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Ulrich Rotte hält Verpackungen in Händen, die zukünftig von einer Anlage aus Tudorf voll automatisch weiterverarbeitet werden. - © FOTO: KARL FINKE
Ulrich Rotte hält Verpackungen in Händen, die zukünftig von einer Anlage aus Tudorf voll automatisch weiterverarbeitet werden. | © FOTO: KARL FINKE

Salzkotten Automatische Lösungen im Blick

Die Firma Rotte in Tudorf fertigt Sonderanlagen für alle Branchen

VON KARL FINKE
06.11.2014 , 10:33 Uhr

Salzkotten. Es klingt verrückt, das weiß Ulrich Rotte (55), aber sein Unternehmen wird in den kommenden Jahren von den neuen Mindestlöhnen wahrscheinlich profitieren. "Ich muss trotzdem nicht gut heißen, was da passiert", sagt der Chef. Doch der Sonderanlagen-Hersteller rechnet mit mehr Aufträgen, weil mögliche Kunden zukünftig vielleicht vermehrt auf Automation an Stelle von Handarbeit setzen.

Rotte hält die Tüten einer Verpackungsfirma in Händen. Dort werden sie bislang von Hand zusammengelegt - wahrscheinlich von eher schlecht verdienenden Leiharbeitern. Zukünftig wird eine Maschine aus Tudorf jede halbe Sekunde eine Tüte befördern.

"Wir zeigen, wie man wirtschaftlicher arbeiten kann", sagt Franz-Barthold Gockel (49), zweiter Geschäftsführer: "Das strukturiert den Arbeitsmarkt um, aber es stabilisiert ihn auch."

Die Rotte Anlagenbau und Fördertechnik GmbH fertigt wie Tausende andere ihrer Art in Deutschland, bietet aber offenbar besonders pfiffige Problemlösungen. Von den meisten Machinen entsteht nur eine einzige, mal zwei oder drei.

"Dafür bieten wir Komplettlösungen", sagt Rotte. Ein Auftrag beginnt oft auf einem leeren Blatt Papier, so Gockel, wo mit dem Kunden die gewünschten Abläufe in ersten Ideen zusammenlaufen. In der eigenen Konstruktions- und Entwicklungsabteilung müssen die Prozesse reifen. Mit Zulieferteilen und Eigenkomponenten werden sie in den Werkstätten nach wie vor im Ein-Schicht-Betrieb umgesetzt. Eine fertige Anlage wird in der Regel nach drei bis sechs Monaten ausgeliefert. Das Auftragsvolumen liegt oft im siebenstelligen Eurobereich. Doch nicht jede Planung wird von den Kunden auch in die Tat umgesetzt, relativieren die beiden Geschäftsführer. Der Anlagenbauer Rotte sitzt nicht nur beim Thema Mindestlohn am Puls der Zeit.

Der Niedergang der Photovoltaikproduktion in Deutschland traf auch die Tudorfer. Sie waren und sind zum Glück nicht auf Branchen fixiert. "Vor Jahren haben wir etwa 80 Prozent unserer Geschäfte im Ausland gemacht", so Rotte: "Im Moment machen wir wieder viel in Deutschland." Und die deutsche Politik gibt in Europa seiner Meinung nach den Takt an - nach dem Motto: "Wenn das in Deutschland funktioniert, dann machen wir es auch so." Ob hier im Land die Wirtschaft bergauf oder bergab geht, spüren die Tudorfer Anlagenbauer aber offenbar in der Regel mit einer zeitlichen Verzögerung.

Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist in zwanzig Jahren ein Arbeitgeber für 60-70 Mitarbeiter geworden - auch für Ingenieure, Techniker, Schweißer und Roboter-Programmierer. Firmengründer Rotte freut sich über den Einstieg seines Sohnes in das mittlere Management der Firma.

Benedikt (26) hat ein Studium als Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Maschinenbau absolviert. In vielleicht fünf Jahren könnte er die Führung übernehmen und die Zukunft des Unternehmens Rotte sichern.