einer Hand ausführen, wie etwa beim Fechten, besser als Rechtshänder seien. Das liege vor allem daran, dass der Ball "von einer unerwarteten Seite kommt". Diese Sportler seien schwieriger einzuschätzen - "ein Vorteil". 4. Linkshänder haben ein schlechtes Ansehen in der Gesellschaft Marina Neumann spricht von einer Ungleichbehandlung. Gerade in Schulen sei es der Fall, dass zwar akzeptiert werde, dass ein Kind mit links schreibe, es danach aber sich selbst überlassen werde. Dabei brauche es unbedingt Unterstützung von den Lehrern: Am Tisch sollten sie links sitzen, das Licht von rechts kommen, die Sitzhaltung sowie die Stifthaltung müssen angepasst werden. Das sei in der Ausbildung von Pädagogen jedoch häufig kein Thema. 5. Linkshändigkeit ist erblich "Ja, davon gehe ich aus", so Neumann. Nachdem ihr Buch "Natürlich mit links: Zurück zur Linkshändigkeit – Befreiter leben mit der starken Hand" erschienen war, haben sich ihre Eltern Gedanken über ihre eigene Vergangenheit gemacht. Sie stellten tatsächlich beide fest, dass sie im Kindesalter Linkshänder waren. Kein Einzelfall: In jeder Familie gebe es jemanden, dessen linke Hand dominant sei, sagt die Expertin. 6. Linkshänder haben Probleme im Job Vor allem Menschen mit handwerklichen Berufen stehen vor Schwierigkeiten: "Maschinen sind in der Regel für Rechtshänder", sagt Neumann. Jedoch habe sie auch viele Handwerker getroffen, die ihre Arbeit ohne Probleme mit der linken Hand ausführen können. Ein Chirurg habe ihr davon berichtet, dass sich seine Kollegen im Operationssaal auf die andere Seite stellen, damit der Mediziner seinen Beruf mit der dominanten Hand ausführen kann. 7. Linkshänder schreiben langsam und unsauber "Das ist ein fieses Vorurteil", sagt Neumann. Das habe jedoch viel mehr damit zu tun, dass den Linkshändern die Anleitung einer erfahrenen Person fehle, die die Sitzhaltung und die Haltung des Stiftes korrigieren könnte. Das sei auch bei dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zu beobachten. Der Linkshänder habe eine "verkrümmte Schreibhaltung."

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