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Kreis Paderborn Knirpse trotzen Minusgraden

Winterwunderland im Waldkindergarten: Wo Kleinkinder bei jedem Wetter draußen spielen

VON DENNIS ROTHER
27.01.2013 | Stand 25.01.2013, 19:12 Uhr
Leiterin Irene Bröckling (l.) und rund 40 Kinder – unter die sich auch fünf Erzieher und Erzieherinnen gemischt haben – grüßen vor dem Abhang ihres Rodelberges. Nur einer wirkt leicht abwesend: Hund Joschi. Frauchen Irene ist offenbar interessanter als die Kamera. - © FOTOS: MARC KÖPPELMANN
Leiterin Irene Bröckling (l.) und rund 40 Kinder – unter die sich auch fünf Erzieher und Erzieherinnen gemischt haben – grüßen vor dem Abhang ihres Rodelberges. Nur einer wirkt leicht abwesend: Hund Joschi. Frauchen Irene ist offenbar interessanter als die Kamera. | © FOTOS: MARC KÖPPELMANN

Kreis Paderborn. Zwei bis sechs Jahre sind sie alt, die kleinen Knirpse, die dick eingemummelt im Wald miteinander spielen und herumtollen. Sie fahren Schlitten, schlagen Purzelbäume, bauen Schneeburgen und strahlen mit der weißen Pracht um die Wette – ein ganz normaler Wintertag im Waldkindergarten der Naturschutzstiftung Senne.

"46 Kinder sind angemeldet, unser Erzieherteam ist zu siebt", erklärt Leiterin Irene Bröckling. Vor fünf Jahren hob sie die Einrichtung mit der Naturschutzstiftung auf dem familieneigenen Hof aus der Taufe. Zwischen 7.30 und 14.30 Uhr sind die Kinder täglich vor Ort, eingeteilt in drei Gruppen: "Wichtel" (2-3-Jährige), "Zwerge" (3-4-Jährige) und "Riesen" (4-6-Jährige) spielen abwechselnd entweder auf dem Hof oder im nahegelegenen Wald.

Information

Die Stiftung

Waldkindergarten an der Staumühler Straße in Hövelhof wurde von der Naturschutzstiftung Senne gegründet. "Umweltbildung ist Teil der Stiftungssatzung", sagt Vorstand Dave Lubek.

Unabhängig voneinander hatten Lubek und Irene Bröckling die Idee, trafen sich durch eine Verkettung von Zufällen und setzten das gemeinsame Konzept schließlich in die Praxis um.

Weitere Projekte der Naturschutzstiftung ist die Paderborner Naturschule sowie eine Hilfsaktion für Weißstörche.(dr)

Draußen an der frischen Luft sind sie ständig, auch zum Frühstück und Mittagessen. "Für Stürme oder heftigen Regen haben wir aber Schutzräume", so Bröckling. Sieben Hektar groß ist das gesamte Areal in Hövelhof – und jetzt, im tiefsten Winter, sind Wald und Wiesen mit einer dicken Schneedecke überzogen. Das mag auf manchen kalt und ungemütlich wirken, für die kleinen Knirpse ist es dagegen ein Winterwunderland. Kaum hat Irene Bröckling den drolligen Tross samt Esel und Hund Joschi querfeldein in den Wald geführt, geht das bunte Treiben los:

Noah, 5, rollt sich wie eine menschliche Schneekugel einen Abhang hinunter, links und rechts sausen gleich drei Kinder auf einem Schlitten neben ihm her. "Zwerg" Mick tollt währenddessen mit Vierbeiner Joschi über Stock und Stein durch die Gegend.Oben auf der Anhöhe präsentieren die "Riesen" stolz ihre Arbeit einer ganzen Woche: Eine mächtige Schneeburg, fast schon ein Fort. Und direkt daneben hat sich Matthies unter einen abgeknickten Baum gekniet: "Ich bin Pilot", erzählt er und deutet mit glänzenden Augen auf die Astgabelungen links und rechts des Stammes, die als Tragflächen fungieren. Nur wo die Reise hingeht, "das weiß ich noch nicht genau".

Für Irene Bröckling ist klar: "So lange die Kinder warm angezogen sind, ist die Kälte kein Problem." Und: "Wir sind ständig unter freiem Himmel, das stärkt die Abwehrkräfte. Während andere Kinder eine Woche lang Grippe haben, sind sie bei uns in der Regel in ein bis zwei Tagen wieder gesund." Was auch auffällt: Die Lütten beschäftigen sich selbst – und streiten sich nicht. "Hier gibt es auch im Schnee immer wieder Neues zu entdecken, beispielsweise Tierspuren", berichtet Bröckling. Aus umgekippten Eimern mit gefrorenen Wasser fabrizierten die Kinder zudem Eiskerzen. Stück für Stück brennt sich das oben aufgesetzte Kerzenlicht bis zum Boden durch. Ähnlich kreativ sind die kleinen Kunstwerke, die an Fäden auf dem Hof baumeln: Äste und Rinde drapierten die Knirpse auf Tellern und schütteten Wasser hinzu. Die knackigen Minusgrade machten daraus über Nacht kleine Eisplatten, die Fossilienfunden aus der Eiszeit verblüffend ähnlich sehen. Was die meisten "Wasser" nennen, heißt bei zehn Kindern übrigens "Water", denn der Waldkindergarten hat auch kleine britische Gäste.

Neben der kindlichen Spielerei lernen die Kleinen indes auch Verantwortung. "Sie kümmern sich um die vielen Tiere auf dem Hof", sagt Bröckling. Schafe, Gänse, Kaninchen oder Esel wollen gefüttert werden. Da ist gefrorenes Wasser plötzlich ein Problem: Wie sollen die Tiere es nur trinken? Die Lösung: "Wir tauen das Eis gemeinsam auf der Heizung auf", berichtet Bröckling. "So lernen die Kinder immer etwas dazu."

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