Die Turmgerüste dominieren die Baustelle St. Matthäus: Es gibt keine Stelle, die nicht saniert wird. Auf frische Farben, neue Beleuchtung und moderne Technik freuen sich die drei Kirchenvorstände (von links) Ludger Stennes, Manuela Schnückel, Ferdi Falke mit der Bauleiterin Ursula Rücker. - © Günter Uhrmeister
Die Turmgerüste dominieren die Baustelle St. Matthäus: Es gibt keine Stelle, die nicht saniert wird. Auf frische Farben, neue Beleuchtung und moderne Technik freuen sich die drei Kirchenvorstände (von links) Ludger Stennes, Manuela Schnückel, Ferdi Falke mit der Bauleiterin Ursula Rücker. | © Günter Uhrmeister

Salzkotten-Niederntudorf St. Matthäus Niederntudorf wird frisch gemacht

Die Heiligenfiguren erfahren eine ganz besondere Behandlung

Günther Uhrmeister

Salzkotten-Niederntudorf. Das sakrale Gewölbe von St. Matthäus in Niederntudorf, es strahlt auch im ausgeräumten Gotteshaus in ewiger Würde. Wenn sich die Türen von St. Matthäus schließen, dann bleibt der Alltag der Menschen außen vor. Die Stille wird in diesen Wochen auch nicht von mächtigen Orgeltönen unterbrochen - nein, die Orgel ruht verpackt auf ihrer Bühne. Und auch das Innenleben der Kirche ist ausgezogen und mit ihm die Schar der Heiligenfiguren. Dafür stapeln sich beinahe babylonisch Gerüsttürme auf und heben Handwerker oder inspizierende Kirchenvorstände dem Himmel ein Stück näher. Zumindest reichen die Nasenspitzen der Bauinspekteure bis unter die bereits frisch erstrahlende Gewölbedecke. Allerheiligen soll die Großbaustelle St. Matthäus nach der Rundumrenovierung wieder zum Einzug von Heiligen und Gläubigen bereitstehen. Auch wenn die mühsamen Kunstmalerarbeiten viel Zeit benötigen, gibt es noch ausreichend Zeitpuffer für den Terminplan. Da ist die Bauleiterin Ursula Rücker zusammen mit den Kirchenvorständen Ludger Stennes, Manuela Schnüchel und Ferdi Falke zuversichtlich. Die neuzeitliche Manchettenmalerei mit dem Schlussstein über dem Chorraum und dem Kapitell ist gesäubert und bekommen im alten Stil nur noch ein paar frische Farbtupfer sowie eine ursprüngliche Vergoldung. Alles ist dezent betont und wirkt nicht überladen. "Weniger ist mehr", sind sich auch die Kirchenvorstände einig. Sanfte und natürliche Sandfarben kleiden die Wände und wechseln sich mit weiß getünchten Gewölben ab. Nur hin und wieder betonen freundliche Blautöne, natürliche Erdfarben oder ein würdiges Rubinrot die Kapitelwulste, die mit Blattgold verziert werden. Alles in allem werden die vorhandenen Farbgebungen aufgenommen und nur an ausgewählten Stellen anders betont. Kirchengemeinde trägt Kostenanteil von 190.000 Euro Die Bauinspekteure sind mit der Zwischenbilanz rundum zufrieden, denn auch die Kosten laufen nicht weg. Eine gute halbe Million Euro gilt es mit einem Zuschuss in Höhe von 320.000 Euro und einem restlichen Anteil von 190.000 Euro durch die Kirchengemeinde selbst zu stemmen. Deshalb sind Eigenleistung und Spenden weiterhin gefragt, wenn die Heiligenfiguren pünktlich wieder zurückkehren sollen. Auf dem Hof Wedeking am östlichen Ortseingang in Niederntudorf weilen derzeit die Heiligenfiguren von St. Matthäus. Hier wohnen Maria (81) und Otto (82) Wedeking. Beide sind bis heute menschliche Schutzpatrone für gestrandete Heiligenfiguren und religiöse Bildnisse. "Es fing an mit der Mutter Anna, das ist die Mutter der Maria, der Mutter von Jesus, die in der Figur als kleines Kind zu sehen ist", erzählt der gelernte Malermeister und frühere Küster der Kirchengemeinde. Hinter einem profanen Türschild mit der Aufschrift Werkstatt strahlt die ausgezogene Schar der 17 Schutzheiligen von St. Matthäus in frischen Farben. "Der heilige Aloisius war voller Würmer", denkt Otto zurück. Mutter Anna, Herz Jesu, Matthäus, der Schutzpatron der Pfarrkirche, die Heilige Elisabeth aus Thüringen, die ihren Reichtum an die Armen verschenkte, Liborius und und und. Namen und Sinnbilder der testamentarischen Geschichte. Drei Figuren warten noch aufgereiht auf die Frischekur des Malermeisters: Die heilige Klara, Namensgeberin der Klarissenklöster, der Heilige Florian mit hölzernen Nachbildungen von Pfarrkirche und Pfarrhaus zu seinen Füßen sowie auch der Heilige Johannes der Täufer. Die Zeit der Innenrenovierung von St. Matthäus ist für die Niederntudorfer auch die Zeit geistiger und baulicher Erfrischung. So gibt es gemeinsame Messen der Tudorfer in der benachbarten Kirche St. Georg in Oberntudorf und auch besinnliche Stunden der Frühmesse in der provisorischen Kapelle im Pfarrheim. Die Prozessionsmesse zum Antoniusfeiertag ließ Wessels Scheune als puristisches Gotteshaus glänzen. Und wenn Allerheiligen und damit die Rückkehr in die Kirche ansteht, werden sich am frischen Innenleben samt aufgehübschter Heiligenfiguren nicht nur die Eheleute Wedeking erfreuen, sondern alle Gotteshausbesucher.

realisiert durch evolver group