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SALZKOTTEN/PORT ELISABETH Finanzexpertin für die Armen

Gebürtige Salzkottenerin Sonja Wiekenberg hat der Automobilbranche adieu gesagt

VON KARL FINKE
24.05.2012
Sonja Wiekenberg aus Schwelle mit Luthando (vorn), Sinethemba (l.) und Lebu (r.). - © FOTO: KHAYAVOLUNTEER PROJECTS
Sonja Wiekenberg aus Schwelle mit Luthando (vorn), Sinethemba (l.) und Lebu (r.). | © FOTO: KHAYAVOLUNTEER PROJECTS

Salzkotten/Port Elisabeth. In ihrer beruflichen Karriere hat Sonja Wiekenberg diese Kurve erst spät kommen gesehen. In der Automobilindustrie ist die 31-Jährige das Tempo mitgegangen - bis zur kaufmännischen Leitung eines Zulieferbetriebs. Als sie 2010 einen Zwischenstopp einlegte für eine Weltreise, folgte daraus Kurskorrektur. Die Finanzexpertin setzt ihr Wissen jetzt für die Verbesserung von Lebensbedingungen von Kidern in Südafrika ein.

Statt für möglichst viel Profit hat sich Sonja Wiekenberg für eine so genannte Non-Profit-Organisation entschieden. Khaya Volunteers ist eine Freiwilligen-Organisation, die auch in Tanzania und Uganda aktiv ist. Sie organisiert Bildungs-Projekte mit Waisenkindern, Behinderten und für den Erhalt des Lebensraumes wilder Tiere.

Information
www.khayavolunteer.com

Schon während ihrer zweijährigen Auszeit vom Beruf hat sich die junge Frau aus Schwelle als Volunteer in zwei Khaya-Projekten vier Monate lang engagiert. Im Gemeindezentrum des Townships Missionvale (65.000 Einwohner) kümmerte sie sich um Themen wie das Gesundheitswesen, Bildung, Soziales Wohlergehen und Nahrungbedarf. Im "Door of Hope" war sie mitverantwortlich für 38 vernachlässigte Waisen-Kinder - teilweise an Aids erkrankt. Die Freiwillige nutzte ihre beruflichen Kenntnisse, um jeweils die Strukturen und Geldflüsse zu verbessern.

Sonja Wiekenberg beobachtet Kindern beim Malen mit Fingerfarben.
Sonja Wiekenberg beobachtet Kindern beim Malen mit Fingerfarben.

"Während meiner Weltreise durch Ozeanien, Lateinamerika und Afrika kristallisierte sich zunehmend heraus, dass ich eine berufliche Veränderung anstrebe", sagt Wiekenberg über ihre Lebenskurve, "und durch meine Arbeit mit sozialen und gemeinnützigen Organisationen fand ich meine Nische." Zurück bei ihrer Familie in den "Vereinigten Staaten" erhielt sie "wie durch einen Glücksfall" - so ihre Worte - das Angebot von Khaya. Für die Organisation arbeiten 5 haupt- und drei ehrenamtliche Mitarbeiter(innen). Sie finanziert wird sich durch die Freiwilligen und rund 15.000 Euro Spenden im Jahr.

In ihr neues Arbeitsfeld in Port Elisabeth (1,2 Millionen Einwohner) mochte die in finanziellen Prozessen versierte Deutsche eigene Ambitionen einbringen. Es habe ihr "geschmeichelt", sagt sie, dass ihr Khaya den Aufbau des Freiwilligen-Managements und dessen Koordination anbot. Wiekenberg freute sich, dass sie ihre beruflichen Erfahrungen nun "für eine wundervolle Erfahrung" einbringen kann. Sie hat einen Einjahresvertrag erhalten. Wieviel sie in Südafrika im Vergleich mit früheren Jobs verdient, will sie für sich behalten. In einem Wohngebiet fünf Minuten vom Strand führt sie "ein ganz normales Alltagsleben mit Hund, Freundschaften und Sport".

Wie es danach weiter geht, macht ihr keinerlei Sorgen. Wiekenberg hält es mit Worten des Musikers John Lennon, der einmal gesagt habe: "Das Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist andere Pläne zu machen." Auf jeden Fall will sie ihre Erfahrungen zukünftig weiter für benachteiligte Menschen einsetzen - womöglich dann wieder in Deutschland.