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Hans-Jürgen Willeke und Daniel Pumpe (v. l.) vor einer Weltkarte. Foto: Kosbab
Hans-Jürgen Willeke und Daniel Pumpe (v. l.) vor einer Weltkarte. Foto: Kosbab

Paderborn Die letzte Tour der Falado von Rhodos

Freizeitschiff eines Paderborner Vereins vor Island gesunken / Seefahrt und wandern prägen Klubleben

17.08.2013 , 13:00 Uhr
Jugendliche in üblicher Kleidung bei einer Wanderung. Foto: Hans-Jürgen Willeke
Jugendliche in üblicher Kleidung bei einer Wanderung. Foto: Hans-Jürgen Willeke

Paderborn. Fast 45 Jahre war die Falado von Rhodos auf den Meeren unterwegs. Am Morgen des 8. August ist das Freizeitschiff des Paderborner Vereins "Brigantine von Falado von Rhodos" vor der Küste der isländischen Halbinsel Reykjanesskagi gesunken. Die zwölfköpfige Besatzung, unter ihnen Jan-David Huxol aus Wewer, kam mit dem Schrecken davon.

Kurz vor Mitternacht war ein hoher Wasserstand bemerkt worden, sagt der Elsener Daniel Pumpe (37) vom Vorstand des Vereins. "Es gibt derzeit keine Erklärung für das Leck. Schwachstellen waren uns nicht bekannt, sonst wäre auch nicht gesegelt worden." Auf dem Schiff waren fünf Erwachsene und sieben Jugendliche im Alter von elf bis 15 Jahren. Außer Huxol kam die Besatzung aus Ulm. Das Unglück sei in der Szene das Thema, sagt Pumpe. Obwohl das Schiff versichert war, sei derzeit noch offen, ob es von der Versicherung Geld gebe, sagt Pumpe. Von allen Gruppen, die das Schiff nutzten gebe es jedoch eine große Bereitschaft, so etwas wieder haben zu wollen.

Die Falado von Rhodos einige Tage, bevor sie vor Island versunken ist. Die Crew steuert den Zweimaster entlang der idyllischen Berg- und Eislandschaft. Foto: Falado
Die Falado von Rhodos einige Tage, bevor sie vor Island versunken ist. Die Crew steuert den Zweimaster entlang der idyllischen Berg- und Eislandschaft. Foto: Falado

Aktuell werde noch geprüft, ob das Schiff geborgen werden könnte. Doch danach sieht es ehre nicht aus. "Der Aufwand steht in keinem Verhältnis", sagt Hans-Jürgen Willeke (75), der das 1968 gebaute Schiff fünf Jahre später nach dem Tod des Besitzers Herbert Hörhager übernommen hatte. Hörhager hatte bestimmt, dass es eingesetzt werden sollte, um damit Jugendgruppen über die Meere zu fahren. Dies passte: "Wir stellen die Gruppen, er das Schiff", sagt Willeke.

Mit dem Segelschiff unterwegs sind dabei ausschließlich Mitglieder der sogenannten bündischen Jugend. Diese besteht bundesweit aktuell aus etwa 15 aktiven und 25 passiven Gruppen mit bis zu 700 Mitgliedern. Rund 20 sind es in der seit 1946 bestehende Paderborner Gruppe "Graue Jungenschaft". Aufgrund des Namens sehe sich der Verein oft Rechtfertigungsproblemen ausgesetzt, sagt Pumpe. Dabei stehe man in der Tradition freier Jugendgruppen wie der frühen Studentenbewegungen, der Wandervögel und Pfadfinder.

"Uns geht es um Naturverbundenheit", beschreibt Pumpe die Philosophie der Jungenschaft. "Und wir wollen mit spartanischen Mitteln ein Gruppenerlebnis fördern." In Deutschland und woanders in der Welt. "Das ist in der Seefahrt am extremsten zu erleben. Da hat man es in einem komprimierten Raum", betont Pumpe. "Einen Sturm zu überstehen, das schweißt zusammen", sagt Willeke.

Aber genauso werde in Jeans und Matrosenhemd durch die Wälder gezogen, wild campiert und Gemeinschaft erlebt. Dies kann ein Wochenend-Ausflug sein - in der Region etwa in die Egge oder die Senne. In den Ferien kann ein solcher Trip aber auch ein bis vier Wochen dauern. Willeke erinnert sich, dass er früher bis zu sechs Wochen lang die Wälder Skandinaviens durchquert hat.

Finanziert werden die Land- und Seetörns einerseits durch Mitgliedsbeiträge (50 bis 100 Euro im Monat) und Törnbeiträge von zehn Euro je Tag. Doch dies reicht nicht aus, damit die jungen Leute die Freiheit erleben können. Allein die Instandhaltung der gesunkenen Falada kostet bis zu 25.000 Euro im Jahr.

Möglich sei dies nur durch die Mäzene, ehemalige Mitglieder, die spendeten. Dass der Verein nach außen den Eindruck eines elitären Klubs vermittelt, verneint Pumpe nicht. Doch der finanzielle Aspekt spiele keine Rolle. Es ändert nichts daran, dass prominente Paderborner Familien zum Teil seit mehreren Generationen dabei sind. Die Eltern liebten es, wenn die Kinder mal ohne Geld auskämen, sagt Willeke. "Oberste Prämisse ist, dass sich die Leute verstehen und gemeinsam etwas machen wollen", sagt Pumpe. Er selbst kam mit zehn Jahren in die Paderborner Gruppe. "Mit elf war ich das erste Mal in Holland auf dem Schiff."

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