Es gibt viele Faktoren, die einen guten Schlaf stören können. Welche das sind, verrät ein Experte im Interview. - © picture alliance / empics
Es gibt viele Faktoren, die einen guten Schlaf stören können. Welche das sind, verrät ein Experte im Interview. | © picture alliance / empics

Gütersloh Interview: Was wir für einen guten Schlaf tun können

Interview mit Schlafmediziner Dr. Axel von Bierbrauer zu Brennstein aus Gütersloh

Angela Wiese

Gütersloh. Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen schlafen schlecht. Das ergab der kürzlich veröffentlichte Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK. Essen, Uhrzeit und Licht sind nur einige Faktoren, die einen gesunden, guten Schlaf beeinflussen. Dr. Axel von Bierbrauer zu Brennstein (54) ist Chefarzt am Klinikum Gütersloh und leitet dort das Zentrum für Schlafmedizin. Im Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen zum Thema Schlaf. Herr von Bierbrauer, Schlafprobleme sind für viele Menschen ein Thema. Gibt es bestimmte Faktoren, die wir für einen guten Schlaf beachten sollten? von Bierbrauer: Ja, die gibt es. Wir Schlafmediziner sprechen dabei von der Schlafhygiene, auf die geachtet werden sollte. Das heißt? von Bierbrauer: Schlaf sollte nicht als etwas Automatisches in den Tagesablauf reingepresst werden. Schlaf ist etwas, auf das man sich vorbereiten sollte und für das feste Zeiten gelten sollten. Eine regelmäßige und ausreichende Schlafzeit ist wichtig. Gibt es für die Schlafdauer Empfehlungen oder ist das von Mensch zu Mensch unterschiedlich? von Bierbrauer: Die individuelle Schlafdauer liegt zwischen fünf und achteinhalb Stunden. Dass jemand weniger Schlaf braucht, ist nicht möglich. Liegt der Bedarf über achteinhalb Stunden, stimmt etwas mit dem Schlaf nicht. Die meisten Menschen benötigen zwischen sechs und siebeneinhalb Stunden Schlaf. Wenn es möglich ist, sollte man täglich ungefähr zur selben Zeit ins Bett gehen und zu diesem Zeitpunkt eine ausreichende Schlafzeit einplanen. Regelmäßigkeit und Dauer sind dabei wichtig. Was ist für das Einschlafen zu beachten? von Bierbrauer: Man sollte es vermeiden, zu spät zu essen. Zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollte es keine relevante Mahlzeit mehr geben. Der Körper will nachts herunterfahren. Eine zu späte Mahlzeit regt aber die Darmtätigkeit an. Wenn ich also eine Stunde vor dem Schlafengehen etwas esse, bekommt der Darm die Aufgabe, noch etwas zu verdauen. Das stört den Schlaf. Ein Apfel oder ein Joghurt sind kein Problem, eine richtige Mahlzeit aber schon. Man sollte abends auch wenig Fett und Zucker zu sich nehmen. Die Zeit unmittelbar vor dem Schlafengehen ist also entscheidend. von Bierbrauer: In den zwei Stunden, bevor man sich hinlegt, muss man dem Körper erlauben, runterzufahren. Eine Stresstätigkeit wie zum Beispiel die Steuererklärung zu machen oder Muskelaktivität ist in dieser Zeit nicht sinnvoll. Eher sollte man etwas tun, was als entspannend empfunden wird. Entspannende Musik hören zum Beispiel oder etwas nicht zu Aufregendes lesen. Der Körper braucht diese Zeit zwischen stressiger Tagesaktivität und dem Beginn des Schlafes. Kann es den Schlaf stören, in diesen zwei Stunden das Smartphone zu benutzen, darauf zum Beispiel zu spielen oder zu chatten? von Bierbrauer: Wenn man mit dem Smartphone etwas tut, was ärgert, hektisch ist oder emotional anregt, ist es nicht gut. Das hängt von den Inhalten ab. Wenn das Spiel oder der Chat entspannend sind und das Licht gedämmt ist - und das gilt für Smartphones, Tablets oder Computer - ist es kein Problem. Welche Rolle spielt Licht generell für den Schlaf? von Bierbrauer: Das Schlafzimmer sollte dunkel sein. Dunkelheit ist für den Körper auch bei geschlossenen Augen ein Zeichen dafür, abzuschalten. Auch die Geräuschabschottung ist wichtig. Studien zeigen, dass Menschen, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen, schlechter schlafen. Hörschutz für das Ohr oder neue Fenster könnten vielleicht helfen. Gibt es außerhalb der Schlafhygiene Faktoren, die den Schlaf stören können? Kann zum Beispiel ein Mittagsschlaf den Schlaf in der Nacht beeinträchtigen? von Bierbrauer: Es spricht nichts gegen einen Mittagsschlaf, wenn er nicht zu lang ist. Zwischen 13 und 14 Uhr sollte man einen Mittagsschlaf machen. Dieser sollte aber auf keinen Fall länger dauern als 30 Minuten. Wenn man länger schläft, fehlt der Schlafdruck in der Nacht. Das gilt besonders für ältere Menschen. Welche Auswirkungen hat es, tagsüber zum Beispiel hauptsächlich im Büro zu sitzen? von Bierbrauer: Der Mensch ist eigentlich nicht dazu geeignet, im Büro vor dem Computer zu sitzen, sondern sollte auf den Beinen sein und hin und wieder Pause machen. Zu viel Büroarbeit bei zu wenig körperlicher Aktivität kann den Schlaf stören. Empfohlen werden drei bis fünf Mal in der Woche 20 Minuten Bewegung. Kann das falsche Bett den Schlaf stören? von Bierbrauer: Ja. Das Bett sollte sauber und gut gelüftet sein. Sobald man die Bettwäsche länger nicht wechselt, wird sie von Milben besiedelt. Im Sommer sollte man deshalb einmal pro Woche die Bettwäsche wechseln, im Winter spätestens alle zwei Wochen. Die Matratze sollte auch regelmäßig abgesaugt werden, auch mal beidseitig. Nach spätestens zehn Jahren muss die Matratze ausgetauscht werden, bei billigen Matratzen früher. Für ein gutes Bett sind die richtige Länge und der Härtegrad der Matratze entscheidend. Die Qualität des Lattenrostes trägt laut Studien am wenigsten zu einem guten Schlaf bei. Ein Lattenrost für 100 Euro tut es auch. Ab wann ist es sinnvoll, mit Schlafproblemen zum Arzt zu gehen? von Bierbrauer: Wenn der Partner bemerkt, dass man selbst Atemaussetzer während des Schlafens hat. Das könnte ein Hinweis auf das Schlafapnoe-Syndrom sein. Dann sollte man zum Arzt gehen. Auch wenn man regelmäßig mit trockenem Mund und verschwitzt aufwacht, ist etwas nicht in Ordnung. Ein Hinweis kann auch sein, morgens nach ausreichender Schlafzeit aufzuwachen und sich trotzdem nicht ausgeschlafen zu fühlen. Der Hausarzt kann den Patienten zu einem Facharzt überweisen. Gegebenenfalls gibt es eine Überweisung zum Schlaflabor.

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