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Diese fein gearbeitete Fibel aus Bronze fand Jens Lütkemeyer jetzt in der Nähe von Bad Lippspringe. Sie hat mehr als 1.600 Jahre in der Erde gelegen. Das hat sie recht gut überstanden, denn sogar die Nadel hat teilweise überdauern können. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Diese fein gearbeitete Fibel aus Bronze fand Jens Lütkemeyer jetzt in der Nähe von Bad Lippspringe. Sie hat mehr als 1.600 Jahre in der Erde gelegen. Das hat sie recht gut überstanden, denn sogar die Nadel hat teilweise überdauern können. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Modische Accessoires aus alten Zeiten

Jens Lütkemeyer übergab jetzt zwei Fibeln aus dem 5. Jahrhundert der Paderborner Stadtarchäologie

VON JUTTA STEINMETZ
06.10.2009 | Stand 05.10.2009, 19:47 Uhr

Paderborn. Auch wenn bis zum Fest der Feste am 24. Dezember noch reichlich Zeit vergeht, ist Stadtarchäologe Dr. Sven Spiong schon in bester Stimmung. "Immer wenn Jens Lütkemeyer zu uns kommt, ist das wie Weihnachten", schmunzelt der Experte. Denn der 22-Jährige steht niemals mit leeren Händen vor der Tür der Paderborner Stadtarchäologie. Stets ist der Lippspringer mit Kisten und Kästen bepackt.

Denn die großen und kleinen Schätzchen, die der Hobbyarchäologe auf den Äckern rund um Bad Lippspringe entdeckt, wenn er sich auf die Spuren längst untergegangener Siedlungen begibt, reicht er lieber an die Experten um Sven Spiong weiter, anstatt sie im eigenen Wohnzimmer zu horten. Gut 20 Kisten mit fast unzähligen Keramikscherben, Münzen und allerlei anderen Überbleibseln aus alten Zeiten sind so schon in die Bestände der Stadtarchäologie, die am Busdorfwall im ehemaligen Josefshaus beheimatet ist, gelangt. "Mir ist daran gelegen, dass die Funde für Ausstellungen und für die Wissenschaft zur Verfügung stehen", sagt Jens Lütkemeyer. "Die Öffentlichkeit soll auch etwas davon haben."

Doch jetzt schlug das Herz von Sven Spiong ganz besonders hoch, als vor einigen Tagen der 22-Jährige seine neuesten Entdeckungen präsentierte. Gleich zwei Fibeln, mit denen im 5. Jahrhundert die Altvorderen ihre Kleider und Umhänge zusammen hielten, vertraute ihm Lütkemeyer an. "Das sind sehr seltene Funde. Wir wissen nur wenig über diese Zeit in unserer Region", erzählt Spiong und freut sich, dass eines der Stücke wohl aus dem Elb-Weser-Dreieck stammen dürfte. Denn schon damals griffen die Menschen gerne auf Produkte aus ferneren Gebieten zurück, wenn sie gefielen. "Die waren dann eben in Mode", schmunzelt der Stadtarchäologe.

Ähnlich nimmt sich auch die Geschichte der mehr als 1.000 Jahre alten Heiligenfibel aus, die Jens Lütkemeyer gleichfalls in den vergangenen Wochen fand. Nachdem im Jahr 836 in Paderborn die Reliquien des Liborius Einzug gehalten hatten, um die frisch missionierten Sachsen ans Christentum zu binden, kamen viele Kleiderspangen in den Umlauf, die den Heiligen zeigten. "Das war so eine Art Werbefeldzug", berichtet der Stadtarchäologe. "Sie wurden von den einfachen Menschen getragen."

Und hier und da auch verloren. Denn nicht selten brachen die Kleiderspangen an den Nadeln. Sicher zum Verdruss ihrer Besitzer, aber zur Freude der Archäologen. "Es ist unser Glück, dass die Fibeln diese Schwachstelle haben", sagt Spiong.

"Fibelfunde sind eigentlich selten", weiß Jens Lütkemeyer aus eigener Erfahrung. Doch mit Hilfe seiner geschulten Augen und seines Metalldetektors wird der junge Mann, der im eigentlichen Leben als Laborant in einem Entwicklungslabor für Baustoffe arbeitet, wohl noch so manchen Fund aus längst vergangen Zeiten machen. "Der Pflug bringt immer wieder etwas hoch", meint Sven Spiong zuversichtlich. Und dann ist da ja schließlich auch noch Lütkemeyers mittlerweile große Erfahrung im Suchen und Finden.

"Wenn ich losziehe, dann stelle ich mich auf das Feld und überlege: ,Wo würdest du jetzt eine Siedlung errichten?’" Eine grundlegende Strategie, vor der anscheinend keine noch so alte Kleiderspange sicher ist.

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