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Der Leiter der JVA Büren, Volker Strohmeyer, zeigt, wie die 15 Frauen in der Abschiebehaftanstalt untergebracht werden. Insgesamt sitzen aktuell 17 Frauen in Büren ein. Zwei kamen bereits letzte Woche an. - © FOTOS: MARC KÖPPELMANN
Der Leiter der JVA Büren, Volker Strohmeyer, zeigt, wie die 15 Frauen in der Abschiebehaftanstalt untergebracht werden. Insgesamt sitzen aktuell 17 Frauen in Büren ein. Zwei kamen bereits letzte Woche an. | © FOTOS: MARC KÖPPELMANN

KREIS PADERBORN Türen auf für weibliche Häftlinge

Zum ersten Mal betreut die Abschiebungshaftanstalt auch 17 Frauen

VON SABRINA DÜSENBERG
15.11.2011 | Stand 15.11.2011, 09:38 Uhr

Kreis Paderborn. Montagmittag um 12.30 Uhr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Büren: Ein Bus fährt durch die Fahrzeugschleuse auf das 7,5 Hektar große Gelände. An Bord: 15 Frauen aus der Abschiebehaftanstalt Neuss, der einzigen ihrer Art in ganz Deutschland – bis gestern. Die Anstalt in Neuss ist nämlich Geschichte. Ab sofort werden Frauen, die illegal nach Deutschland gekommen sind und deshalb wieder ausreisen müssen, in Büren inhaftiert.

Der Grund für die Schließung der Abschiebehaftanstalt Neuss, die zur JVA Düsseldorf gehörte, ist schnell erklärt: "Die Einrichtung war in einem Gebäude untergebracht, das über 100 Jahre alt ist und in der Innenstadt liegt. Außerdem waren dort zuletzt 20 Mitarbeiter für 15 Frauen zuständig, das ist natürlich absolut unverhältnismäßig. Diese Arbeitskräfte werden ab sofort in der JVA Ratingen eingesetzt, wo sie dringend benötigt werden", erklärt Volker Strohmeyer, der Leiter der JVA Büren.

Für ihn und seine 200 Mitarbeiter bedeuten die weiblichen Neuzugänge eine große Umstellung. "Wir haben eine unserer Abteilungen umgewidmet und für die Frauen hergerichtet. Der an dem Gebäude angeschlossene Freizeithof mit Beachvolleyballfeld, Tischtennisplatte und Freiluftschachfeld liegt direkt an der äußeren Gefängnismauer und kann nicht eingesehen werden. Das ist wichtig, weil die weiblichen und männlichen Häftlinge keinerlei Kontakt haben dürfen. Deshalb haben wir auch die Fenster zum Innenhof dicht gemacht", so Strohmeyer.

Noch sind allerdings nicht alle Umbauarbeiten abgeschlossen. In einem Gemeinschaftsraum fehlen noch die Sitzecke, die Küchenzeile und ein Fernseher. Außerdem werden einige der Duschen zurzeit renoviert. Im Gegensatz dazu waren die Hafträume aber rechtzeitig bezugsfertig und auch eine Küche sowie ein Gymnastikraum stehen den Frauen seit gestern zur Verfügung. Auf die anderen Freizeitangebote der Anstalt wie Werk- und Bastelräume sowie die Bücherei können sie ebenfalls zugreifen.

Eine weitaus größere Herausforderung für die Mitarbeiter der JVA Büren ist die Betreuung der Frauen. "Einige wurden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen. Diese Frauen haben natürlich viel mitgemacht und sind zum Teil traumatisiert", erzählt der JVA-Leiter. Hier kommt "Nadeschda" ins Spiel – die Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel. Zwei Sozialarbeiterinnen von "Nadeschda" werden die JVA Büren regelmäßig besuchen und sich um die Betroffenen kümmern. "Diese Frauen haben dann auch ein Bleiberecht und können – wenn sie wollen – ihre Peiniger anzeigen und gegen sie aussagen", erklärt Strohmeyer. Damit entkräftet der JVA-Leiter bereits einen der vielen Kritikpunkte, die der Verein "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren" anlässlich der Aufnahme weiblicher Gefangener vorbringt. Sprecher Frank Gockel befürchtet, dass die von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffenen Frauen in Büren nicht ausreichend geschützt würden. Darüber hinaus moniert er, dass die Gefangenen zum Teil in ihren Hafträumen eingeschlossen würden und keine Handys benutzen dürfen. Dazu Strohmeyer: "In der neuen Frauenabteilung sind tagsüber alle Türen offen. Und bei den Männern gibt es zwei offene Abteilungen und eine geschlossene. Wer sich in der geschlossenen benimmt, darf in die offene wechseln. Schließlich sind einige unserer Insassen schon einmal straffällig geworden und durchaus gewaltbereit." Der Vorwurf mit den Handys ist für Strohmeyer übrigens ein alter Hut: "Das habe ich Herrn Gockel schon tausend Mal erklärt. Das Land NRW hat eben für alle Justizvollzugsanstalten ein Handyverbot verhängt. Sogar ich muss meins am Eingang abgeben. Für die Gefangenen gibt es deshalb auf den Fluren Kartentelefone, die sie jederzeit nutzen können."

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