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Paderborn Störfälle in Müllöfen liefern neue Munition

Bürgerinitiative Mönkeloh richtet Forderungen an Bezirksregierung Detmold

19.11.2009

Paderborn. Um die Müllofen-Planung auf Mönkeloh ist es still geworden. Die Klage gegen die Veränderungssperre der Stadt Paderborn hat die Firma Stratmann verloren. Aber die Klage gegen den Ablehnungsbescheid der Bezirksregierung Detmold ist noch nicht vom Tisch. Die Bürgerinitiative (BI) Mönkeloh hat daher die Wiederinbetriebnahme der Störfall-MVA Korbach nach zweimonatigem Stillstand zum Anlass genommen, Forderungen an die Bezirksregierung zu stellen. Neben dem Planungsrecht müsse Detmold weitere Genehmigungshindernisse feststellen.

In der MVA Korbach war – wie berichtet – der zulässige Grenzwert für Quecksilber überschritten worden – mindestens 30 Stunden lang um das 25-fache. Das Betriebspersonal hatte die Feuerung nach dem Störfall noch mehr als einen Tag lang weiter betrieben. Außerdem wurden ungewöhnlich hohe Dioxin-Rückstände im Filterstaub ermittelt. Das Regierungspräsidium Kassel hatte schließlich die Abschaltung der Anlage veranlasst und sowohl menschliches als auch technisches Versagen festgestellt. 1.000 Tonnen mit Quecksilber belasteter Müll wurden aus dem Bunker entfernt. Die Anlage musste nachgerüstet werden.

Weitere Nahrung haben die Warnungen der Müllofen-Gegner vor einer Billig-Anlage nach deren Angaben durch einen Störfall in der MVA Heringen erhalten. Dort sei eine Kammer des Gewebefilters gerissen, so dass zu viel Staub ausgestoßen worden sei. Beim Abfahren der Anlage seien weitere Filterkammern gerissen. Eine schwere Havarie mit Millionenschaden habe sich außerdem in der MVA Iserlohn ereignet. Bei einer Explosion sei die Bunkerhalle weitgehend zerstört worden, der Müllbunker habe in voller Ausdehnung gebrannt. Explosionsursache sei Wasserstoff gewesen, der sich durch das unkontrollierte Abladen von Metallspäne in den Bunker gebildet habe.

Als vordringlichste Konsequenz aus den Störfällen fordert die BI von der Bezirksregierung jetzt in einem Brief, das Konzept für die Anlieferung des Mülls zu verschärfen. Es sei inzwischen Stand der Technik, den Müll mit Röntgenfluoreszenz-Technik lückenlos auf Schadstoffe zu scannen. So könne ausgeschlossen werden, dass Quecksilber, radioaktive Materialien und Metallspäne, die zur Bildung explosiven Wasserstoffes führen können, in den Müllbunker gelangen. Bislang seien in der für Paderborn seitens des Investors immer noch geplanten Anlage jedoch lediglich stichpunktartige Überprüfungen des angelieferten Mülls ohne Röntgenfluoreszenz vorgesehen.

Die BI erinnert in dem Schreiben weiter daran, dass die Firma Stratmann die zur Einhaltung der Emissionsgrenzwerte erforderliche Reinigungsleistung der Filtertechnik nach wie vor nicht nachgewiesen habe. Auch die Schornsteinhöhe sei falsch bestimmt worden. Damit seien ihrer Auffassung nach wesentliche immissionsschutzrechtliche Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht erfüllt.

Die BI bemängelt erneut, dass die Bezirksregierung gegenüber der Müllfirma Stratmann "eingeknickt" sei. Detmold habe nicht nur vollmundige Forderungen zur Leistungsfähigkeit der Filter aufgegeben, sondern auch beim Brandschutz eine Kehrtwende um 180 Grad vollzogen. Die Bezirksregierung habe sich von der Müllfirma und deren Parteigutachter, dem Büro Müller-BBM, letztlich ein mangelhaftes Brandschutzkonzept diktieren lassen.

Die BI erwarte jetzt Konsequenz aus den Störfällen in anderen Müllöfen. Die Bezirksregierung düfe das unzureichende Störfall-Konzept der Firma Stratmann und das mangelhafte Brandschutzkonzept des Büros Müller-BBM nicht akzeptieren. Die Bezirksregierung müsse feststellen, dass der geplante Müllofen neben der Veränderungssperre der Stadt auch immissionsschutzrechtlich und brandschutztechnisch nicht genehmigungsfähig sei, heißt es seitens der BI.

    

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