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Paderborn Monarchen für einen Tag

Auf Tour mit Sternsingern in der Stadtheide / 24.000 Kinder sammeln im gesamten Erzbistum

VON FREDERIK GRABBE
07.01.2013 | Stand 06.01.2013, 20:13 Uhr
Theresa (10, vorne), Anna (9,r)) und Lucille (9) klappern mit Begleiterin Johanna Mono (18, l.) als Heilige Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar die Häuser und Wohnungen am Rotheweg ab, um Spenden zu sammeln. - © FOTO: FREDERIK GRABBE
Theresa (10, vorne), Anna (9,r)) und Lucille (9) klappern mit Begleiterin Johanna Mono (18, l.) als Heilige Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar die Häuser und Wohnungen am Rotheweg ab, um Spenden zu sammeln. | © FOTO: FREDERIK GRABBE

Paderborn. Sie klingeln an unzähligen Haustüren, malen mit Kreide auf Wände und bringen Aufkleber an Türen an - und sind trotzdem gern gesehen. Am Wochenende waren sehr viele Kinder in Paderborn unterwegs, um als Heilige Drei Könige Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. Die NW begleitete Theresa (10), Lucille (9) und Anna (9) von der Gemeinde St. Bonifatius auf ihrer Tour am Rotheweg.

Über 200 Hausnummern zählt der Rotheweg in der Stadtheide. Auch wenn diese Sternsinger "nur gerade Hausnummern" abklappern, wie die Anweisung auf dem Lageplan lautet, den Johanna Mono mit sich trägt, haben die Mädels einen weiten Weg vor sich. Die 18-Jährige ist in der Jugendarbeit der Gemeinde tätig und betreut die drei Mädels bei ihrem Gang. "Letztes Jahr haben wir unsere Route nicht ganz geschafft", warnt sie vor. Von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr sind sie mit Pause auch heute wieder unterwegs.

Theresa, Lucille und Anna tragen selbst gebastelte Kronen aus goldfarbener Pappe auf dem Kopf und haben sich ganz königlich Umhänge um die Schultern geworfen. "Wir müssen noch zu den Hochhäusern, da sind mehr Leute", mahnt Theresa gleich zu Beginn und schüttelt verheißungsvoll die noch leere Spendendose mit einer Hand.

Als sich die erste Tür öffnet, geben dir Sternsinger ihr auswendig gelerntes Lied zum Besten: "Wir bitten um milde Gaben, für Menschen, die nichts haben", lautet eine Zeile des Liedes, dass die Drei noch dutzendfach an diesem Samstag singen werden. Zudem haben die Mini-Könige Caspar, Balthasar und Melchior noch einen eigenen Spruch in petto. Der erste Euro rollt in die Dose, später werden Scheine hinzugesteckt. Die Spendenbereitschaft ist groß. Gern nehmen die Mädels Süßigkeiten an. "Das Beste ist, dass man was für andere tut", findet Anna an der Sternsinger-Aktion. "Die Schokolade ist aber auch gut. Kinderschokolade mag ich am liebsten", fügt Theresa hinzu. Später wird die süße Beute in ihrem Zimmer aufgeteilt werden. Was niemand der Drei mag, bekommt Johanna. "Kinderschokolade und Gummibärchen sind die Favoriten", weiß sie.

Zum Dank für die Spende zeichnen die Mädchen mit Kreide ein "20*C+M+B*13" an Türen oder Hauswände oder kleben einen entsprechenden Aufkleber auf. "Die Ziffern stehen für das Jahr, die Buchstaben für ,Christus mansionem benedicat’ - Christus segne dieses Haus", erläutert die 18-Jährige.

"Ich habe früher selbst als Sternsinger gesungen", sagt Yvonne Ringleb. Die Bewohnerin des Rothewegs hat die Mädels gleich überschwänglich in den Flur geschoben, damit auch ihre Tochter etwas vom Gesang mitbekommt. "Ältere Menschen mochte ich am meisten, die haben sich immer so gefreut", erinnert sie sich. "Und ab und an gab es sogar einen Schnaps." Für sie ist das Sternsingen eine schöne Tradition, die sie nicht missen möchte.

Doch diese Begeisterung teilt nicht jeder. An einem Haus schellen Theresa, Lucille und Anna an der Haustür, aus der Gegensprechanlage ertönt ein kratzig-müdes "Wer ist da?" "Die drei Könige, die Sternsinger", erklärt ein Mädel. Doch die Tür bleibt verschlossen. Am frühen Samstagvormittag werden vielleicht selbst Könige als Plagegeister empfunden.

Wo niemand öffnet, werfen die Mädchen ein Flugblatt mit der ersten Strophe ihres Liedes in den Briefkasten - und dazu den Hinweis, dass eine Spende im Pfarrbüro abgegeben werden kann. Von abweisend bis freundlich, von Senioren, die argwöhnisch nur einen Türspalt öffnen, bis zu Bürgern, die im Schlafanzug in der Tür stehen - die Bandbreite an Menschen, denen Sternsinger begegnen, ist groß.

Mittlerweile ist es 10.30 Uhr. In etwa einer Dreiviertelstunde haben die Monarchen für einen Tag acht Hausnummern geschafft. Der Weg, so wird deutlich, ist noch lang.

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