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Paderborn "Grundschulsituation behindert Integration"

Schura spricht sich gegen muslimische Schule aus

VON ANNIKA FALK
26.04.2013 | Stand 26.04.2013, 14:25 Uhr
Emin Özel, Sprecher der Schura.
Emin Özel, Sprecher der Schura.

Paderborn. In einer Diskussionveranstaltung über Bekenntnisschulen in Paderborn hat Verani Kartum von der alevitischen Gemeinde im Namen der Paderborner Muslime angedeutet, dass diese über die Gründung einer eigenen Grundschule nachdenken (die NW berichtete). Emin Özel, Sprecher der Schura Paderborn, spricht sich jetzt gegen diese Idee aus.

"Die Schura lehnt muslimisch-konfessionelle Schulen ab, da diese die derzeitigen Problem noch verstärken würde", so Özel. Die muslimischen Gemeinden würden sich für die Integration in die Gesellschaft einsetzen und seien gegen Segregation. "Wir wünschen, dass alle Kinder in öffentlichen Schulen gleichberechtigt sind und unabhängig von ihrer Religion wertgeschätzt und respektiert werden", so Özel. Die derzeitige Situation im Grundschulbereich in Paderborn behindere teilweise die Integration, indem die meisten Grundschulen Andersgläubige vor die Wahl stellten – entweder ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit aufzugeben oder ihre Kinder an eine Schule in anderen Stadtteilen anzumelden. Vielen Eltern bleibe nichts anderes übrig, als Einschränkungen ihrer Grundrechte hinzunehmen, damit ihre Kinder nicht von ihren Freundeskreisen getrennt werden, kritisiert der Diplom-Kaufmann. 14 der 24 städtischen Grundschulen sind Bekenntnisschulen.

"Dies ist ein weit verbreitetes Problem in Paderborn", sagt Özel weiter. "Nachdem dieses Problem in letzter Zeit durch einen besonders extremen Fall öffentlich wurde und diskutiert wird, haben zahlreiche Eltern von ähnlichen Erfahrungen der Abweisung beziehungsweise der erzwungenen Teilnahme am fremden Religionsunterricht und an Gottesdiensten berichtet. Sie berichten von ihren Gewissenskonflikten und ihrer Hilflosigkeit, da sie sich keinen Rechtsstreit zutrauten".

Die Schura begrüßt den Ansatz, die Probleme in Paderborn durch eine pragmatische Lösung zu minimieren, indem die Anmeldebögen vereinheitlicht werden, und nicht mehr die Teilnahme an Gottesdiensten gefordert wird. Doch das Grundgesetz verbiete sowohl den Zwang zu gottesdienstlichen Handlungen und lege auch das Grundrecht der Eltern fest, über die Teilnahme ihrer Kinder am Religionsunterricht zu bestimmen. Dieser ist nach einer aktuellen Diskussion im Schulausschuss jedoch weiterhin verpflichtend an allen Bekenntnisschulen in der Domstadt.

Emin Özel ist zuversichtlich, dass trotz der landespolitischen Rahmenbedingungen in Paderborn eine pragmatische Lösung gefunden wird: "Denn Paderborn ist die Stadt des vorbildlichen interreligiösen Dialogs. Wir denken, dass unsere katholischen Freunde unsere religiösen Gefühle sehr gut nachvollziehen können."

Der gestrige NW-Bericht aus dem Schulausschuss ist in einem Punkt fehlerhaft: Für die Umwandlung einer Bekenntnis- in eine Gemeinschaftsschule sind derzeit in NRW die Stimmen der Eltern von mindestens zwei Dritteln der Schüler erforderlich. 20 Prozent der Eltern – diese Zahl war in der NW zu lesen – werden benötigt, um eine Umwandlung zu beantragen.

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