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Die von Josef Rikus gestaltete Fassade der Volksbank am Rathausplatz mit den Kammerspielen dahinter. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Die von Josef Rikus gestaltete Fassade der Volksbank am Rathausplatz mit den Kammerspielen dahinter. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn Ende für die Rikus-Fassade am Rathausplatz

Kulturausschuss lehnt Denkmalschutz-Verfahren

10.12.2009 | Stand 09.12.2009, 20:38 Uhr

Paderborn (ig). Die Rikus-Fassade ohne die Kammerspiele dahinter – das macht keinen Sinn, so künstlerisch wertvoll das Objekt am Haus der Volksbank auch sein mag. Am Ende war es – verkürzt – diese Argumentation, hinter der sich gestern Abend die Mitglieder des Kulturausschusses des Stadtrates versammelten und einen mindestens vorläufigen Schlusstein setzten hinter eine nun schon Monate tobende öffentliche Diskussion. Einstimmig lehnten sie als Untere Denkmalbehörde den Antrag des Heimatvereins auf Einleitung eines Denkmalschutzverfahrens für das Objekt ab.

Gleichzeitig lehnte der Ausschuss damit auch den Bürgerantrag des Paderborner Bildhauers Wilfried Hagebölling auf Erhalt der Fassade ab. Der Künstler, seinerzeit als Werkstudent in die Entstehung der Fassade einbezogen, hatte nochmal persönlich vor dem Ausschuss damit geworben, die Neubau-Pläne der Volksbank seien doch mit einem Erhalt der Fassade vereinbar. Diese woanders zu installieren, komme einer Vernichtung gleich, da sie genau für die Platzsituation zwischen Rathaus und Haus Pötz geschaffen worden sei und signifikant zum Stadtbild gehöre. Hagebölling: "Das ist nicht wie bei einem Bild überm Sofa, das man einfach verschieben könnte."

Im Zusammenhang mit den Urheberrechten an dem Kunstwerk verwies Hagebölling auf die Witwe von Josef Rikus, die einem Abriss ausdrücklich nicht zustimme. Dazu verwies Carsten Venherm, Erster Beigeordneter der Stadt, auf beschränkte städtische Kompetenzen: "Urheberrechtliche Fragen sind für die Stadt nicht relevant. Baugenehmigungen werden unbeschadet der Rechte Dritter erteilt."

Den künstlerischen Wert der Arbeit von Josef Rikus mochte im Ausschuss niemand in Abrede stellen. Dieter Honervogt (CDU): "Es gibt in der Stadt viele Hinweise auf sein Wirken, und das ist schön so." Nun, da das Theater an anderer Stelle gebaut werde, passe die Fassade aber nicht mehr an den Platz. Diesem Gedanken schloss sich auch Manfred Krugmann (SPD) an und plädierte in der Abwägung für das Konzept der Volksbank, eine Sichtachse auf die neuen Kammerspiele und einen zusätzlichen Platz zu schaffen. Und Norbert Kortlüke (Grüne): "Mit dem Umzug der Kammerspiele geht der direkte Bezug der Fassade verloren." Den Blick in die Zukunft richtete Wolfram Bölte (FDP): "Wir können der Stadt an dieser Stelle ein neues Antlitz geben.

Sowohl Krugmann als auch Kortlüke fanden die Diskussion jedoch im Grund zu spät und fragten sich, warum das Problem nicht schon früher thematisiert worden sei. Stärkere Bedenken äußerte Beate Bliedung (DIP), die sich in der Abstimmung über Hageböllings Bürgerantrag enthielt: "Vielleicht sollte man doch versuchen, das Kunstwerk an anderer Stelle, zum Beispiel in der Zukunftsmeile Fürstenallee, wieder aufzubauen."
    

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