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PADERBORN Elsener Bibliothek schrumpft

Stadtteilbücherei gibt Platz für die Mensa ab

03.12.2010 | Stand 02.12.2010, 19:29 Uhr

Paderborn. In Elsen sind die Weichen für eine neue Ära der Stadtteilbibliothek gestellt: Nicht mehr unter alleiniger Regie der Stadt, sondern mit den "Kooperationspartnern" Gesamtschule und Förderverein der Gesamtschule werden Leser künftig mit Medien versorgt. Die Stadt spart auf diese Weise Personalkosten ein.

Die werden sich vermutlich etwas verwundert die Augen reiben: Rund 200 Quadratmeter der großzügigen Bibliothek werden nämlich der Mensa zugeschlagen, weil dort Plätze fürs Mittagessen fehlen. Außerhalb der Schulzeit können Fläche und Tische genutzt werden, aber der Raum zwischen den Bücherregale wird spürbar enger. Und der Bestand wird von aktuell 13.000 Medien um ca. 1.000 sinken, schätzt Katrin Stroth. "Wir werden die Zielgruppen aber weiterhin versorgen können", zeigte sich die Leiterin der Stadtbibliothek am Mittwoch im Bezirksausschuss überzeugt.

Ebenfalls neu: Bücher werden über Automaten ausgeliehen, , die auch für Neuhaus und Paderborn geplant sind. Anders sei das im Ehrenamt nicht leistbar, weil sonst jeder Mitarbeiter ins städtische System eingearbeitet werden müsse, so Stroth. Denn während eine städtische Fachkraft künftig Bestandsaktualisierung und -pflege in 9,75 Wochenstunden erledigen soll (bisher: zwei Fachkräfte mit 69 Wochenstunden), obliegt den "Partnern" u. a. Aufsicht, Publikumsdienst und Organisation. Der Förderverein plant auch Mini-Jobs, die aus Sponsorengeldern finanziert werden sollen.

Unverändert bleiben für Nutzer Bibliotheksausweis und Konditionen, weil Elsen wie Schloß Neuhaus - und im Unterschied zu den Stadtteilbibliotheken in Dahl, Sande und Wewer - weiterhin am städtischen Bibliotheksnetz hängen wird. So schnell wie von den Beratern Rödl und Partner gedacht, zum 1. Januar 2011, lässt sich der städtische Rückzug wohl nicht machen: Die "Übergangszeiten" müssten noch im Kulturausschuss besprochen werden, erklärte Katrin Stroth, dass unter anderem die Einarbeitung durch das Fachpersonal Zeit beanspruchen werde.

Der Antrag der DIP, den Ratsbeschluss hinsichtlich der Abspaltung der Stadtteilbüchereien anzufechten , fand keine Mitstreiter. "Das ist ein Skandal in einer Zeit, in der jeder nach Bildung schreit", so Rainer Lummer (DIP). Auch die Schulkonferenz der Gesamtschule erachte den Betrieb einer öffentlichen Bibliothek als öffentliche Aufgabe. "Es ist demokratischer Brauch, Mehrheiten zu akzeptieren", kommentierten SPD und Grüne, die schon im Rat dagegen votiert hatten.


Podiumsdiskussion in Neuhaus

Bis 15. Dezember müssen Interessenten Konzepte für den Betrieb von Stadtteilbibliotheken vorliegen. In Schloß Neuhaus mit der größten Bücherei (18.000 Medien) hat sich bisher kein Trägerverein gegründet. Dort ist Mittwoch, 8. Dezember, um 18 Uhr im Gymnasium eine Podiumsdiskussion geplant. In Dahl, Sande und Elsen stehen die "Partner" fest, Wewer sei "auf einem guten Weg", so Katrin Stroth.

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