Paderborn Prunkbau in Paderborn: Erzbischof verweigerte Einzug

Millionenschweres Projekt in den 70er Jahren

Paderborn. Weil der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen den exorbitanten Kosten für seine neue Residenz bundesweit in der Kritik steht, erinnern sich auch einige Katholiken aus dem Erzbistum Paderborn jetzt wieder an einen millionenschweren Prunkbau, der ursprünglich als Bischofspalais dienen sollte, aber niemals bezogen wurde. Das massige Gebäude steht in direkter Nachbarschaft des Doms und ist vielen Paderbornern heute als "Konrad-Martin-Haus" bekannt. Wegen der Betonfassaden wirkt es eher kalt, aber es besteht kein Zweifel daran, dass hier nach damaligen Maßstäben ebenfalls ein bischöflicher Prunksitz errichtet worden ist. Initiiert wurde das Luxusprojekt unter der Ägide des früheren Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger. Man habe 1970 mit der Planung begonnen, die Fertigstellung sei 1977 erfolgt, sagt Ägidius Engel, Sprecher des Erzbistums Paderborn, auf Anfrage der neuen Westfälischen. Insgesamt habe das Bauwerk 3,4 Millionen D-Mark verschlungen. "Nach heutigen Maßstäben würde es 4,5 Millionen Euro kosten", sagt Engel, der sich in weiser Voraussicht schon auf etwaige Anfragen vorbereitet hatte. Zwar ist der neue Palast für Tebartz-van Elst in Limburg noch deutlich pompöser, aber auch das Bischofspalais in Paderborn war vom Allerfeinsten. Es gab dort nicht nur großzügige Diensträume und eine Privatkapelle, sondern auch eine unterirdische Garageneinfahrt sowie einen Bunker, der den Erzbischof wohl im Falle eines Atomschlages schützen sollte. "Das war das damalige Denken", sagt Engel. Zu allem Unglück konnte Kardinal Jaeger sein neues Domizil nicht beziehen, er starb am 1. April 1975. Als sein Nachfolger, Johannes Joachim Degenhardt, in den millionenschweren Neubau einziehen sollte, winkte er energisch ab. "Das will ich nicht, das ist mir viel zu protzig", habe Degenhardt gesagt und sei bis zu seinem Tod im Juli 2002 weiter in dem alten Bischofshaus "Am Kamp" wohnen geblieben, erläutert Engel. Weil Degenhardt ein sehr bescheidenes Leben vorzog, war im erzbischöflichen Generalvikariat damals guter Rat teuer. Am liebsten hätte man Gras über die Geschichte vom neuen, nicht bestimmungsgemäß genutzten Bischofsspalais wachsen lassen. Schließlich wurde entschieden, es für einfache Bürozwecke zu nutzen – wozu es vom räumlichen Zuschnitt eigentlich überhaupt nicht geeignet war. Deshalb wurden peu à peu Umbauten gemacht und ein Verwaltungstrakt installiert. Auch für den Bunker fand sich am Ende doch noch eine Verwendung: Heute lagern dort die Akten des Erzbistums. Mit der ersten Rücktrittsforderung eines Amtsbruders wird die Lage des umstrittenen Limburger Bischofs Tebartz-van Elst nun immer schwieriger. Und eine Entscheidung von Papst Franziskus über die Zukunft des hessischen Oberhirten lässt auf sich warten. Sowohl Tebartz-van Elst als auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sind in Rom, wurden aber noch nicht zur Papstaudienz gebeten.

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