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Paderborn Fortschritt, aber noch kein Durchbruch

Neuer Anmeldebogen für Bekenntnisschulen

25.04.2013 | Stand 24.04.2013, 18:58 Uhr

Paderborn (st). Im Anmeldeverfahren der Grundschulen für das Schuljahr 2014/15, das im November läuft, werden für die 15 Paderborner Bekenntnisschulen (14 katholisch, eine evangelisch) einheitliche Anmeldeformulare verwendet. Per Unterschrift sollen die Eltern auch künftig den Wunsch äußern, dass ihr Kind am Religionsunterricht teilnimmt. Von einer Teilnahme am Gottesdienst ist jedoch nicht mehr die Rede. Auf diesen Anmeldebogen haben sich die Schulleiter der Bekenntnisschulen geeinigt, berichtete deren Sprecher Andreas Potthast (Grundschule Josef) im Schulausschuss. Die Schulaufsicht des Kreises habe die Formulierungen "überarbeitet". Der "große Durchbruch" sei dies nicht, räumte Potthast ein. Er fügte hinzu: "Mehr kann man auf Schulleiterebene nicht tun."

Das Papier der Schulleiter konterkariere Bemühungen um einen Konsens mit dem Ziel, das an Bekenntnisschulen praktizierte Anmeldeverfahren abzuschaffen, sagte Manfred Krugmann (SPD). Er wünsche sich, dass die Schulaufsicht ihren Ermessensspielraum stärker nutze. Dabei geht es um die Möglichkeit, an einer Bekenntnisschule auch Religionslehrer eines anderen Bekenntnisses anzustellen. Dieser Spielraum wird derzeit offenbar nicht oder kaum genutzt.

Die Diskussion um die Paderborner Bekenntnisschulen war durch die Abweisung eines muslimischen Kindes an einer katholischen Schule ausgelöst worden (die NW berichtete). Petra Tebbe von den Grünen regte die Bildung eines runden Tisches unter Einbeziehung der Kirchen an, um einvernehmlich die Umwandlung einer größeren Zahl von Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsgrundschulen anzustreben. Hier sei das Land in der Pflicht, meinte Burkhard Wilmes (CDU). Die rot-grüne Landesregierung solle sich "einen Kopf machen und mit einer pragmatischen Lösung rüberkommen".

Die katholische Kirche im Dekanat Paderborn verschließe sich nicht, wenn es der Elternwille sei, eine Bekenntnisschule umzuwandeln, versicherte Pastor Achim Hoppe. Die Teilnahme am Religionsunterricht müsse auch als Chance begriffen werden, andere Konfessionen kennen zu lernen, gab der evangelische Abdinghof-Pfarrer Dr. Eckhard Düker zu bedenken. Religionsunterricht sei "ja keine Glaubensprüfung".

Die SPD setzt auf eine wohnortnahe Beschulung von Kindern, ohne dass dafür konfessionelle Hindernisse gelten - auch nicht im Falle einer Abmeldung vom Religionsunterricht. Manfred Krugmann kündigte für die nächste Ausschusssitzung den Antrag seiner Fraktion auf Verabschiedung einer Resolution an, die auf eine pragmatische Lösung mit Wegfall des Anmeldebogens für Bekenntnisschulen setzt und zugleich ein Appell an das Land NRW ist, durch eine zügige Änderung des Schulgesetzes leichtere Hürden zur Umwandlung von Bekenntnis- in Gemeinschaftsschulen zu schaffen. Derzeit müssen mindestens 20 Prozent der Eltern einer Konfessionsschule dafür votieren. In Niedersachsen reicht mittlerweile eine geringere Quote aus.

Markus Mertens (CDU) hält keinen runden Tisch für erforderlich. Er meinte, ein Konsens in dieser Frage sei "doch klar".

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