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PADERBORN Fröhlich auf dem Totenbett

"Licht aus Assisi" zieht die Besucher an / Junge Künstler zeigen jetzt den Franziskus des 21. Jahrhunderts

VON RICARDA HUYENG
10.03.2012 | Stand 09.03.2012, 19:29 Uhr

Paderborn. Gehörte der heilige Franziskus zu den "Leuchttürmen" des Mittelalters, wird er hier und jetzt zum Leuchtturm in Paderborn. Denn Assisi zieht die Besucher von weit her in die Domstadt. Gerade jetzt, wo es auf die Endphase zu geht, strömen große Gruppen ins Diözesanmuseum um die einzigartige Ausstellung "Franziskus- Licht aus Assisi" sehen zu können.

"Es ist großartig, dass die Ausstellung so positiv aufgenommen wird", freut sich Professor Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums, über die positive Resonanz. Nachdem Mitte der Woche der 20.000 Besucher begrüßt werden durfte, steigt die Besucherzahl auch weiterhin stetig. Was die Besucher anzieht, ist die Außergewöhnlichkeit der Ausstellung mit rund 200 Exponate aus nationalen und internationalen Museen und Bibliotheken. Zu den Höhepunkten zählen Werke der frühen italienischen Tafelmalerei wie eine der ersten Darstellungen des heiligen Franziskus von Margaritone d’ Arezzo aus dem 13. Jahrhundert, barockzeitliche Meisterwerke von Paul Rubens oder Anthonis van Dyck sowie kostbare Handschriften.

Stiegemann hat ein ganz persönliches Lieblingswerk: Die "Ekstase des heiligen Franziskus". Auf Georges de la Tour geht das Gemälde zurück. "Das Bild ist einzigartig, weil es um das Wesentliche geht. Es thematisiert die Ekstase Franziskus und das total Moderne", erklärt Stiegemann. Modern, weil auf jegliche allegorische Überhöhung und auf alles Himmlische verzichtet wird. "Das spannende ist, das Franziskus unerreichbar auf dem Bild erscheint", so Stiegemann. Der Heilige, den Totenschädel im Schoß, scheint völlig in sich selbst versunken.

Im Rahmen der groß angelegten Assisi-Schau wurde gestern Abend eine weitere Zusatzausstellung im Kapitelsaal des Generalvikariats eröffnet: "Franziskus von Assisi in der Kunst Studierender des 21. Jahrhunderts". Zehn Studierende der Technischen Universität Dortmund präsentieren ihre Kunstobjekte, die sich mit dem Leben und Wirken des Heiligen auseinandersetzen. Es sind neue und spannende Werke entstanden, die aber im Einklang mit der eigentlichen Ausstellung stehen. Faszinierende Motive eröffnen einen neuen Zugang zu dem umbrischen Heiligen.

Die Studierenden behandeln Themen aus der Sicht junger Menschen im 21. Jahrhundert wie Verzicht und Askese, die Natur, das Verhältnis zu Vater und Mutter und die Gestaltung des eigenen Lebens. Zu sehen sind Graphiken, Zeichnungen, Gemälde, Videos und Installationen. "Über Generationen hinweg haben sich die verschiedensten Künstler mit dem Heiligen Franziskus auseinandergesetzt. Das Besondere an dieser Ausstellung ist aber, dass es sich hier um junge Künstlerinnen und Künstler handelt, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen", sagt Stiegemann.

Die Wachsmalerei "I will dance, when I walk away" von Adelheid zu Salm-Salm zeigt auf fünf kleinen Holztafeln ihren verstorbenen Vater auf dem Totenbett. Er habe im Tod den gelösten und fröhlichen Ausdruck gehabt, den sie selber mit Franziskus assoziiert. Die Ähnlichkeit, besonders der Augen, sind verblüffend zu den Werken des Heiligen Franziskus.

Die Ausstellung "Franziskus von Assisi in der Kunst Studierender des 21. Jahrhunderts"entstand auf Initiative der Katholischen Hochschule in Dortmund. Die federführende Hand im Diözesanmuseum übernahm Ursula Pütz. Sie ist noch bis zum 29. April zu sehen. Die große kunst- und kulturhistorische Ausstellung zu Franziskus von Assisi und den franziskanischen Ordensgemeinschaften ist noch bis zum 6. Mai geöffnet.

Wenn auch erst am 26. Juni 2013 die nächste große Ausstellung "Credo – Christianisierung Europas im Mittelalter" eröffnet wird, dürfen sich trotzdem alle auf eine spannende und bunte Zwischenzeit freuen. Die Schausammlung bleibt weiter hinter verschlossenen Türen, denn die Pforten des Diözesanmuseum werden während der Übergangszeit für verschiedenste Künstler geöffnet. Diese können dann auf allen Ebenen des Museums ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

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