Tizian-Ausstellung im Frankfurter Städel - © Foto: dpa
Eine Frau und ein junger Mann stehen vor dem Tizian-Werk "Der Triumph der Liebe" in der Ausstellung "Tizian und die Renaissance in Venedig" im Städel. Foto: | © Foto: dpa

Das Licht der Lagune Große Tizian-Schau im Frankfurter Städel

Frankfurt/Main - Fast miniaturhaft ist das Bild eines Jünglings, das im Besitz des Frankfurter Städel ist. Das kleine Frühwerk Tizians ist für das Museum nun zum Ausgangspunkt für eine umfassende Ausstellung zum Malerfürsten der venezianischen Renaissance geworden, dessen Gemälde heute über die großen Museen der ganzen Welt verteilt sind.

Rund 20 Werke Tizians (um 1488/1490-1576) haben den Weg nach Frankfurt gefunden. Darunter sind berühmte Bilder wie das «Noli me tangere», eine Darstellung von Jesus und Maria Magdalena, aus London oder das Porträt des Dogen Venier aus Madrid. Angesichts der hohen Versicherungssummen und der zurückhaltenden Ausleihpraxis der führenden Museen nicht einfach - entsprechend stolz gibt man sich im Städel.

Im Ausland hat es zwar in den vergangenen Jahren größere Tizian-Ausstellungen gegeben. Doch die Ausstellung im Städel ist nun sogar die erste Überblicksschau zum Altmeister in Deutschland. «Wir holen gewissermaßen ein Versäumnis nach», sagt Städel-Kurator Bastian Eclercy.

Die Schau will zugleich auch das künstlerische Umfeld Tizians im Venedigs des 15./16. Jahrhundert beleuchten. Tizians Lehrer Giovanni Bellini ist genauso vertreten wie etwa seine Kollegen und Konkurrenten Lorenzo Lotto, Jacopo Bassano, Jacopo Tintoretto oder Paolo Veronese. Mehr als 100 Werke sind in der Schau «Tizian und die Renaissance in Venedig» versammelt.

Fotostrecke

Die Lagunenstadt war damals weltweit führende Seemacht und bedeutendes Handelszentrum - zum Beispiel für Farben. So wird die venezianische Renaissance gerade für ihren virtuosen Umgang mit Farbe und Licht gerühmt. Bei der Farbe geht das weit über das tiefe Rot hinaus, das oft mit der «Serenissima» assoziiert wird. Das Spektrum des venezianischen Kolorits reicht von düster gemalten Werken in Schwarz bis hin zur Buntfarbigkeit.

An Tizian, dessen Schaffen in den nachfolgenden Epochen Rubens oder Velázquez maßgeblich beeinflusst hat, wird die Bandbreite besonders augenfällig. Schließlich hat der Maler rund 60 Jahre lang in der Stadt gewirkt. Vor allem der späte Tizian arbeitet mit einem pastosen Farbauftrag, der zunehmend ein Eigenleben entwickelt. Tizian hat sogar in einem großen Gemälde - wie im Städel zu sehen ist - seinen eigenen Farbenhändler verewigt.

Thematisch beleuchtet die Ausstellung die Landschaftsmalerei, die als eines der großen Verdienste der venezianischen Renaissance gilt. Neben den Porträts nobler Männer geht es um das Idealbild der schönen Frauen («Belle Donne»). Bis heute wird darüber gestritten, ob es sich bei den oft freizügig porträtierten Damen um die Darstellung von Edelkurtisanen handelt oder um idealisierte Formen von Schönheit.

Die Malerei in Venedig wird gerne klischeehaft auch als Antipode zu der in Florenz oder Rom gesehen, den anderen Zentren der italienischen Renaissance. Dort basierte die Malerei stärker auf der Zeichnung. Doch es gab sehr wohl Berührungspunkte. Bei der Darstellung muskulöser männlicher Aktfiguren, für die Michelangelo berühmt wurde, orientierten sich Tizian oder Tintoretto genauso an der Antike. Letzterer studierte Michelangelos Skulpturen sogar genau. Das macht die Ausstellung ebenfalls deutlich.

Links zum Thema
Tizian-Ausstellung im Städel

Copyright © Neue Westfälische 2019
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group