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Freispruch für Benno Fuchssteiner und Oliver K.

Richter sehen keinen Anklagepunkt bestätigt

VON JUTTA STEINMETZ
18.07.2009 | Stand 17.07.2009, 21:58 Uhr

Paderborn. Fast eine Dreiviertelstunde dauerte es am Freitagnachmittag, bis Professor Dr. Benno Fuchssteiner endlich erleichert seinen Sohn Felix umarmen durfte. Genauso lange nämlich brauchte die Vorsitzende Richterin der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Paderborn Margret Manthey, um nach 30-tägigem Prozess zwei Freisprüche zu begründen.

Denn nach Ansicht des fünfköpfigen Gerichts, das mit seinem Urteil den Anträgen der Verteidiger Dr. Simone Kämpfer und Dr. Marcus Mosiek folgte, haben sich weder Emeritus Fuchssteiner noch dessen langjähriger Wegbegleiter Dr. Oliver K., Geschäftsführer der Firma SciFace, in irgendeiner Weise schuldig gemacht. Ob Subventionsbetrug, einfacher Betrug oder Haushaltsuntreue - das Gericht sah die vielfältigen Vorwürfe, die Oberstaatsanwalt Heinrich Rempe im Verlauf der im November 2008 begonnenen Verhandlung immer wieder neu formuliert hatte, als nicht erwiesen an.

Alle abgerechneten Leistungen seien erbracht worden, beide Angeklagten hätten nicht getäuscht, als sie Angebote formulierten, die schließlich mit Bundesmitteln bezahlt wurden, die von der Firma SciFace geschriebenen Rechnungen seien in Ordnung, man habe der Forschung und Bildung gedient und auch nicht den Haushalt der Uni geschädigt, so die Erkenntnisse der Kammer über den "sehr komplexen Sachverhalt" (O-Ton Manthey) in Kurzfassung.

Für diese richterliche Einschätzung hatte nicht zuletzt Benno Fuchssteiner selbst gekämpft - fast wie ein Löwe. Auch am Freitag erhob der Emeritus couragiert das Wort. Sicher sei er ohne Reue, meinte er in Richtung des Anklagevertreters. "Ich bin stolz auf das Erreichte", betonte er und entführte in seinem 45-minütigen, teilweise hochemotionalen Schlusswort alle Prozessbeteiligten nochmals in die fremde Welt der Universität mit ihren Freiheiten in Forschung, Lehre und auch Geldverwaltung. Sicherlich habe er, wie vom Anklagevertreter angeprangert, nichtverwendete Gelder zurückgelegt "für schlechte Zeiten", sagte Fuchssteiner unerschrocken und verwies auf die positiven Folgen seines Umgangs mit den eingeworbenen Mitteln. "Ich bin stolz darauf, dass jahrelang kein Mitarbeiter entlassen werden musste, weder in der Universität noch bei SciFace."

Und auch über seine Zukunft sprach der Mathematiker in seinem Schlusswort. Er werde wohl von seinem Recht als Emeritus Gebrauch machen und tüchtig weiter forschen, "wahrscheinlich, bis ich tot bin oder senil."

Auf finanzielle Schwierigkeiten wird er bei diesem Ansinnen wohl kaum stoßen. Schließlich konstatierte die Vorsitzende Richterin Manthey am Freitag, dass die nicht verbrauchten Drittmittel noch immer auf den universitären Konten Fuchssteiners verbucht sind. "Er hat das Recht, diese Mittel für Forschungen zu verwenden", gab sie (vielleicht nicht nur) dem just Freigesprochenen als Rechtsauffassung mit auf den Weg.

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