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Uwe Sartun (62) kam die Idee für seinen Wagen, nachdem seine Mutter operiert wurde und ihr das Gehen am Rollator zu anstrengend war. - © FOTO: FREDERIC GRABBE
Uwe Sartun (62) kam die Idee für seinen Wagen, nachdem seine Mutter operiert wurde und ihr das Gehen am Rollator zu anstrengend war. | © FOTO: FREDERIC GRABBE

PADERBORN Silber für hilfreiche Idee

Paderborner Erfinder tüfteln an neuen Produkten

VON FREDERIK GRABBE
11.11.2011

Paderborn. Thomas Alva Edison erfand einst die Glühbirne. Alexander Graham Bell brachte seinerzeit das Telefon zur Marktreife. Beides waren Erfindungen, die die Welt revolutionierten. Davon sind die die Tüftler des Paderborner Signo-Erfinderclubs weit entfernt. Mit ihren Ideen jedoch versuchen sie, den Alltag ihrer Mitmenschen zu erleichtern. Auf der internationalen Erfindermesse iENA in Nürnberg wurde nun ein Mitglied für seine Erfindung mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Uwe Sartun steht in einem Gang des Heinz-Nixdorf-Instituts. Neben ihm steht seine prämierte Erfindung: Auf vier Rollen steht ein Stahl- und Eisengestell, man erkennt zwei Griffe und zwei Armlehnen. "Im Prinzip ist dies ist eine Mischung aus Rollator und Rollstuhl", erklärt der 62-jährige Kfz-Mechaniker aus Herford. "Der Gehbehindertenwagen richtet sich an all jene, denen dass Laufen mit dem Rollator zu anstrengend ist, aber nicht in den Rollstuhl gehören", konkretisiert Sartun. Höhenverstellbar sei das Gerät, eine Ellenbogenbremse sei eingebaut und ein relativ kleines Packmaß habe es auch - aber noch sei es viel zu schwer. "Ich habe es aus Stangen von Kamerastativen und Rädern von Kinderwagen und Rollatoren gebaut - aber es ist ja erst ein Prototyp." Überhaupt sei ein Erfinder auf Improvisation beim Material angewiesen. Schließlich komme er allein für die Kosten seiner Konstruktionen auf.

Alle zwei Wochen treffen sich die Mitglieder des Paderborner Erfinder-Clubs im Heinz-Nixdorf-Institut (HNI) und stellen neue Ideen vor, holen technischen Rat ein oder besprechen Patentanmeldungen.

Will man die Rechte an seiner Erfindung wahren, ist dies unerlässlich - und das geht ins Geld. 2.500 bis 3.000 Euro koste die Anmeldung eines deutschlandweiten Patents, 20.000 bis 30.000 Euro das eines internationalen, erklärt der Paderborner Erfinder Rainer Janssen. Er hält stolz die Zulassung seines Patents für den Liftyfit in den Händen. "Im Wesentlichen besteht der Liftyfit aus zwei Mehrschichtkunstoffplatten, die durch drei Scharniere verbunden sind", erklärt der 61-jährige Elektroingenieur und ehemalige Entwicklungsleiter bei Siemens. Zusammengeklappt sind die Platten nur wenige Millimeter breit. Auseinandergeklappt jedoch gewinnt das Gerät etwa 30 Zentimeter an Höhe. "Arbeitet man etwa oft im Sitzen und hat Rückenprobleme, kann man seinen Laptop auf die Platten stellen, setzt sie hoch, und arbeitet im Stehen weiter". 30 Prozent der Menschen über 50 Jahren litten unter Rückenbeschwerden, weiß Janssen. Dieser Umstand brachte ihn auf die Idee für seine Erfindung. Bald wolle er Kontakt zu einem Hersteller in Süddeutschland aufnehmen.

Noch weiter ist Sabine Röhren. Die 47-jährige Schauwerbegestalterin aus Scharmede vertreibt bereits nach nur einem Jahr Entwicklungszeit ihren Lesefit - eine Art Kissen aus haftender Mikrofaser, das mit Styroporbällchen gefüllt ist. "Darin kann man Bücher oder Tablet-PCs absetzen, ohne dass sie zur Seite fallen", erläutert sie. Zielgruppe seien Menschen, die gerne bequem lesen ohne das Buch mit der Hand greifen zu müssen aber auch etwa Parkinson-Erkrankte, die ihr Buch nicht ruhig halten könnten. Röhren vertreibt ihren Lesefit über Buchhandlungen in Paderborn, Scharmede, Wewer und über das Internet.

Eine Garantie für die industrielle Produktion seines Produkten hat ein Erfinder nicht: "Lediglich 10 Prozent aller Patentanmeldungen", sagt Janssen", werden eines Tages tatsächlich zu Produkten".