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Baustelle: Der Neubau der Grundschule St. Michael im Paderquellgebiet unterhalb des Doms. - © Hans-Hermann Igges
Baustelle: Der Neubau der Grundschule St. Michael im Paderquellgebiet unterhalb des Doms. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Kritik am Land NRW: Erzbistum schließt Kita-Schließungen nicht aus

Die Paderborner Diözese kritisiert die Finanzierungspläne des Landes

Hans-Hermann Igges
30.10.2019 | Stand 31.10.2019, 07:35 Uhr

Paderborn. Weniger Mitglieder hin oder her: Wenn die Wirtschaft brummt, können auch die Kirchen finanziell nicht klagen. Die katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn verzeichnete denn auch für 2018 wiederum Rekordeinnahmen bei den Kirchensteuern. Im Schnitt zahlte jeder Katholik 287 Euro. Das waren 19 Euro mehr als im Vorjahr. Bei Ende 2018 immerhin noch 1,49 Millionen Katholiken im Erzbistum summierte sich das auf 432 Millionen Euro - 22 Millionen Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017. Diese Zahlen legten jetzt zusammen mit dem Finanzbericht für 2018 Alfons Hardt, Generalvikar des Erzbistums Paderborn, und Diözesanökonom Dirk Wummel vor. Insgesamt verzeichnete die Erzdiözese demnach Erträge von 585 Millionen Euro. Dem standen Aufwendungen von 533 Millionen Euro gegenüber. Der Überschuss von 15 Millionen Euro (wie im letzten Jahr) fließe vollständig an Kirchengemeinden, Kindertageseinrichtungen und die Caritas, sagte Wummel. Weniger Zuschüsse und mehr Personalkosten Zugleich seien aber die Einnahmen aus Zuschüssen (für Schulen und Kindergärten) und sonstigen Erträgen (wegen gesunkener Zinsen) zurückgegangen. Auf der anderen Seite stieg der Aufwand für die rund 3.000 Mitarbeiter um 7,1 Prozent. Auch in den nächsten Jahren seien hier weitere Steigerungen zu erwarten, sagte Generalvikar Hardt. Wenn Prognosen zutreffen, die bis 2032 von bis zu einem Drittel weniger Kirchensteuerzahler ausgehen, werde man um einen Personalabbau im Generalvikariat nicht herum kommen. Auch die Schließung einzelner Pfarrheime in den Gemeinden sei kein Tabu; darüber werde im kommenden Jahr intensiver zu reden sein. Deutliche Kritik äußerte der Generalvikar an den Plänen des Landes zur künftigen Finanzierung von Kindergärten. Dabei seien weder die Kirchen noch die freien Wohlfahrtsträger einbezogen worden. Hardt: "Die bisher vorgesehen Mittel reichen nicht!" Besonders kleine Einrichtungen auf dem Lande seien in ihrem Bestand deshalb gefährdet. Ihnen drohe entweder Schließung oder die Übergabe an die Kommunen. Hardt appellierte deshalb an das Land, seine langfristigen Zusagen auch einzuhalten. Jeder der 29.000 Kita-Plätze in katholischen Einrichtungen im Erzbistum werde jährlich mit rund 1.200 Euro aus Kirchensteuern bezuschusst. Die Kitas machten mit 45 Millionen Euro hinter den Kirchengemeinden den zweitgrößten Finanzierungsanteil im Haushalt des Erzbistums aus, so Hardt. Finanzanlagen bilden größten Vermögensteil Das Erzbistum sei angesichts der bevorstehenden Herausforderungen durch den innerkirchlichen Wandel aber finanziell handlungsfähig und auch bereit Experimente zu finanzieren, sagte Hardt unter Hinweis auf neue seelsorgerische Angebote und Investitionen in Bildungshäuser. Insgesamt weist der Jahresabschluss 2018 eine Bilanzsumme von 4,489 Milliarden Euro aus. Den Löwenanteil des Vermögens bilden Finanzanlagen mit 4,065 Milliarden Euro sowie Immobilien mit 285 Millionen Euro. Das Erzbistum folgt bei der Anlage speziellen Regeln. Danach sind etwa Investitionen in Unternehmen ausgeschlossen, die Rüstungsgüter herstellen, Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen oder schwere Konflikte in Umweltfragen aufweisen. Die Gewinne aus diesen Anlagen fließen als "sonstige Erträge" in die Bilanz. 2018 waren dies 51 Millionen Euro.

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