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Christoph Eikenbusch, Brigitte Köhler-Tewes, Wolfram Meyerhöfer, Projektinitiatorin Susanne Bornefeld und Student Felix Gulschinski (v. l.). - © FOTO: REINHARD ROHLF
Christoph Eikenbusch, Brigitte Köhler-Tewes, Wolfram Meyerhöfer, Projektinitiatorin Susanne Bornefeld und Student Felix Gulschinski (v. l.). | © FOTO: REINHARD ROHLF

PADEBORN Gewinner auf beiden Seiten

Einmalige Bildungsinitiative zwischen Studenten und Schülern geht das Geld aus

VON ANDREAS GÖTTE VON ANDREAS GÖTTE
20.10.2011 | Stand 19.10.2011, 19:19 Uhr

Paderborn. Ganz schön viel Biss haben an einigen Paderborner Schulen Schüler und Studierende, um jungen Menschen aus sozial benachteiligten Elternhäusern zu besseren Noten zu verhelfen und im Coaching ihre Persönlichkeit weiter zu entwickeln. B.I.S.S. nennt sich auch die Bildungsinitiative für Schüler und Studierende und ist ein Projekt der Diakonie Paderborn-Höxter.

Doch nachdem die Aktion Lichtblicke der Lokalradios zunächst für die Anschubfinanzierung gesorgt hat, gehen dem in dieser Form wohl einmaligen Projekt im dritten Jahr langsam die Gelder aus. "Wenn wir keine Sponsoren finden oder die Stadt vielleicht hilft, wird spätestens im März Schluss sein", betont Initiatorin und Projektleiterin Susanne Bornefeld. Nach ihren Angaben werden jährlich 25.000 Euro benötigt, um den jetzigen Standard zu halten. Sieben Schulen machen mittlerweile beim Projekt mit. Wenn mehr Gelder fließen würden, könnte die Idee auf weitere Schulen ausgeweitet werden.

Das Projekt will mehr sein als nur reine Nachhilfe. 90 Minuten lang werden Kinder ein Mal wöchentlich von fachlich ausgebildeten Studenten in Kleingruppen von bis zu vier Teilnehmern gefördert – eine von sieben Paderborner Schulen ist die Friedrich-von-Spee-Gesamtschule. Für den Erfolg brauchen alle Beteiligten einen langen Atem. Es geht auch um das Erlernen von Lerntechniken und Motivation. "Ich bekomme seit eineinhalb Jahren Hilfe in bestimmten Fächern. In Englisch und Mathe habe ich mich verbessert. Und die Mathearbeit am Montag lief gut", freut sich ein Schüler mit einer Zuwanderungsgeschichte. Die hat auch eine Mitschülerin. Die anfänglichen Sprachprobleme sind dem jungen Mädchen nicht mehr anzumerken. "Ich bekomme Hilfe bei den Hausaufgaben und schreibe in Arbeiten gute Noten", sagt sie.

Auch die eingesetzten Studenten profitieren von dem Projekt. Sie lernen im Vorfeld in einem Seminar das Lehren lernen. Alle sechs bis acht Wochen finden Reflexionsgespräche statt – mit einem hohen Maß an Verbindlichkeit und hohem Zeitaufwand. Felix Gulschinski studiert in Paderborn Englisch und Hauswirtschaft. "In Ergänzung zu meinem Lehramtsstudium erhalte ich wichtige Einblicke in den Schulalltag und bekomme Kontakt zu Schülern und Lehrern und habe so die Möglichkeit, den Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven zu sehen."

Seit Mai sitzt auch das Institut für Mathematik der Universität Paderborn mit im Boot. "Wir konzentrieren uns im Semester auf die Zweitklässler, um sie vom zählendem Rechnen zu lösen", schildert Prof. Dr. Wolfram Meyerhöfer.

Gar von einem Leuchtturmprojekt mit Vorbildcharakter spricht Projekt-Pate der Aktion Lichtblicke, Christoph Eikenbusch. "Hier werden auch Kinder stark gemacht und gefördert, die das Klassenziel auch so erreichen würden", sagt er.

Verbesserungsvorschläge für das Bildungs- und Teilhabepaket kommt von der didaktischen Leiterin der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule. "Der Sprung von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen wird damit nicht gefördert", bemängelt Brigitte Köhler-Thewes. Die Gelder müssten zudem direkt an den Schulen landen. Der Verwaltungsaufwand für nur eine Förderstunde sei viel zu hoch.

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