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Der Skateboarder Kevin Heße in Action. - © Alexander Hoeschen
Der Skateboarder Kevin Heße in Action. | © Alexander Hoeschen

Paderborn Paderborner Skateboarder qualifiziert sich für die Deutsche Meisterschaft

Obwohl es für Kevin Heße nur ein Hobby ist, schafft er die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Der 32-Jährige wünscht sich in Paderborn mehr Plätze für seinen Sport.

Uwe Müller
02.12.2019 | Stand 02.12.2019, 15:24 Uhr

Paderborn. Auf dem Skateboard zu stehen, ist für Kevin Heße mehr als nur Spaß. Es ist für ihn die ultimative Sportart. „Skateboarden ist ziemlich kreativ, man lernt nie aus, es gibt kein Ende bei der Entwicklung", beschreibt er kurz und knackig den Reiz dieser Randsportart, die er seit 18 Jahren betreibt. Sogar so gut, dass er sich für die Deutschen Meisterschaften im Europapark Rust qualifizierte. Doch der 32-jährige Paderborner musste verletzungsbedingt absagen. „Ich habe mir einen leichten Nabelbruch zugezogen. Natürlich hätte ich gerne teilgenommen, denn eine Deutsche Meisterschaft ist immer wie ein Familientreffen. Man kennt die Jungs und es geht sehr freundschaftlich zu. Aber es ist für mich immer nur ein Hobby geblieben", sagt Heße, der in der Ü30 der Amateure gestartet wäre. "Nach der Schule ging es auf die Straße" Ein Schulfreund aus Geseke brachte den damals 14-jährigen Kevin Heße zu dem aus den USA stammenden Trendsport. Und schnell packte ihn das Skateboard-Fieber. „Nach der Schule wurde die Tasche in die Ecke geschmissen und es ging auf die Straße", erinnert er sich noch gerne an die Anfangszeit. Sechs, sieben Stunden mit Freunden skaten waren keine Seltenheit. Und auch das beste Training. „Einen Trainer wie etwa beim Fußball gibt es bei uns nicht. Man schaut von einander ab. Es gibt immer einen, der etwas anderes drauf hat und probiert es dann aus. Oder man springt erst über eine Stufe, dann über die zweite oder wagt andere Drehungen. In der Gruppe pusht man sich gegenseitig hoch", erklärt der Feinwerkmechaniker das Learning by doing. Szene in Paderborn kleiner geworden Ganz ungefährlich ist der Sport natürlich nicht. Über Geländer gleiten oder über Hindernisse springen – diese Tricks können auch schon mal mit einem harten Aufschlag enden. „Das gehört dazu. Ich hatte schon das Schlüsselbein gebrochen. Füße und Handgelenke sind auch oft betroffen." Helm und Protektoren sollten daher vor allem Anfänger tragen. Doch sehr viele pfeifen darauf, auch Heße. Schließlich gab es auch eine echte Skater-Szene, die sich auch mit bestimmter Musik (in den 90ern Punk, später Hiphop) und einem coolen Outfit abzugrenzen versuchte. „Bis ich etwa 18 Jahre war, trug ich auch ein ultralanges T-Shirt und breite Hosen", lacht Kevin Heße. Das sei heute aber nicht mehr so, die Skater in Paderborn tragen normale Kleidung und Sneaker und hören größtenteils Rap. Zudem sei die Szene kleiner geworden. „Früher waren die Skateparks voll, heute wird sich über Whatsapp verabredet", weiß Kevin Heße, der sich in Paderborn neben dem Skatepark im Goldgrund mehr Möglichkeiten zum Skateboarden wünscht – vor allem bei schlechtem Wetter. Im Winter haben die Skater keine Hallen zur Verfügung, die nächsten sind in Dortmund oder Kassel. Früher waren der Busbahnhof oder auch überdachte Flächen auf dem Unigelände Anlaufstellen. „Da sind wir vom Ordnungsamt oft vertrieben worden", so Heße. Nächstes Jahr will Heße wieder angreifen Wenn er wieder fit ist, will er viel üben. Denn die nächste Deutsche Meisterschaft ist sein Ziel. Allerdings soll es weiterhin nur ein Hobby bleiben in der Sportart, die 2020 das erste Mal olympisch wird. „Bei den Profis habe ich aber keine Chance. Ich bin da früher mal mitgefahren und war in den Top-30. Aber die haben mittlerweile einen Ernährungs- und Trainingsplan, Sponsoren und fahren sehr konstant – ich werde oft schon nervös, wenn mein Name aufgerufen wird, zudem merke ich mit 32 auch meine Knie", so der Paderborner. Mit dem 21-jährigen Leon Merschmann gibt es einen aus Paderborn stammenden Profi, der aber in diesem Jahr die Qualifikation für die DM nicht packte.

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