0
Kindgerechte Wissensvermittlung: Was mit dem Schokoguss passiert, wenn der Luftdruck sinkt, zeigen Tobias Bohnhardt, Sina Kürz und Richard Bräucker. - © Eva Mikolajczak
Kindgerechte Wissensvermittlung: Was mit dem Schokoguss passiert, wenn der Luftdruck sinkt, zeigen Tobias Bohnhardt, Sina Kürz und Richard Bräucker. | © Eva Mikolajczak

Paderborn Bei Raumfahrt-Show im Paderborner HNF erklären Forscher Kindern das All

Mit spannenden Experiementen erklären sie, wie Raumfahrt funktioniert und zeigen, dass es noch offene Fragen gibt

Eva Mikolajczak
20.09.2019 | Stand 20.09.2019, 11:11 Uhr

Paderborn. Alle Kinder staunten, als Physikerin Sina Kürz aus der Mondlandefähre stieg und einige Schritte im scheinbar schwerelosen Raum ging. Während Neil Armstrongs bekannten Worte von der ersten Mondlandung aus Lautsprechern klangen, war die Aufmerksamkeit der Schüler längst auf die Physikerin gerichtet. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern Richard Bräucker und Tobias Bohnhardt will sie Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren für Wissenschaft begeistern. Die Raumfahrt-Show des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt tourt durch 17 deutsche Städte. Derzeit macht die Show in Paderborn Station. Im Heinz-Nixdorf-Museumsforum erlebten gestern über 1000 Kinder eine "Gedankenreise zum Mond". Dank effektreicher Filmsequenzen und Experimente, für die im Unterricht wohl selten Zeit ist, blieb die Aufmerksamkeit der Kinder gebannt. Obwohl es um Naturwissenschaft, komplexe Experimente und viel Theorie ging. Die Schüler aus Grundschulen und Klassen der Sekundarstufe 1 lernten, was eine Zentrifuge ist, was im Vakuum passiert und warum die Astronauten auf dem Mond so gut springen können. Bei den Kindern kam das nicht nur an, weil Doktorand Tobias Bonhardt hierfür im Känguru-Kostüm auftrat. "Ist das der Mars? Ist das echt?", fragten sich die Kinder zu Beginn, bevor sie selbst zum Teil der Show wurden, lautstark den Countdown herunter zählten und begeistert waren, als Moderator Bohnhardt auf einem von Laubbläsern angetriebenen Skateboard den Raketenantrieb demonstrierte. Unterhaltsam veranschaulichten die Forscher physikalische Gesetze, zeigten etwa, dass im Vakuum eine Feder genauso schnell zu Boden fällt wie ein Ball und was mit einem Schaumkuss passiert, wenn der Luftdruck sinkt. Moderatoren wollen Begeisterung wecken Nie stand die Theorie losgelöst als reine Information, sondern immer zeigten die Moderatoren, wie Astronauten das Wissen nutzen, um den Mond, den Mars und das Weltall zu erforschen. Beantwortet wurden außerdem solche Fragen, deren Antworten wohl auch die wenigsten Erwachsenen kennen. "Wie sind die dunklen Flächen auf dem Mond entstanden?", fragte Bohnhardt den als kundigen Mondforscher auftretenden Bräucker, der prompt Antworten lieferte. "Meteoriten haben so stark auf die Mondoberfläche aufgeschlagen, dass Lava austrat", erklärte der Biologe, während das Geschehen im Weltall in beeindruckenden Bildern auf der Leinwand zu sehen war. Gezeigt wurden dort auch Originalaufnahmen der ersten Mondlandungen, bevor es für die Kinder Gelegenheit zum Mitmachen gab: Gemeinsam demonstrierten sie, wie weit die Planeten von der Erde entfernt sind, lotsten leuchtende Bälle durch den Saal und demonstrierten, wie lang die Reise zum Mond dauert. Lautstark wirkten alle Kinder mit, als es darum ging, mit Stampfen, Rufen und Klatschen ein Mondbeben auszulösen und - mit lautem "Piep" - auch zu messen. Während Moderator Bräucker, selbst als kugelrunde Erde verkleidet, zeigte, wie es kommt, dass der Mond manchmal manchmal nur zum Teil zu sehen ist, kam eine Kamera zum Einsatz, die den Blick von der Erde auf den sie umkreisenden Mond möglich machte. Als schließlich die Rückseite des Mondes auf der Leinwand zu sehen war, eröffnete Bräucker den Zuschauern, dass es trotz der jahrelangen Forschung noch offene Fragen gibt. Denn die Antwort auf die Frage, warum sich auf der Rückseite des Mondes eine dicke Kruste befindet, konnte er den Kindern nicht liefern. "Alles weiß man nicht, man muss noch forschen." "Es war ein tolles Wechselspiel von Animation und Information", sagte Lehrerin Viola Sallen nach der Show. Dass die besondere Art der Wissensvermittlung bei der jungen Zielgruppe gut ankam, freute auch Bräucker. "Es geht uns weniger um Wissensvermittlung als um Interessensvermittlung", sagte er nach der Show auf Nachfrage der NW. "Wir wollen zeigen, dass Naturwissenschaften Spaß machen."

realisiert durch evolver group