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Die Diskussionen um Clemens Tönnies' Aussagen reißen auch im Kreis Paderborn nicht ab. - © Christian Weische
Die Diskussionen um Clemens Tönnies' Aussagen reißen auch im Kreis Paderborn nicht ab. | © Christian Weische

Paderborn Tönnies-Eklat: Paderborner Landrat fordert Sachdiskussion

Manfred Müller weist den Verdacht der Ausländerfeindlichkeit für die gesamte Region zurück

Sabine Kauke
08.08.2019 | Stand 08.08.2019, 18:19 Uhr

Paderborn. Landrat Manfred Müller meldet sich jetzt in der Causa Tönnies zu Wort und kritisiert die Art, wie „derzeit diskutiert und diffamiert" werde. „Ich teile die Auffassung der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, dass es in unserer Gesellschaft möglich sein muss, Fehler zu machen, und sie dann als solche zu erkennen und zu bereuen. Und ich teile die Auffassung der Kreishandwerkerschaft, dass jeder das Recht hat, sich zu entschuldigen, und dass genau das zu einem weltoffenen und unter anderem auch christlichen Weltbild dazu gehört. Die Äußerungen von Clemens Tönnies beim Tag des Handwerks sind aus meiner Sicht sachlich falsch, entwertend, diskriminierend und völlig daneben. Der Mann hat sich entschuldigt, zeigt sich nach eigenem Bekunden bestürzt über sich selbst", heißt es in einer Pressemitteilung. „Ob seine Sätze was auch immer für eine Grundhaltung widerspiegeln, vermag ich nicht zu beurteilen. Weder am Abend selbst, noch zum jetzigen Zeitpunkt." "Vorbildliche Arbeit für Integration" Der Landrat zeigt sich „entsetzt darüber, wie eine Gesellschaft, eine ganze Stadt, eine ganze Region mehr oder weniger subtil, täglich neu unter den Verdacht der Ausländerfeindlichkeit gestellt wird, weil sie sich, aus wessen Sicht auch immer, nicht genügend oder schnell genug empört zeigt." Diesen Verdacht weise er für die ganze Region entschieden zurück. In dieser „Integrationsregion sei eine vorbildliche Arbeit für die Integration Zugewanderter in den Arbeitsmarkt geleistet worden. „Wir waren, sind und werden weiter sehr laut sein, wenn es darum geht, Gewalt und Hass, jeglicher Art von Menschenfeindlichkeit den Nährboden zu entziehen", so Müller, und wenn es darum gehe, jegliche Form von Rassismus und Extremismus zu bekämpfen. „Für Menschenfeindlichkeit jeglicher Art ist in diesem Kreis Paderborn kein Platz." Toleranz und Demokratie leben Unter anderem habe der Kreis Paderborn ein lokales Handlungskonzept für Prävention gegen Rechtsextremismus und Rassismus auf den Weg gebracht und handele geschlossen gegen Alltagsrassismus, Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. „Wir stehen für Weltoffenheit, für Toleranz und Vielfalt und für einen respektvollen Umgang im persönlichen und gesellschaftlichen Miteinander", ist der Landrat überzeugt. Toleranz und Werbung für Demokratie müssten im Alltag gelebt werden. Äußerungen der letzten Tage hätten ihm gezeigt, dass an einem respektvollen Umgang gearbeitet werden müsse. „Wir müssen zurück zu ehrlich geführten Debatten, raus aus dem gefährlichen Klima der Spaltung und Ausgrenzung, in dem jede Äußerung seziert und mit vergiftenden Unterstellungen befrachtet wird, zurück zu einer Diskussionskultur, die den anderen respektiert, in der unterschiedliche Auffassungen sachlich fundiert reflektiert werden. Damit wir die vorhandenen Probleme lösen können."

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