Die Impfrate in NRW ist grundsätzlich hoch, trotzdem kommt es stellenweise noch zu Infektionen mit Masern. - © picture alliance
Die Impfrate in NRW ist grundsätzlich hoch, trotzdem kommt es stellenweise noch zu Infektionen mit Masern. | © picture alliance

Bielefeld Zahl der Fälle in NRW hoch: Masern sind häufig in Großstädten ein Problem

NRW bleibt Spitzenreiter bei Masern-Erkrankungen. Warum ist es so schwierig, das Virus zu stoppen?

Kristina Grube
Lieselotte Hasselhoff

Bielefeld/Berlin. Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts belegen: Die Anzahl an Masernfällen in NRW bleibt hoch. Von 387 nachgewiesenen Fällen wurden 173 in NRW festgestellt. Das sind rund 45 Prozent der gezählten Fälle. Die hohe Bevölkerungsdichte in NRW ist dabei zweifelsohne ein Faktor, der berücksichtigt werden muss. In NRW leben jedoch nur rund 20 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Die Prozentzahl an Masernfällen ist, gemessen an der Einwohnerzahl, daher trotzdem ausgesprochen hoch. Mal viele Kranke, mal wenige - warum? Ein Nationaler Aktionsplan von Bund, Ländern und dem Gesundheitswesen enthält das Ziel, den Masern-Virus dauerhaft zu bekämpfen. Trotzdem: In regelmäßigen Jahresabständen häufen sich die Krankheitsfälle wieder. Laut Pressesprecherin Marieke Degen vom Robert-Koch-Institut hängt das Ausmaß der Ausbrüche davon ab, wie sehr die Masern in Europa grassieren und schlussendlich nach NRW getragen werden. "Besonders in Regionen mit einer hohen Einwohnerdichte wie in Großstädten, können sich die Viren schnell ausbreiten", sagt Degen. Der Trend gehe in Deutschland dahin, dass sich Masern nicht mehr flächendeckend ausbreiteten, sondern punktuell in sogenannte 'Pockets' von Ungeimpften getragen würden. Wie bekommen wir die Masern in den Griff? Tatjana Nowicki vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen hebt die Relevanz von Impfungen hervor: "Die Durchimpfungsrate für Masern in NRW ist hoch, weshalb in der Regel wenige Menschen daran erkranken." Masern seien allerdings sehr ansteckend. Deshalb könne es in Gebieten mit zahlreichen ungeimpften Menschen durchaus zu Ausbrüchen mit hohen Fallzahlen kommen. Hier sieht auch Tobias Schröder, Assistenzarzt der Notaufnahme im Franziskus Hospital Bielefeld, das Hauptproblem: "Aus Kollegenkreisen höre ich von immer mehr Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen." In Ländern, wo die Impfrate bei nahezu 100 Prozent liegt, gebe es keine gehäuften Masernfälle wie bei uns. Das Robert-Koch-Institut weist hingegen auf Studien hin, die zeigen, dass zahlreiche Menschen die Impfungen schlichtweg vergessen oder unzureichend aufgeklärt werden. "Angestrebt werden sollte eine Impfquote von 95 Prozent in der Gesamtbevölkerung", findet das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Der größte Handlungsbedarf bestehe zum einen bei den Menschen, die schwerer an eine Impfung gelangten und zum anderen bei denjenigen, die grundsätzlich einer Impfung kritisch gegenüberstünden.

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