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Das St.-Josefs-Krankenhaus in Salzkotten rüstet sich für die Zukunft. - © Andreas Götte
Das St.-Josefs-Krankenhaus in Salzkotten rüstet sich für die Zukunft. | © Andreas Götte

Salzkotten Das Salzkottener Krankenhaus steht vor einigen Herausforderungen

Die Geschäftsführung setzt künftig auch auf eine geriatrische Klinik mit 50 Betten

Andreas Götte
10.09.2019 | Stand 10.09.2019, 17:31 Uhr

Salzkotten. Die öffentliche Diskussion um die Zukunft des St. Josefskrankenhauses in Salzkotten kann Hauptgeschäftsführer Josef Düllings von der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH wegen der mangelnden und negativen öffentlichen Kommunikation nachvollziehen, „mit der Entwicklung des Hauses bin ich durchaus zufrieden", so Düllings im Hauptausschuss der Stadt Salzkotten. Die Fraktion der Linken hatte im Juli einen Antrag zur „Lage und Entwicklung medizinischer Versorgung in Salzkotten und Umgebung" gestellt. Seit 2014 ist das Salzkottener Krankenhaus Betriebsstätte des St.-Vincenz-Krankenhauses in Paderborn. „So ein Krankenhaus funktioniert nur im Verbund", betonte Düllings. Ihm zufolge befindet sich die Einrichtung seitdem in der Konsolidierung, auch wenn beispielsweise die Verweildauer der Patienten in Salzkotten 19 Prozent über dem Durchschnitt liegt, während in der medizinischen Klinik in Paderborn die Marke neun Prozent unter dem Durchschnitt liegt. So soll gegengesteuert werden Auch in diesem Jahr sind in Salzkotten die Erlöse rückläufig. 70 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland schafften keinen Überschuss, so Düllings. Die Defizite in Salzkotten hätten zwischendurch die Vinzentinerinnen in Paderborn getragen. „Wir brauchen ein anderes Managementsystem, beispielsweise Geschäftsführer und Arzt in einer Person", so der Hauptgeschäftsführer. Von der Studie der Bertelsmann-Stiftung, die zu dem Schluss kommt, die Zahl der bundesweiten Häuser von 1.400 auf 600 zu reduzieren, hält der Krankenhaus-Chef dennoch nicht viel. „Schließungen verschlechtern die Versorgung." Gründe für die Krankenhaus-Krise sieht der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) im GVK-Finanzierungsgesetz, in der Zwangsrabattierung durch den Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und im Verhalten der Krankenkassen, die Düllings als Sparkassen bezeichnete. Die 21 Milliarden Rücklagen und die zehn Milliarden aus dem Gesundheitsfonds bedeuteten das Sechsfache der vorgeschriebenen Mindestreserve. Warum eine geriatrische Klinik mit 50 Betten geplant wird Weil der Bedarf an Betten in der Geriatrie im Kreis Paderborn bei 100 Betten liegt und das Paderborner St. Johannisstift nur 45 vorhält, setzt Düllings künftig neben der medizinischen Klinik mit 50 Betten auch auf eine geriatrische Klinik mit 50 Betten. Auch eine Kurzzeitpflege am Krankenhaus sei vorstellbar. Chefärztin wird Magdalene Aniol. Zudem setzt Düllings auf eine Kooperation mit der Universität Bielefeld, von der auch die Ärzteausbildung in Salzkotten profitieren wird. Düllings peilt für 2019 auch die Zahl von 1.000 Geburten an. „Mit 15 Prozent sind wir bei den Wassergeburten bundesweit führend", so sein Werbeblock. Der linke Fraktionschef Paul Weitkamp zeigte sich mit dem Gesagten nicht einverstanden. „Ich kann diesen eitel Sonnenschein nicht nachvollziehen. Für uns Linke ist es problematisch, wenn ein Krankenhaus als Unternehmen gesehen wird", so Weitkamp. Er habe über die örtliche Versorgung der Bevölkerung nichts gehört. Er befürchtet eine Kettenreaktion von sinkender Nachfrage mit der Verkleinerung oder gar der Schließung von Krankenhäusern. Dafür gab es Applaus von den voll besetzten Zuschauerrängen. Diese Resolution wird abgelehnt In Weitkamps Resolution wird Düllings aufgefordert, den Beschluss zur Restruktierung zur der Einrichtung in enger Abstimmung mit der Personalvertretung und eventuell mit Patientenvertretern ergebnisoffen zu überprüfen und zur Disposition zu stellen. Das fand im Plenum bei zwei Enthaltungen der Grünen keine Mehrheit. „Wir gehen nach menschlichem Ermessen in eine gute Entwicklung und haben die Hausaufgaben gemacht, damit sich der Standort gut entwickelt", beruhigte Düllings. Für die nächsten fünf Jahre stellte er auf Nachfrage eine Sicherung des Standortes und den Ausbau sowie die Sicherstellung der Grundversorgung und die Umsetzung der digitalen Patientenakte bis Ende 2021 in Aussicht. Bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 27. Oktober, können sich Interessierte selbst ein Bild machen und auch die Operationssäle für zehn Millionen Euro unter die Lupe nehmen.

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