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Jörg-Olaf Schäfers mit der Startseite des Portals maedchenmannschaft.net. Dieses Online-Angebot sei durch seinen unverkrampften Zugang zum Thema bemerkenswert, erklärt der 36-jährige Netz-Experte. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Jörg-Olaf Schäfers mit der Startseite des Portals maedchenmannschaft.net. Dieses Online-Angebot sei durch seinen unverkrampften Zugang zum Thema bemerkenswert, erklärt der 36-jährige Netz-Experte. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Gute Seiten, schlechte Seiten

Paderborner in der Nominierungs-Kommission für Grimme-Online-Award / Preisverleihung am Mittwoch

VON HOLGER KOSBAB
23.06.2009 | Stand 22.06.2009, 21:41 Uhr

Paderborn. Jörg-Olaf Schäfers ist ein Profi im Netz. Bis zu zehn Stunden am Tag ist er online, informiert sich, arbeitet – und schreibt über und für das Internet. Doch auf Seiten wie maedchenmannschaft.net oder dbna.de wäre er allein nie gestoßen. Dass er dennoch auf diese Angebote geschaut hat, lag an seiner Berufung in die Nominierungs-Kommission zum Grimme-Online-Award. Die Preise werden am Mittwoch, 24. Juni, in Köln vergeben.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem feministischen Portal lesen würde", sagt er. Doch das sei sehr gut und "nicht so verkrampft geschrieben". Das gleiche gelte für du-bist-nicht-allein (dbna.de), einer Seite mit großem Stellenwert für schwule Jungs. "Es bietet die Möglichkeit, in andere Lebenswirklichkeiten einzutauchen", sagt Schäfers. Dabei zeige sich ein Bild einer ganz und gar nicht aufgeklärten Gesellschaft. Auch brettspiele-report.de sei ein bemerkenswertes Angebot mit ungeheurer Tiefe. Alle drei Beispiele sind für den Online-Award nominiert.

Innerhalb von gut fünf Wochen musste Schäfers sich 300 Seiten für die erste engere vom Grimme-Institut getroffene Auswahl intensiv anschauen und mehr als tausend weitere überfliegen. Danach ging es für die siebenköpfige Kommission mit 261 Vorschlägen in die entscheidenden Gespräche. "Es war eine sehr heftige Arbeitsphase", sagt Schäfers. "Am Ende gab es regelmäßig Einigkeit und ein Ergebnis, mit dem alle zufrieden sein konnten." 24 Webseiten waren übrig – zuzüglich zwei Nachnominierungen. Über die Preise entscheidet dann eine Jury mit ebenfalls sieben Mitgliedern.

Als der in Paderborn als freier Journalist arbeitende Schäfers von Friedrich Hagedorn, dem Leiter des Referats Medienbildung beim Grimme-Institut, angerufen wurde, war er ziemlich überrascht. "Er fragte, ob ich nicht Lust hätte, in der Kommission mitzuarbeiten", sagt der 36-Jährige. Der Grund sei wohl sein "Notizblog", so Internet-Experte Schäfers: Seine wöchentliche Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Angefangen hat Schäfers seine netzjournalistische Laufbahn bei medienrauschen.de. Gleich nach einem Jahr – 2004 – wurde diese Seite von der Deutschen Welle als bestes journalistisches Medienblog ausgezeichnet. "Das hat uns ziemlich unter Druck gesetzt", so Schäfers. "Doch wir wollten hauptsächlich Dinge ausprobieren." Es folgte ein anderer, erster Notizblog. Als er und einige andere auf Sicherheitslücken bei StudiVZ aufmerksam gemacht haben, war auch dieses Angebot plötzlich angesagt. Und obwohl es nur als Schmierblog für Notizen gedacht war, wurde von außen wieder Druck aufgebaut.

Neben der Ehre, Teil der Jury zu sein, hatte Schäfers einen zweiten Grund, mitzunominieren. Nachdem im Jahr 2007 die Seite elektrischer-reporter.de für den Grimme-Online-Preis nachnominiert worden war – ein Portal, für das er selbst tätig ist – hatte es Irritationen gegeben: Denn Betreiber Mario Sixtus war ein langjähriges Jury-Mitglied.

Schäfers wollte wissen, ob es denkbar sei, einen eigenen Vorschlag durchzuboxen. Seit den Sitzungs-Marathons weiß er: "Manipulationen gibt es nicht." Dafür ist die Jury mit einer Expertin für die Benutzerfreundlichkeit, drei Online-Journalisten, einem für Kino, Fernsehen und Internet tätigen Filmemacher und je einem Medien- und Kommunikationswissenschaftler einfach zu gemischt besetzt. Auch das ist ein Einblick, den der Netz-Profi so vorher nicht hatte.

www.grimme-institut.de

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