0

Paderborn 47-Jähriger schlägt mit Messer auf Schwager ein

Schwurgericht erkennt auf gefährliche Körperverletzung und verhängt Bewährungsstrafe

21.12.2013 , 07:00 Uhr

Paderborn (JS). Es war Liebe, als Necla A. ihrem Mann Omar B. aus Marokko nach Deutschland folgte. Doch bald gab es Streit - um das von der 36-Jährigen ungeliebte Kopftuch, um ihre Berufstätigkeit als Lehrerin und die Erziehung der Tochter. Am 23. Januar eskalierten die bis dahin nur verbalen Auseinandersetzungen.

Der Diplomingenieur schlug an diesem Tag mit einem Teppichmesser in der Hand auf seinen Schwager ein, auf jenen Mann also, der extra aus dem Ausland nach Paderborn gereist war, um zwischen den Eheleuten zu schlichten. Das brachte ihm eine Anklage wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht ein. Nach ganztägiger Verhandlung kam der 47-Jährige mit einem blauen Auge davon - sein Übergriff entpuppte sich nach intensiver Zeugenvernehmung "nur" als gefährliche Körperverletzung.

Während sich Omar B. vor Gericht zunächst in Schweigen hüllte, berichtete Necla A. offen über die gescheiterte Ehe. Ihr Mann, selbst Angehöriger einer erfolgreichen marokkanischen Akademikerfamilie, war wohl mit der offenen Lebenseinstellung seiner Frau nicht einverstanden gewesen. "Wir sind alle Muslime", sagte die 36-Jährige. Doch sie sei modern und habe ihr Leben in Paderborn entsprechend gestalten wollen. Gemäß dem Willen ihres Mannes trug sie zwar entgegen ihrer eigenen Überzeugung eine Zeit lang Kopftuch, versuchte aber immer wieder gegen sein Bestreben ihre Deutschkenntnisse zu perfektionieren und als Englischlehrerin zu arbeiten. Sie wollte schließlich "in Deutschland so leben wie alle anderen auch", sagte Necla A.

Ein Ziel, das ihr Mann anscheinend nicht teilte. Auseinandersetzungen um das richtige Verhalten und um die Erziehung der Tochter waren die Folge sowie Krach ums liebe Geld. Als im Januar der Bruder von Necla A. zum wiederholten Mal als Vermittler anreiste, kam es zu einem Streit und einem Gerangel, in dessen Verlauf Omar B. seinen Schwager mit einem Teppichmesser am Hals verletzte. Versuchter Totschlag, sagte Staatsanwalt Fabian Klein. Eine böse Intrige, mit der sich die muslimische Frau eine schickliche Scheidung ermöglichen wollte, sagten hingegen die Verteidiger Arnhild Oelsmeier und Marc André Kaulfuß. Nach der Vernehmung des Geschädigten kam das Gericht aber zu einem anderen Schluss. Omar B. habe ohne Tötungsvorsatz gehandelt, die beiden leichten Schnittverletzungen seien dabei entstanden, als der 40-Jährige versuchte, die Schläge seines Schwagers abzuwehren, so die Richter.

Nachdem diese dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses eine milde Strafe in Aussicht gestellt hatten, konnte sich der Ingenieur dann doch noch dazu durchringen, den Übergriff auf seinen Schwager einzugestehen. Das Gericht verhängte eine elfmonatige Bewährungsstrafe. Zudem muss er 2.500 Euro zahlen.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group