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Rund 150 junge Menschen aus Paderborn, Höxter und Detmold demonstrierten in der Paderborner Innenstadt für ein "Recht auf Selbstentfaltung". - © FOTO: KATHARINA GEORGI
Rund 150 junge Menschen aus Paderborn, Höxter und Detmold demonstrierten in der Paderborner Innenstadt für ein "Recht auf Selbstentfaltung". | © FOTO: KATHARINA GEORGI

Paderborn "Paderborn braucht mehr Raum für Kultur"

Demonstration für autonomes Zentrum

04.02.2013 | Stand 04.02.2013, 12:50 Uhr

Paderborn. Die Paderstadt biete für Geringverdiener und Arbeitslose zu wenig günstige oder kostenlose Kulturangebote. Und alternativer Kultur werde kein Raum gelassen. Das sind die Vorwürfe einer Gruppe junger Menschen, die sich "Rabatz Reloaded" nennt. Ein selbstverwaltetes Kulturzentrum sei die Lösung. Für ihre Idee demonstrierten rund 150 Protestler am Samstag lautstark in der Innenstadt. In der vergangenen Woche hatte die Gruppe einen Brief mitsamt Konzept an den Bürgermeister, den Stadtrat und sämtliche Parteien geschickt. Die Antwort von Heinz Paus fiel allerdings ernüchternd aus: "Wir sollen für politische Veranstaltungen auf die Kulturwerkstatt ausweichen. Aber die ist jetzt schon überbelastet", sagte David Garritzmann. Dabei sei der Kulturnotstand in der Stadt so schlimm wie lange nicht mehr. So würde beispielsweise das Multicult aufgrund von Personalmangel samstags nicht mehr öffnen. Michael "Stani" Greifenberg kann als Vertreter der "Freien Kulturszene Paderborn" über die Antwort ebenfalls nur den Kopf schütteln. "Die Kulturwerkstatt platzt aus allen Nähten. Rund 500 Veranstaltungen finden dort im Jahr statt", erklärte der Kleinkünstler. Hinzu komme der Probenbetrieb. Bereits in den vergangenen Jahren hatten die jungen Menschen Rückenwind von der Freien Kulturszene bekommen. "Paderborn wächst und will Großstadt werden. Es braucht mehr Raum für Kultur", ist sein Fazit. Auf ihren Bannern und Schildern schrieben die Demonstranten "Still loving Rabatz" und "für ein neues Rabatz fighten". Seit 40 Jahren kämpfen junge Menschen in Paderborn dafür, ein selbstverwaltetes Kulturzentrum aufzubauen. Dabei sind verschiedene Anträge im Rat und im Kulturausschuss vorgelegt, aber nie bewilligt worden. Als sich der legale Weg als Sackgasse entpuppte, besetzte die Gruppe 2008 ein leerstehendes Haus in der Bahnhofstraße und nannte es "Rabatz". Sie stellte dort ein kostenfreies Kulturprogramm mit Konzerten, Kochkursen und Diskussionsabenden auf die Beine. Nach fünf Wochen räumte die Polizei das Gebäude. Mit Musik und Sprechgesängen machten die Kulturfreunde bei ihrem Marsch durch die Innenstadt – vom Bahnhof, durch die Westernstraße und zum Rathausplatz –auf sich aufmerksam. Bei der Kundgebung forderten sie die Verantwortlichen der Stadt dazu auf, der Paderborner Jugend Raum für die persönliche Entfaltung und die Entwicklung künstlerischer Prozesse zu geben. "Uns wurden mit der Schließung des Multicult am Samstag Freiräume genommen", beschweren sie sich. Wenn 23 Millionen Euro für ein neues Theater vorhanden seien, wäre sicher auch das zur Verfügung stellen von Räumen machbar. Alle anfallenden Kosten wollen sie selbst aufbringen. Autonome Kulturzentren sind in Städten wie Bielefeld, Detmold und Hameln fest etablierte Größen in der Kulturlandschaft. Ihr Konzept kostet die Kommunen weder Personal- noch Nebenkosten, allerdings wird die Miete für das Gebäude erlassen, der Raum zur Verfügung gestellt. Die Paderborner Idee sieht vor, dass diese Räume kostenlos allen interessierten Gruppen offen stehen. Café und Kneipenbetrieb sollen ein niedrigschwelliges Kommunikationsangebot schaffen, während die restlichen Räume Malgruppen, Theaterworkshops oder Konzerten zur Verfügung stehen, so die Idee. Ein kontinuierliches Veranstaltungsprogramm aus Theater, Film, Ausstellung und Diskussion soll das Kulturleben der Stadt bereichern.

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