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Mit Blick auf den Labortrakt: Thorsten Marten, Mirko Schaper, Thomas Tröster und Wolgang Bremser führen durch das neue Forschungsgebäude des Instituts für Leichtbau mit Hybridsystemen. - © Hans-Hermann Igges
Mit Blick auf den Labortrakt: Thorsten Marten, Mirko Schaper, Thomas Tröster und Wolgang Bremser führen durch das neue Forschungsgebäude des Instituts für Leichtbau mit Hybridsystemen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Universität Paderborn investiert schwer in Institut für Leichtbau

Die Kooperation von Maschinenbau und Naturwissenschaften hat am Mersinweg Gestalt angenommen

Hans-Hermann Igges
13.08.2019 | Stand 14.08.2019, 06:46 Uhr

Paderborn. Autos und Flugzeuge werden immer sicherer und können immer mehr. Dafür, dass sie deshalb nicht auch noch immer schwerer werden, sorgen Wissenschaftler an der Universität Paderborn mit vereinten Kräften - und seit diesem Jahr auch nicht mehr über den gesamten Campus verstreut, sondern in einem neuen eigenen Forschungsgebäude. "Hybrider Leichtbau" und "additive Fertigung" heißen die Zauberworte. Am Mersinweg entstanden so in den letzten beiden Jahren auf dem früheren Testgelände des Railcab-Forschungsprojektes als Gebäude "Y" der Universität eine Technikhalle, Labore, Büros und Besprechungsräume. Kostenpunkt für 5.730 Quadratmeter Nutzfläche: 18 Millionen Euro. Zusätzlich mehr als zehn Millionen Euro kosteten allein die Hightech-Geräte. Am 12. September wird das Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben.Angewandte Forschung Forschung nicht für den Elfenbeinturm, sondern die wirkliche Produktion von Gütern: Das ist das Ziel der Wissenschaftler im Institut für Leichtbau mit Hybridsystemen (ILH), das vor gut sechs Jahren an der Universität Paderborn gegründet wurde. Seine Besonderheit: Sieben Lehrstühle, davon vier aus der Fakultät für Maschinenbau und drei aus den Naturwissenschaften arbeiten gemeinsam an konkreten Fragestellungen, die (derzeit zumeist aus dem Automobilbau) an sie heran getragen werden. Nach Angaben von Thomas Tröster, der als Vorstandsvorsitzender des Instituts auch eine Professur für Leichtbau innehat, wurden am Institut allein im letzten Jahr rund 90 Projekte mit einem Volumen von neun Millionen Euro im Auftrag von Wirtschaftsunternehmen bearbeitet. Dazu gehören unter anderen Automobilzulieferer wie die Benteler AG (Paderborn) oder der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori (Bielefeld). Über 200 Abschlussarbeiten (Master oder Bachelor) würden derzeit am Institut jährlich verfasst, dazu etliche Promotionen. Neues Gebäude voll belegt Mit 172 wissenschaftlichen Mitarbeitenden und 53 Mitarbeitenden aus Technik und Verwaltung ist das neue Gebäude vom Start weg nun bereits voll belegt. Gleichzeitig werben Tröster und seine Vorstandskollegen Wolfgang Bremser (Lehrstuhl für Technische Chemie) und Mirko Schaper (Dekan der Fakultät für Maschinenbau) mit ihren bundesweit nun wohl einmaligen technischen Möglichkeiten aber auch um weitere Aufträge von kleinen und mittleren Unternehmen. Ihr Argument: "Wir versammeln hier Kompetenzen in allen Bereichen", sagt Tröster. Gemeint ist: Das Institut hat ebenso Spezialisten für Metalle wie für Kunststoffe, für die besonderen Eigenschaften verschiedener Oberflächen wie von Hybridmaterialien, also zusammengefügten Stoffen. Es sei zwar ein Vorteil des neuen Instituts, dass die Mitarbeiter es nun gemeinsam nutzen könnten und sich gewissermaßen über die Flure austauschen; gleichzeitig gebe es aber auch noch die früheren Kapazitäten auf dem Campus. Förderanträge gehören zum Service Die Ergebnisse sind durchaus schon vorzeigbar, etwa Jahre lange Forschung steckt im Einzelfall dahinter. So wie für den mit der Benteler AG entwickelten Vorderachsträger aus Aluminium und Kunststoff für ein Oberklasseauto von BMW. Dieser ist nicht nur um 30 Prozent leichter als sein Vorgänger, sondern hat auch noch andere verbesserte Eigenschaften. Je nach Laufleistung eines Automobils lasse sich mit Hybridteilen in der Gesamtbilanz durchaus Kohlendioxid einsparen, sagt Tröster. Als Faustformel gelte: 100 Kilogramm Gewicht weniger am Auto reduzieren die Kohlendioxidabgabe um 10 Gramm pro Kilometer. Dadurch, dass das Institut auch den Formularkram im Zusammenhang mit den Förderanträgen übernimmt, soll zusätzlich die Hemmschwelle für kleine Unternehmen gesenkt werden, sich an die Uni zu wenden. Denn: "Meistens gibt es öffentliches Geld aus der Forschungsförderung für solche Projekte", sagt Tröster.

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