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Sohail Ahmed vom Integrationsrat (v.l.), Dr. Markus Hentschel (Schulreferent des evangelischen Kirchenkreises Paderborn), Schuldezernent Wolfgang Walter, der grüne Ratsherr Ulrich Graben, Landtagsabgeordnete Sigrid Beer, Schulamtsdirektor Jürgen Scherhans, Roland Gottwald (Schulrat bei der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Erzbistums), Ralf Wessel-Linnemann (Paderborner Schulpflegschaft) und Emin Özel (Schura). - © FOTO: ANNIKA FALK
Sohail Ahmed vom Integrationsrat (v.l.), Dr. Markus Hentschel (Schulreferent des evangelischen Kirchenkreises Paderborn), Schuldezernent Wolfgang Walter, der grüne Ratsherr Ulrich Graben, Landtagsabgeordnete Sigrid Beer, Schulamtsdirektor Jürgen Scherhans, Roland Gottwald (Schulrat bei der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Erzbistums), Ralf Wessel-Linnemann (Paderborner Schulpflegschaft) und Emin Özel (Schura). | © FOTO: ANNIKA FALK

Paderborn Anmeldebogen für Bekenntnisschulen wird geändert

Grüne diskutieren auf Veranstaltung mit Vertretern von Schule, Kirche und Eltern

23.02.2013 | Aktualisiert vor 0 Minuten

Paderborn (faa). Erstmals hat sich in der Diskussion um die Bekenntnisschulen in Paderborn ein Vertreter des Erzbistums öffentlich zu Wort gemeldet. "Die Katholische Kirche wird nicht untergehen, wenn es landesweit 100 Bekenntnisschulen weniger gibt", sagt Roland Gottwald, Schulrat bei der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Erzbistums, am Donnerstag. "Es geht uns darum, dass Bekenntnisschulen eine Option sind." Bei einer Dialog-Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen haben Vertreter von Kirche und Schule sowie betroffene Eltern diskutiert. Die Kritiker haben grundsätzlich nichts gegen Bekenntnisschulen. Doch sie fordern, dass Eltern die Wahl haben, ob ihr Kind eine Gemeinschafts- oder Bekenntnisschule besucht.

Nachdem ein muslimischer Junge an der Bonifatiusschule abgelehnt worden war, weil seine Eltern nicht unterschreiben wollten, dass sie ausdrücklich wünschen, dass ihr Sohn sowohl den katholischen Religionsunterricht wie auch die Gottesdienste besucht, flammte eine Diskussion in der Domstadt auf (die NW berichtete). Die Mehrheit der Grundschulen sind Bekenntnisschulen: 14 katholische, eine evangelische sowie neun Gemeinschaftsschulen. In den Ortsteilen gibt es fast ausschließlich Bekenntnisschulen, die staatlich getragen und komplett aus Steuergeldern finanziert werden. Dieses Verhältnis hinkt den gesellschaftlichen Veränderungen hinterher, blickt man auf die Zusammensetzung der Konfessionen: 46,3 Prozent der Paderborner Kinder sind katholisch, 22,7 evangelisch, 9,7 muslimisch, 2,3 syrisch-orthodox, 1,4 griechisch-orthodox und 14,3 Prozent haben angegeben, keiner Konfession anzugehören.

"Wir haben eine Elternbefragung durchgeführt", sagt Ralf Wessel-Linnemann von der Schulpflegschaft. "Den meisten Eltern war gar nicht bewusst, dass es sich um staatliche Schulen handelt." Aus den Elternstimmen war herauszuhören, dass noch vor wenigen Jahren wesentlich toleranter mit dem Thema umgegangen und an einigen Schulen der Anmeldebogen verschärft worden war. Daran arbeite man, sagte Schuldezernent Wolfgang Walter. Für die Anmeldungen im Herbst werde es einen neuen Bogen geben, der den Gottesdienstbesuch nicht mehr einschließt.

Der katholische Theologe Walter fordert, dass Elternwille das letzte Wort haben sollte. So müsste seiner Meinung nach im Schulgesetz geändert werden, dass Eltern ihr Kind auch an einer Bekenntnisschule vom Religionsunterricht abmelden können. Denn wie eine muslimische Mutter erzählte, sei ihr mit Verweis von der Schule gedroht worden, würde sie ihre beiden Kinder abmelden. Sie forderte gemeinsamen Religionsunterricht für alle Kinder.

"Ein Zwang darf es nicht sein, die Katholische Kirche muss deutlich machen, dass das nicht gewünscht ist", sagt auch Dr. Markus Hentschel, Schulreferent des evangelischen Kirchenkreises Paderborn, der vor "antikatholischen Stimmungen" warnt. "Wir haben keine Aversion gegen die Katholische oder Evangelische Kirche", machte Emin Özel von der Schura, dem Rat der Paderborner Muslime, deutlich. "Aber Elternwille und Religionsfreiheit muss über dem Schulgesetz stehen." Bisher habe es einen "gepflegten Dialog unter den Religionen und einen Religionsfrieden" gegeben, der beibehalten werden sollte. Religionsunterricht sei schließlich keine Missionsveranstaltung, so die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Beer: "Es geht um das Miteinander in der Stadt." Derzeit führt sie auf Landesebene Gespräche mit den Kirchen, um eine akzeptable Lösung für alle zu erreichen.