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Eugen Drewermann (Mitte) mit Joachim Frank (l.) und Stefan Kopp vor dem voll besetzten Auditorium der Montagsakademie. - © Hans-Hermann Igges
Eugen Drewermann (Mitte) mit Joachim Frank (l.) und Stefan Kopp vor dem voll besetzten Auditorium der Montagsakademie. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Kirchenkritiker Eugen Drewermann zurück an alter Wirkungsstätte

Bei der Montagsakademie der Theologischen Fakultät spricht der Paderborner Theologe und Schriftsteller über die Sache Jesu, "die jeden betrifft, weil er Mensch ist".

Hans-Hermann Igges
03.12.2019 | Stand 02.12.2019, 21:07 Uhr

Paderborn. 1991 wurde ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, ein Jahr darauf folgte die Suspendierung als Priester. 2005 dann, zu seinem 65. Geburtstag, trat er aus der Katholischen Kirche aus: Der Paderborner Theologe und Schriftsteller Eugen Drewermann, Deutschlands vielleicht bekanntester Kirchenkritiker, bekam jetzt erstmals nach fast 30 Jahren eine offizielle Einladung seiner früheren Alma Mater, der Paderborner Theologischen Fakultät. Dort hatte er ab 1979 als Privatdozent gelehrt bis sein immer deutlicherer Widerspruch gegen zentrale kirchliche Lehren zum Rausschmiss führte. In der Reihe "Montagsakademie" sprach Drewermann mit Joachim Frank, Theologe und Journalist aus Köln, "von der Macht der Ohnmacht Jesu", so der Titel. Dabei sollte es unter anderem darum gehen, was angesichts komplexer kirchlicher Problemfelder getan werden kann, "um seelsorgerliche Wegbegleitung mit geistlicher Autorität, aber ohne Missbrauch von Macht zu ermöglichen." "Aufeinander hören und voneinander lernen" Füllte er in den neunziger Jahren Säle mit mehreren tausend Zuhörern, so war auch sein neuerliches Gastspiel in der Theologischen Fakultät ein Ereignis, das mit warmem Aplaus bedacht wurde. Das Auditorium Maximum war mit 200 Zuhörerinnen und Zuhörern voll besetzt; weitere gut 50 fanden Platz in der benachbarten Aula des Gymnasium Theodorianum. Sogar ins Internet, auf den Videokanal youtube wurde übertragen. "Die Sache Jesu betrifft jeden, weil er ein Mensch ist", stieg Drewermann dann ohne Umschweife ins Thema ein. Stefan Kopp (34), Professor für Liturgiewissenschaft Organisator der Montagsakademie, bezeichnete es als "unvoreingenommener Nachgeborener" des Konflikts um Drewermann als "große Freude", den prominenten Theologen zu Gast zu haben. Man wolle "daraus keine Sensation machen, sondern aufeinander hören und voneinander lernen". Inzwischen mehren sich auch andere Stimmen, die Drewermann in neues Licht rücken. So gilt sein schon vor 30 Jahren erschienenes Buch "Kleriker. Psychogramm eines Ideals" sogar dem Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals als prophetisch.

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