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Amateur-Astronom Eberhard Poguntke in seiner Sternwarte vor dem 400mm (16") Schmidt-Cassegrain (ACF) Teleskop. - © FOTO: INGO KALISCHEK
Amateur-Astronom Eberhard Poguntke in seiner Sternwarte vor dem 400mm (16") Schmidt-Cassegrain (ACF) Teleskop. | © FOTO: INGO KALISCHEK

BORCHEN-NORDBORCHEN Blick in die Tiefe des Universums

Eberhard Poguntke beobachtet mit seiner Gartensternwarte das Weltall

VON INGO KALISCHEK VON INGO KALISCHEK
03.06.2012 | Stand 01.06.2012, 20:15 Uhr

Borchen-Nordborchen. Wenn andere Menschen nachts schlafen und von fernen Universen träumen, beginnt für Eberhard Poguntke die heiße Phase. Ein kurzer Gang durch den Garten und schon ist der Borchener ist seiner eigenen Sternwarte. Mit modernstem Gerät blickt er von hier aus auf Galaxien und Sternhaufen, die bis zu 14 Milliarden Lichtjahre entfernt sind.

Taucht man mit Eberhard Poguntke in die Welt der Astronomie - die Wissenschaft der Gestirne ein - so ist man vor allem eins: sprachlos. Schnell wird klar: Der Familienvater ist ein Mann vom Fach. Seit zwei Jahren zieht eine 3,6 Meter hohe Remotesternwarte im Garten der Familie Poguntke die Blicke auf sich.

Im Innenraum befindet sich ein stationäres Teleskop, ein Schmidt-Cassegrain (ACF) mit 400 mm Durchmesser und einer Brennweite von vier Metern. Unter dieser unscheinbaren Kuppel steht eine Instrumentierung, die für Schul- und Volkssternwarten oder Forschungsprogrammen an Universitäten geeignet ist. Vom wenige Meter entfernten Wohnhaus aus steuert Eberhard Poguntke die hochmodernen elektronischen Geräte. "Vor allem im Winter ist dies eine echte Erleichterung, denn die Sternwarte ist nicht beheizt", so Poguntke. Aufnahmen und Beobachtungen von Planeten, Kometen, fernen Galaxien, Sternhaufen oder Quasaren - für Eberhard Poguntke ist das Routine. "Bei diesen riesigen Entfernungen kann ich fast auf die Entstehungsgeschichte des Universums zurückblicken", erzählt der 55-Jährige wie selbstverständlich.

Aktuell fertigt Eberhard Poguntke vor allem Planetenaufnahmen an, da die Zeit für Planetenaufnahmen in den nächsten Jahren ungünstiger wird. Hierfür verwendet er eine Spezialkamera mit einer automatischen Filterung in rot, grün, blau und infrarot. Die besten der rund 150 Bilder pro Sekunde werden dann herausgefiltert und ergeben übereinander gelegt ein Farbbild des Planeten. Neben Wissen, Erfahrung und Geduld sei hierbei vor allem Glück gefragt: "Jede Aufnahme kann ein Glücksgriff sein. Das weiß man vorher nie", sagt Poguntke. Natürlich sei auch das Wetter dabei von großer Bedeutung.

Eines seiner Meisterstücke gelang Eberhard Poguntke vor gar nicht so langer Zeit: Am 25. März 2012 machte er ein Farbbild des rund 100 Millionen Kilometer entfernten Mars in Opposition. Das aus 18.000 Einzelbildern erstellte Einzelbild ist so gelungen, dass sie in der aktuellen Juni Ausgabe der Sterne & Weltraum erschienen ist - dem größten deutschsprachigen Astronomie-Magazin. "Das ist ein absolutes Privileg", freut sich Eberhard Poguntke.

Eine Art Lieblingsobjekt im Universum habe der Borchener nicht, je nach Zeitpunkt gebe es aber besondere Highlights: "Am frühen Morgen des 6. Juni schiebt sich der Planet Venus vor die Sonne. Dieser sogenannte Venusdurchgang kommt extrem selten vor und wird das nächste Mal in 105 Jahren zu sehen sein, dabei nicht einmal in Mitteleuropa." Aber auch der Orionnebel des Winterhimmels oder die bis zu 700 Kilometer pro Stunde schnellen Sturmgebiete des letzten Jahres auf dem Saturn seien nicht weniger beeindruckend.

Im November letzten Jahres hat Eberhard Poguntke zehn Stunden lang die volle Rotation des Jupiters gefilmt, "das hat insgesamt 1,2 Terabyte Daten in Anspruch genommen", erinnert sich der 55-Jährige.

Dass sich Eberhard Poguntke bereits seit seiner Jugend mit der Astronomie beschäftigt, macht sich in seinem heutigen Wissen bemerkbar. "Ab und an stelle ich anderen Hobby-Astronomen Teleskope ein oder helfe ihnen dabei, zerlege die Optiken oder justiere die Spiegelsysteme neu", erzählt der Amateur-Astronom, der sich dabei auch seine beruflichen Fähigkeiten als Elektronik-Ingenieur für die anspruchsvolle Teleskoptechnik zu Nutzen macht.

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