0

Statistik OWL-Unternehmen droht ein Fachkräftemangel

Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

Elena Gunkel
17.11.2015 | Stand 17.11.2015, 11:39 Uhr |

OWL. Jedes Jahr schaffen die Unternehmen in OWL neue Ausbildungsplätze. Doch zwischen Angebot und Nachfrage besteht offenbar eine Lücke, denn nicht jedem Arbeitgeber gelingt es, die vorhandenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Anzahl der Bewerber sinkt. 17.711 junge Menschen aus der Region haben sich dieses Jahr um einen Ausbildungsplatz beworben. Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind das 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. „Wenn diese Tendenz unverändert bleibt, werden die Unternehmen in OWL künftig immer öfter mit einem Mangel an Nachwuchskräften konfrontiert“, sagt Swen Binner, IHK-Experte für berufliche Bildung. Warum ist der Wettbewerb um die Ausbildungsplätze in OWL so ungleichmäßig? Welche Berufe sind bei jungen Menschen besonders beliebt? Und können junge Flüchtlinge künftig die vorhandenen Plätze besetzen?Weniger Schulabgänger In allen OWL-Kreisen außer Gütersloh und Minden-Lübbecke ist die Anzahl der Bewerber um die Ausbildungsplätze 2014/15 im Vergleich zum Jahr davor gesunken. In Bielefeld ist sie nahezu unverändert geblieben. Sehen Sie hier die Zahlen aus 2014/2015 im Vergleich zum Vorjahr: Thomas Richter, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Bielefeld, nennt für diesen Rückgang zwei Gründe. Zum einen seien das die Folgen der aktuellen demografischen Entwicklung, bei der die Zahl der Schulabgänger jährlich abnimmt. Zum anderen schlagen die Jugendlichen häufiger den Weg einer weiterführenden Schullaufbahn oder eines Studiums ein. „Die Attraktivität einer dualen Ausbildung wird von Jugendlichen oft nicht klar erkannt“, sagt Richter. „Das ist eine Entwicklung, der wir entgegensteuern müssen.“ Falls der Trend bleibt, werden Betriebe, die bisher noch nicht für den eigenen Bedarf ausbilden, in den nächsten Jahren zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre freien Stellen zu besetzen, so der Experte.Ungleicher Wettbewerb Statistisch gesehen kamen 2014/15 in OWL auf einen Bewerber 0,79 Ausbildungsplätze, so die Agentur für Arbeit. Dabei war der Wettbewerb in den einzelnen Kreisen sehr ungleichmäßig. Im Kreis Herford standen beispielsweise für einen Bewerber 0,62 Stellen zur Verfügung. Im Kreis Paderborn hingegen war rein rechnerisch gesehen praktisch kein Wettbewerb vorhanden, denn pro Bewerber gab es dort 0,98 Ausbildungsplätze. „Ostwestfalen ist sehr heterogen“, erklärt Swen Binner, Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen und Experte für berufliche Bildung. Die ungleichmäßige Entwicklung in den Kreisen liege vor allem daran, dass sie sehr unterschiedliche Branchenstrukturen haben. „Der Kreis Paderborn beispielsweise zeichnet sich durch einen innovativen Dienstleistungs- und IT-Bereich aus, in dem viele Ausbildungsplätze geschaffen wurden“, sagt Binner. Der Kreis Herford sei hingegen stark abhängig von der holzverarbeitenden Industrie. „Da der Branchenmix im Kreis fehlt, war die Dynamik im letzten Ausbildungsjahr hier nicht so groß“, erklärt Binner weiter. Auch der Unterschied zwischen ländlichen und städtischen Gebieten spiele eine Rolle. „Die Zahlenrückgänge im Kreis Höxter lassen sich durch demografische Sonderentwicklungen erklären“, so Binner. Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Rolle Ausländer spielen und welche Ausbildungsberufe besonders beliebt sind. Ausländer Die Anzahl der Ausländer, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden, wächst in OWL Jahr für Jahr, so die Statistik der Agentur für Arbeit. Für den Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Bielefeld, Thomas Richter, ist es eine positive Tendenz. „In dieser Entwicklung steckt ein Potenzial, um den Bedarf an Fachkräften auf längere Sicht zu decken“, sagt er. Besonders aktuell sei das Thema mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik. Die IHK Ostwestfalen setzt sich dafür ein, dass junge Flüchtlinge erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die größten Schwierigkeiten auf diesem Weg sind laut Geschäftsführer Swen Binner die sprachliche Barriere sowie der ungeklärte Status der Menschen aus sicheren Drittländern.Beliebte Berufe Verkäufer, Bank- oder Industriekaufmann sowie Kaufmann im Einzelhandel – seit Jahren bleibt die Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe in allen OWL-Kommunen nahezu unverändert. Handwerkliche Berufe sowie die Ausbildung im gastronomischen Bereich hingegen verlieren an Attraktivität. Hans-Günter Lamm ist Bäckermeister und Geschäftsführer der Bielefelder Bäckerei „Lamm“ in zweiter Generation. „Das Tragische ist, dass unser Beruf schon alleine durch die Arbeitszeiten ein schlechtes Image hat“, beklagt er. Dabei sei es insbesondere für Familien mit Kindern vorteilhaft, wenn ein Elternteil am frühen Nachmittag Feierabend hat. „Heute wollen nur wenige Menschen Nahrungsmittel, die in Masse hergestellt und billig angeboten werden“, sagt Lamm. „Darum bin ich der Meinung, dass man als Bäcker unheimliche Chancen hat. Egal, wie es Menschen geht: Brot ist und bleibt ein Grundnahrungsmittel.“

realisiert durch evolver group