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Ohne Genehmigung gebaut

Noch keine Lösung des leidigen Masten-Problems im Löns-Stadion in Sicht

VON WOLFGANG STÜKEN
28.05.2009 | Stand 27.05.2009, 20:01 Uhr
Einer der vier vom SC Paderborn 07 im Löns-Stadion installierten Flutlichtmasten. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Einer der vier vom SC Paderborn 07 im Löns-Stadion installierten Flutlichtmasten. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Was geschieht mit den vier 26 Meter hohen Stahlbetonmasten der früheren Flutlichtanlage, die der SC Paderborn beim Umzug in die neue Paragon-Arena in seiner früheren Spielstätte, dem Hermann-Löns-Stadion, zurückgelassen hat? Die Beratung des künftigen Nutzungskonzeptes für das Löns-Stadion im Ausschuss für Sport und Freizeit brachte noch keine Lösung.

"Die Masten werden zurückgebaut. Mit dem SC Paderborn ist im Hinblick auf die von ihm durchgeführten Investitionen eine Ausgleichsregelung zu treffen." So lautet die von der Verwaltung favorisierte Lösung. Doch wer den Rückbau im städtischen Stadion bezahlt und wie die "Ausgleichsregelung" mit dem SC als Bauherrn und Eigentümer der Masten aussehen könnte, steht weiter in den Sternen.

Hier könne es "weder eine christdemokratische noch eine sozialdemokratische Lösung" geben, sagte stellvertretender SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze. Es gehe hier allein um die Bewältigung bauordnungsrechtlicher, technischer und wirtschaftlicher Hürden. Und davon gibt es offenbar eine ganze Menge.

Nur einem "glücklichen Umstand" sei es zu verdanken, dass es im Juni 2008 im Rat nicht zu einem Ankauf dieser Masten durch die Stadt gekommen sei, spielte Henze auf die damals von der SPD beantragte geheime Abstimmung an. Nur weil mindestens zwei Ratsmitglieder der CDU-Mehrheitsfraktion mit der SPD gegen den Ankauf gestimmt hätten, sei es zu dem Abstimmungspatt gekommen, mit dem der Ankauf-Plan der Verwaltung scheiterte.

Aus Henzes Sicht wäre ein Ankauf der Flutlichtmasten einem "Schildbürgerstreich" gleichgekommen. Im Sportausschuss bekräftigte Henze seine Kritik von 2008: "Wirtschaftlich absolut nicht vertretbar."

Die Masten seien zudem bauordnungsrechtlich als "höchst problematisch" einzustufen, weil es für deren Errichtung weder ein ordentliches Bauantragsverfahren noch eine Genehmigung gegeben habe. Aufgrund der Höhe der Masten, die eine für Fernsehübertragungen geeignete Ausleuchtung des Stadion garantieren sollte, sind laut Henze außerdem erforderliche Abstandsflächen nicht eingehalten worden. Zudem entsprächen der Potenzialausgleich und Blitzschutz an den Masten in keiner Weise den Vorschriften.

Die SPD hatte die Kosten für den von der Stadt geplanten Ankauf der Masten und eine technisch ohnehin sehr schwierige Umrüstung im vorigen Jahr auf knapp 300.000 Euro taxiert. Eine bedarfsgerechte neue, näher am Spielfeld stehende Flutlichtanlage für das Löns-Stadion mit einer Lichtpunkthöhe von 19,5 Metern wäre nach Angaben der SPD dagegen bereits für 95.000 Euro zu haben.

Die CDU, so Henzes Vorwurf im Sportausschuss, habe in den letzten 12 Monaten rein gar nichts unternommen, um eine Lösung des leidigen Masten-Problems herbeizuführen.

Möglicherweise "erleuchten" die Flutlichtmasten am heutigen Donnerstag die Sitzung des Rates (17 Uhr): Der muss die vorzeitige Auszahlung der mit dem SC vereinbarten Zahlungen von 400.000 Euro für das nicht mehr vom Verein genutzte Hermann-Löns-Stadion endgültig bestätigen. Diese Summe ist laut Ablösevertrag eigentlich in mehreren Jahresraten fällig, soll aber auf Wunsch des SC – allerdings abgezinst – nun in einer Summe überwiesen werden. Im Haupt- und Finanzausschuss in der letzten Woche hatten SPD und die Freie Bürger-Initiative gegen diese Regelung gestimmt.

SPD-Ratsmitglied Franz-Josef Henze fragt sich angesichts der mit dem Verein getroffenen Ablösevereinbarung und der noch immer einsam da stehenden Flutlichtmasten, deren Leuchtkörper längst im neuen Stadion leuchten, ob der SC das Löns-Stadion 2008 eigentlich in einem Zustand hinterlassen hat, der die Bezeichnung "ordnungsgemäß" verdient.
    

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