Köche werfen vielerorts Hummer lebendig in den heißen Topf. - © picture alliance / imageBROKER
Köche werfen vielerorts Hummer lebendig in den heißen Topf. | © picture alliance / imageBROKER

Maine US-Restaurant versetzt Hummer in Drogenrausch, bevor sie gekocht werden

Talin Dilsizyan

Maine. Hummer werden in der Regel lebendig in kochendes Wasser geworfen, bevor sie auf dem Teller landen. Ihr Todeskampf im Kochtopf kann mehrere Minuten dauern. In der Schweiz müssen Restaurants die Tiere seit März betäuben. Köche können hierfür Elektroschocks einsetzen. Eine ganz andere Methode, um ihnen Qualen zu ersparen, hat ein Restaurant im US-Bundesstaat Maine entwickelt.

Die Besitzerin von "Charlotte's Legendary Lobster Pound" in Southwest Harbor wollte etwas dafür tun, damit die Hummer in ihrem Restaurant möglichst schmerzfrei sterben. Wie Charlotte Gill der Zeitung Mount Desert Islandererzählte, habe sie ihr Verfahren zunächst an Hummer Roscoe getestet. Er musste für einige Minuten in eine Box mit etwas Wasser am Boden. Dann wurde Marihuana-Rauch in das Wasser gepustet.  Laut Gill sei der Hummer so entspannt gewesen, dass er seine Scheren drei Wochen lang nicht gegen seine Artgenossen im Bassin erhoben habe.

Als Dank für seine Dienste entließ sie Roscoe in die Freiheit. Gill hat lange Zeit Hummer lebendig gekocht. Das ist im Bundesstaat, der für seine Hummer-Bestände weltweit bekannt ist, der übliche Weg, die Tiere zu töten. Aber sie sei seit Jahren Tierschützerin, daher ist sie überzeugt: "Wenn wir einem Tier das Leben nehmen, so sollte dies so human wie möglich geschehen." "Schrecklich" seien die Methoden, Hummer mit einem Stich in den Kopf zu töten oder mit Elektroschocks zu betäuben, bevor sie im Topf landen.

Der Gast bestimmt, ob der Hummer betäubt wird

Roscoes positive Reaktion auf Marihuana hat dazu geführt, dass Gill in ihrem Restaurant einen eigenen Bereich in der Küche eingerichtet hat, wo die Hummer mit Cannabis beruhigt werden, bevor sie gekocht werden. Charlotte Gill hat eine Lizenz für den Anbau von medizinischem Marihuana im Bundesstaat Maine. Zwar hofft die Restaurantbesitzerin, dass sie nächstes Jahr alle Hummer so behandeln kann, noch hat der Gast jedoch die Wahl, ob er ein Tier auf "traditionelle Art" zubereitet bekommen möchte, oder ob die Sinne des Hummers vor seinem Tod im Kochtopf mit Drogen betäubt werden sollen.

Bedenken, dass durch die Betäubungsmethode Tetrahydrocannabinol (THC) in das Essen gelangen könnte, weist Gill zurück. Sie stellt klar, dass das Fleisch so stark erhitzt werde, dass der chemische Stoff vollständig abgebaut wird. In einem größeren Bassin sollen mehrere Hummer, die für das Verfahren ausgewählt wurden, über eine Luftpumpe, die Marihuana-Rauch in das Wasser bringt, betäubt werden können. Danach werden sie gedämpft.

Verbot, Hummer lebendig zu kochen

In Neuseeland wurde 1999 ein Gesetz verabschiedet, was das Kochen von lebendigen Hummern verbietet. Zudem hat der Bürgermeister der italienischen Stadt Reggio Emilia 2004 ein solches Verbot erwirkt. Die Regierung in der Schweiz hat im Januar 2018 gegen den Widerstand aus der Gastronomie beschlossen, dass die Krustentiere in den Gaststätten künftig nicht mehr nach der gängigen Methode getötet werden sollen.

Dabei stützte sie sich auf Hinweise von Tierschützern und Wissenschaftlern, dass Hummer über hochentwickelte Nervensysteme verfügen. Ihre Reaktionen weisen auf Schmerzempfinden hin. Der Bundesrat erkannte bei seiner Entscheidung an, dass auch Panzerkrebse leidens- und empfindungsfähig sind und dehnte die Betäubungspflicht aus, die zuvor nur für Wirbeltiere galt.

Information
THC ist der Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Für einen Rauschzustand beim Menschen müssen dem Körper rund 3 bis 10 mg THC zugeführt werden. Zu den psychischen Wirkungen gehört, dass positive und auch negative Gefühle und Stimmungen verstärkt werden. Häufig unerwünschte Nebenwirkungen sind eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und Denkstörungen.

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