Paderborn Fieseler Storch zieht von Kassel/Calden nach Paderborn/Lippstadt

Legendäres Flugzeug ausgestellt

Büren-Ahden. Die Schaulustigen auf der Besucherterrasse der Airports Paderborn-Lippstadt staunten am Samstagabend nicht schlecht: Ein Fieseler Storch landete vor ihren Augen – weltweit gibt es nur noch eine Hand voll Exemplare des propellerbetriebenen Flugzeugs. Kassel-Calden hatte für das Unikat, das von einem Förderverein in liebevoller Handarbeit restauriert worden war, keinen Platz. Deshalb zog der Storch nach Paderborn um. Flughafen-Geschäftsführer Elmar Kleinert ist fasziniert von dem neuen Publikumsmagneten. "Er hat sich den Quax Hangar als natürlichen Lebensraum ausgesucht", sagt der begeisterte Flieger und Fan von fliegenden Oldtimern. Weltweit hätten sich Museen für das Flugzeug interessiert, gestern kam sogar ein Mann aus London geflogen, um sich das legendäre Exemplar anzusehen. "Doch die Flughafenführung in Kassel-Calden hatte keinen geeigneten Platz", sagt Kleinert. So entschlossen sich die Mitglieder des Fördervereins Fieseler Storch, die das Modell in den vergangenen sechs Jahren in liebevoller Handarbeit restauriert hatten, nach einem Besuch im Quax Hangar vor wenigen Tagen, dass der Storch umzieht.Zuletzt übersäht mit Taubendreck Das Flugzeug hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Gebaut wurde es 1943 für den Afrika-Feldzug, war dann aber nie im Kriegsdienst eingesetzt, sondern wurde an Schweden ausgeliefert, wo er bis 1960 im Einsatz für die Luftwaffe war. Dann kaufte die Technische Hochschule in München das Flugzeug, setzte es auf einem Segelflugplatz als Schlepper ein. 1976 wechselte es in den Besitz der Stadt Kassel. Wie Kasseler Amateurfilmer herausfanden, war das Flugzeug nicht im Sanitätsdienst, was eine entsprechende Lackierung vermuten ließ. Der Storch wurde zu Dreharbeiten für den Film "Berlinger – Ein deutsches Abenteuer" mit Hannelore Elsner und Martin Benrath 1974 umgespritzt. Es folgten Stationen am hessischen Landesmuseum, in einem Hangar auf dem Heeresflugplatz Fritzlar und im Kasseler Kulturbahnhof, wo es zuletzt in einem erbärmlichen Zustand – von Taubendreck übersäht – unter dem Dach hing. Durch einen Zeitungsartikel wurde Klaus Hessenmüller, ehemaliger Geschäftsführer des Flugunternehmens Jet Aviaton und Mitglied im Förderverein Fieseler Storch, 2006 auf das Flugzeug aufmerksam. Es sollte an ein Berliner Museum abgegeben werden. Kurzerhand nahm Hessenmüller, der am Samstag in Paderborn war, Verhandlungen mit der Stadt Kassel auf. Der Verein investierte eine sechsstellige Summe in das Schätzchen, restaurierte es sechs Jahre lang originalgetreu. "Ich habe noch nie einen Storch in diesem Zustand gesehen", schwärmt Elmar Kleinert, der dem Förderverein zugesichert hat, dass ein derartig legendäres Exemplares kostenlos im Quax Hangar stehen kann. Der Flughafenchef ist auch Mitglied der Quax-Flieger und stolz, dass das Flugzeug in Paderborns steht.Maschine erlangt traurige Berühmtheit Da an einem Oldtimer immer mal wieder etwas zu schrauben ist, bietet die vereinseigene Werkstatt der Quax-Flieger, die sich für die Erhaltung historischer Flugzeuge einsetzen, eine perfekte Umgebung. Im Quax Hangar ist der Fieseler Storch zusammen mit anderen historischen Modellen zu sehen – als normaler Besucher durch die Glasscheibe, während einer Führung auch aus der Nähe. Jeden Sonntag um 14 Uhr bieten die Quax-Flieger eine Führung an. In der Ausstellung wird in einigen Monaten auch eine Dornier DO 27 zu sehen sein. Mit einem dieser Flugzeuge war Tierfilmer Bernhard Grzimek in den 50er Jahren zu Dreharbeiten für den Film " Serengeti darf nicht sterben" in Afrika unterwegs. Die Maschine mit Zebrastreifenlackierung erlangte traurige Berühmtheit, da Grzimeks Sohn Michael damit am 10. Januar 1959 tödlich verunglückte. Ein Exemplar der DO 27 wurde am Samstag zum Flughafen Paderborn gebracht und soll dort restauriert werden. Weitere Informationen zu den Führungen unter www.quax-flieger.de  

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