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Das Standesamt Paderborn verweigert der Tochter von Christian Nkombou ihre Geburtsurkunde. - © picture alliance
Das Standesamt Paderborn verweigert der Tochter von Christian Nkombou ihre Geburtsurkunde. | © picture alliance

Paderborn Trotz Einbürgerung: Standesamt verweigert Kind Geburtsurkunde

Die Tochter von Christian Nkombu feiert bald ihren zweiten Geburtstag, hat aber bis heute keine Geburtsurkunde. Der Grund: Die Behörden zweifeln die Identität des Vaters an, der seit 2011 deutscher Staatsbürger ist.

Carolin Nieder-Entgelmeier
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 12:48 Uhr

Paderborn/Dortmund. „Ich fühle mich wie ein Bürger zweiter Klasse", sagt Christian Nkombou nach einem fast zwei Jahre andauernden Streit mit dem Standesamt Paderborn. Die Behörde verweigert seiner Tochter ihre Geburtsurkunde, weil sie die Identität des Vaters anzweifeln, obwohl der 34-Jährige deutscher Staatsbürger ist. „Ich kann diese Behördenwillkür nicht nachvollziehen, denn die Geburtsurkunde steht meiner Tochter zu", erklärt Nkombou, der als Psychiater in Dortmund arbeitet. Im Januar 2018 kommt die Tochter von Nkombou und seiner Lebensgefährtin auf die Welt. „Ich habe die Vaterschaft anerkannt, Ausweis und Geburtsurkunde vorgelegt. Ich habe alle Voraussetzungen erfüllt, trotzdem wurde uns die Geburtsurkunde unserer Tochter nicht ausgestellt", sagt Nkombou. Standesamt verweist auf gefälschte Urkunden in Kamerun Das Standesamt begründet das mit Zweifeln an der Identität Nkombous. „Die Behörde bezweifelt, dass meine Geburtsurkunde echt ist, weil mein Heimatland Kamerun laut Auswärtigem Amt zu den Ländern zählt, in denen viele Urkunden gefälscht werden", erklärt der 34-Jährige. „Doch selbst wenn meine Geburtsurkunde gefälscht ist, was können ich oder meine Tochter dafür? Wir sind beide deutsche Staatsbürger und haben dementsprechende Rechte." Während das Standesamt Paderborn die Identität von Nkombou anzweifelt, haben die Stadt Dortmund sowie die Bezirksregierung Gießen keine Zweifel an der Echtheit der Urkunde. „Meine anderen Kinder haben in Dortmund ihre Geburtsurkunden erhalten und in Gießen hat die Urkunde immerhin für meine Einbürgerung ausgereicht." Stellungnahme der Bezirksregierung Gießen hilft auch nicht Im Streit mit dem Standesamt Paderborn sucht Nkombou Hilfe bei der Bezirksregierung Gießen, die ihm schriftlich mitteilt, dass er mit der Vorlage seiner kamerunischen Geburtsurkunde und einer deutschen Übersetzung seine Identität hinreichend nachweisen konnte und damit alle vorgeschriebenen Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllt hatte. Doch auch die Stellungnahme aus Gießen ändert nichts am Vorgehen des Standesamtes Paderborn. Nkombous Rechtsanwalt Hans Georg Dalka aus Paderborn klagt deshalb gegen die Entscheidung der Stadt, doch ohne Erfolg. „Ohne Geburtsurkunde existiert die Tochter meines Mandanten juristisch nicht, obwohl sie und ihr Vater deutsche Staatsbürger sind", moniert Dalka. Aus diesem Grund hat die Familie bislang auch kein Kinder- oder Elterngeld erhalten. „Uns belastet nicht das fehlende Geld, sondern das Ignorieren unserer Rechte als deutsche Staatsbürger", moniert Nkombou. Standesamt will die Geburtsurkunde nun nach Kamerun schicken Das Standesamt Paderborn will nun laut Dalka eine Geburtsurkunde ausstellen, in der sie vermerkt, dass die Identität des Vaters ungeklärt ist. „Doch diesen Kompromiss werde ich nicht annehmen", sagt Nkombou. „Das Standesamt hat auch vorgeschlagen, meine Geburtsurkunde nach Kamerun zur Überprüfung zu schicken, aber das lehne ich ab. Zum einen soll ich dafür 500 Euro zahlen und zum anderen habe ich die Sorge, dass sie verloren geht." Die Stadt Paderborn äußert sich mit dem Verweis auf ein schwebendes Verfahren nicht.

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