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Stehen fest auf eigenen Beinen: Die Actidoo-Gründer Frank Tripp(v. l.), Marcel Sander, Jens Janiuk und Christian Löer (r.) mit ihrem ersten Angestellten Felix Eickhoff (2. v. r.). - © Hans-Hermann Igges
Stehen fest auf eigenen Beinen: Die Actidoo-Gründer Frank Tripp(v. l.), Marcel Sander, Jens Janiuk und Christian Löer (r.) mit ihrem ersten Angestellten Felix Eickhoff (2. v. r.). | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner Gründer erfinden ihr Start-up vollkommen neu

Mit Actidoo steht ein weiteres Jungunternehmen aus der Garage 33 auf eigenen Füßen

Hans-Hermann Igges
03.12.2018 | Stand 06.12.2018, 18:45 Uhr

Paderborn. In frischem Weiß strahlen die Wände. Und ein Strahlen geht auch von ihren Gesichtern aus: Jens Janiuk, Christian Löer, Marcel Sander und Frank Tripp sowie Matthias Feldotto haben es geschafft. Innerhalb von fünf Jahren sind die ehemaligen Studenten zu Arbeitgebern geworden. Und gerade umgezogen aus zwei Zimmern, Küche und Besprechungsraum zur Mitbenutzung auf eigene 260 Quadratmeter.

Erreicht wurde das nicht nur mit gezielter Hilfe durch die Technologieförderung der Universität Paderborn und Fördermittel für Existenzgründer, sondern im Grunde sogar mit einer Idee, die inzwischen tot ist.

Inzwischen ist alles anders

Was paradox klingt, zeugt von unternehmerischer Vernunft. Eigentlich waren die Fünf angetreten, um mit einer Smartphone-App namens Actidoo den Markt der sozialen Netzwerke um eine auf Freizeitaktivitäten spezialisierte Variante zu bereichern. Nebenbei entwickelten sie Softwarelösungen für mittelständische Auftraggeber. Doch inzwischen ist alles anders: Das Geschäft mit der Individualsoftware läuft nach eigenen Angaben so gut, dass sogar ein erster Mitarbeiter eingestellt wurde. Dafür beendet wurde die Arbeit an der Freizeit-App, auch wenn diese zwischendurch sogar sechsstellige Nutzerzahlen vorweisen konnte.

„Wir bewegten uns in einem schwierigen Markt. Die Menschen sind inzwischen nicht mehr so neugierig auf neue Anwendungen wie noch vor ein paar Jahren", sagt Frank Tripp, Technischer Leiter von Actidoo. Analysen hätten gezeigt, dass man allein 900.000 Euro ins Marketing hätte investieren müssen, um die Marke bekannter zu machen. Tripp: „Im letzten Mai haben wir dann beschlossen, die App endgültig sterben zu lassen. Da wären wichtige Updates fällig gewesen. Und die Datenschutz-Grundverordnung der EU hätte zusätzlich viel Aufwand bedeutet."

Wer die typischen Auftraggeber sind

Was geblieben ist, ist der Name, wenn auch farblich und von der Form her aufgefrischt. Und viele Erfahrungen. „Teile des Innenlebens der Freizeit-App finden sich jetzt in unseren anderen Lösungen wieder", sagt Jens Janiuk. Die Kunden kämen zum allergrößten Teil aus der Region. „Wir hatten aber auch schon Aufträge aus den USA und Großbritannien", sagt Vertriebsleiter Christian Löer. Einer der typischen Auftraggeber aus dem Mittelstand ist die auf Hochdruck-Wasserstrahltechnik spezialisierte Firma Hammelmann aus Oelde.

Für deren Mitarbeiter entwickelten die Paderborner eine Smartphone-App, mit der sie komplexe Berechnungen zu Druck, Druckverlust, Volumenstrom, Drehzahl der Pumpe oder Rückstoßkraft des Düsensystems durchführen können. Bis hin zu konkreten Warnungen, wenn der Einsatz der Geräte gefährlich werden könnte.

Mit ihrem inzwischen schon dritten Umzug bleiben die Jung-Unternehmer dem Technologiepark Paderborn bewusst treu: „Das ist auch nach außen hin eine gute Adresse", sagt Frank Tripp. Und sie setzen auf Expansion. Fürs erste werden ein zusätzlicher Softwareentwickler und eine Teamassistenz für halbtags gesucht. „Wenn alles gut läuft, könnten es 2019 aber auch bis zu drei zusätzliche Entwickler werden", sagt Marcel Sander. Die üppige Bürofläche, garniert mit Startup-typischen Insignien wie Designer-Getränkekühlschrank und Kickerkasten, dürfte dafür jedenfalls eine Weile reichen.

Für Rüdiger Kabst läuft alles nach Plan

„Genau so soll es laufen", sagt Rüdiger Kabst, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Leiter des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers (TecUp), zum Auszug seiner früheren Schützlinge aus dem Innovationsraum Garage 33. 2012 begann Kabst, der inzwischen auch Vizepräsident für Wissens- und Technologietransfer der Uni Paderborn ist, mit dem Aufbau von TecUp. Nun hätten schon einige der früheren Startups den Durchbruch geschafft.

Von den rund 200 Ausgründungen seit dem Beginn der damaligen Gesamthochschule, heutigen Universität Paderborn 1972 entfielen nach seinen Angaben über 50 auf die Zeit seit 2014. Derzeit tüfteln laut Kabst in der Garage 33 insgesamt 36 Startups an Digitalisierungsprojekten, in zwölf Fällen auch in Zusammenarbeit mit Firmen der Region. Dies habe in den eineinhalb Jahren des Bestehens von Garage 33 bis jetzt zu 160 Arbeitsplätzen geführt.

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