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Am Ziel: Stefan Fricke (r.) und Martin Hengesbach posieren vor dem Kilometerstein am Niradosdom in Trondheim. Es ist der Sehnsuchtsort aller Pilger, die den Olavsweg in Angriff nehmen. - © Privat
Am Ziel: Stefan Fricke (r.) und Martin Hengesbach posieren vor dem Kilometerstein am Niradosdom in Trondheim. Es ist der Sehnsuchtsort aller Pilger, die den Olavsweg in Angriff nehmen. | © Privat

Salzkotten Ein Salzkottener auf Tour durch den hohen Norden

Stefan Fricke meistert mit seinem Kumpel aus dem Sauerland in zwei Wochen den 660 Kilometer langen Olavsweg von Oslo nach Trondheim

Frank Beineke
07.09.2019 | Stand 07.09.2019, 16:01 Uhr

Salzkotten. Im vergangenen Jahr wollte Stefan Fricke besonders hoch hinaus. Mit Erfolg: Der Salzkottener kletterte im Himalaya auf den Gipfel des 8.201 Meter hohen Berges Cho Oyu. In der ersten August-Hälfte wartete auf Fricke nun das nächste Abenteuer. Diesmal ging’s zwar nicht auf hohe Gipfel. Doch auf den 660 Kilometern von Oslo nach Trondheim musste der 56-jährige Salzkottener dennoch wieder an seine Grenzen gehen. Mit seinem Wanderkollegen Martin Hengesbach hatte Fricke die klassische Olavsweg-Route in Angriff genommen. Der traditionsreiche Pilgerweg durch Norwegen ist dabei eigentlich in 32 Tages-Etappen unterteilt. Doch der Autohaus-Besitzer aus Salzkotten und der Ernährungsberater aus Meschede meisterten die anspruchsvolle Tort(o)ur in nur zwei Wochen. Kondition hatte das Duo schon vor zwei Jahren bewiesen. Damals waren Fricke und Hengesbach in 14 Tagen von München nach Venedig gewandert. Die beiden Ausdauer-Asse hatten bei dieser Alpenüberquerung 20.000 Höhenmeter bewältigen müssen. Exakt so viele Höhenmeter sollten es auch diesmal bei der Reise durchs norwegische Hinterland werden. Das Wetter bereitet Probleme „Das ist quasi das Sauerland XXL", beschreibt Fricke die Topographie der malerischen Landschaft, die jedoch gerade auf den ersten 350 Kilometern kaum Abwechslung zu bieten hatte. Dafür gab’s jede Menge Asphaltwege und Dauerregen, was dem Duo gewaltig zu schaffen machte. So geriet gleich die 46 Kilometer lange Start-Etappe zum Härtetest. Das immer feuchter werdende Gepäck wog schnell mehr als 20 Kilo. Und auch das Schuhwerk litt unter dem Wetter. „Mit nassen Füßen wird’s halt schwierig", sagt Stefan Fricke, der sich flugs eine Einblutung unter dem Fuß zuzog. Doch Jörg Liebeck, Physiotherapeut des SC Paderborn, half seinem Kumpel aus der Patsche. „Er hat mich telefonisch beraten, wie ich meinen Schuh modifizieren muss", erklärt Fricke, der einst Fanbeauftragter beim SCP war. Die Blasen waren dank dieser „Umbaumaßnahmen" zu ertragen. Doch die Schwierigkeiten blieben. So manche Kletterpassage wurde durch den Regen brandgefährlich. Bemooste und glitschige Felsblöcke erforderten höchste Konzentration. „Teilweise war es ein Himmelfahrtskommando", so Fricke. Viel Lob für die Norweger Doch vor allem die Gastfreundschaft der Einheimischen entschädigte für alle Strapazen. „Die Norweger sind ein sensationell nettes und freundliches Volk", schwärmt der Salzkottener und fügt an: „Uns wurden ständig Wasser und Obst angeboten. Wir erhielten Einladungen zum Essen, es gab Angebote für Schlaf- oder Zeltplätze. Das war außergewöhnlich." Zudem sollte die zweite Hälfte der Tour, die von Lillehammer nach Trondheim führte, landschaftlich deutlich reizvoller werden. „Kurz vor Trondheim haben wir eine besonders herzliche Familie kennen gelernt. Da gab es wunderbares Essen", berichtet Stefan Fricke, der mit Martin Hengesbach am 16. August das Ziel erreichen sollte. Der Nidarosdom in Trondheim, ein Nationalheiligtum, ist der Sehnsuchtsort aller Olavsweg-Pilger, von denen es übrigens (noch) nicht so viele gibt. Denn während der Jakobsweg alljährlich von 300.000 Wanderern bevölkert wird, sind es auf dem Olavsweg gerade einmal 1.500 pro Saison. Jetzt geht's auf den Kilimandscharo „Es war wieder einmal eine tolle Erfahrung", urteilt Fricke über seine jüngste Tour, die erneut einem guten Zweck diente. Und schon in Kürze nimmt der 56-Jährige sein nächstes Projekt in Angriff. So will Fricke in der ersten Oktoberhälfte den Kilimandscharo besteigen. Der Salzkottener war bereits zwei Mal auf dem 5.895 Meter hohen Berg in Tansania. „Diesmal werde ich mein ganzes Gepäck aber erstmals selbst schleppen", erklärt Fricke. 2020 könnte es dann erneut nach Nepal geben. Noch gibt es aber keine konkreten Pläne. Und auch mit Norwegen hat der Ausdauersportler noch nicht abgeschlossen. „Irgendwann will ich mal mit dem Fahrrad zum Nordkap. Immer die Küste entlang", sagt Stefan Fricke, „aber das hat noch Zeit." Erst einmal heißt es wieder: Der Berg ruft.

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