0
Individualisiertes Einkaufen: Der App-Nutzer bekommt Angebote und Nachrichten zu den Shoppingkategorien, die er auswählt. - © Svenja Ludwig
Individualisiertes Einkaufen: Der App-Nutzer bekommt Angebote und Nachrichten zu den Shoppingkategorien, die er auswählt. | © Svenja Ludwig

Paderborn Daten statt Bauchgefühl: App zeigt, wie Paderborner die City nutzen

97 Schausteller, Bühnen, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe treten in der Shopping- und Libori-App Smartmarket2 auf

Svenja Ludwig
31.07.2019 | Stand 30.07.2019, 17:34 Uhr

Paderborn. Um sich gegen die Online-Konkurrenz zu behaupten, wird der stationäre Handel kreativ. Viele Einzelhändler setzen auf Service und Beratung oder Event-Shopping. Sie konzentrieren sich auf die Bereiche des Einkaufens, die ein Online-Portal nur schwer oder gar nicht leisten kann. In Paderborn versuchen Wissenschaftler und Händler nun auch, eine erfolgreiche Strategie der Internet-Rivalen zu erobern: die Personalisierung. Die Smartphone-App Smartmarket2 versorgt Besucher der Paderborner Innenstadt per Push-Nachricht mit Informationen zu Veranstaltungen und individualisierten Shopping-Angeboten. Ihnen wird dabei nur angezeigt, was sie interessiert. Dabei verfolgt die App den Standort des Gerätes. Entwickelt haben die Anwendung Forscher der Universität Paderborn und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Datenerhebung, die bis Ende des Jahres läuft, dienen Forschungszwecken. nw.de hat die App getestet. Das Fazit fällt gemischt aus. Positiv ist, dass auch Veranstaltungen beworben werden. Nervig: Ein paar kleine Bugs im Handling. nw.de hat Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, dazu befragt. "Wir brauchen eine kritische Masse" Die App sei eine Feldstudie, noch im Test und es werde noch repariert, so Seibel. "Wir wollen die Leute damit runter vom Sofa und wieder in die Stadt bringen. Für uns als Werbegemeinschaft sind aber auch die Bewegungsabläufe der Nutzer in der Stadt besonders interessant", sagt Seibel. Anhand der Daten könne nachvollzogen werden, ob die Paderborner mit dem Auto in die City kämen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder ob sie Kaffeepausen einlegten. "Wir haben dann erstmals einen Datensatz", sagt Seibel. Statt bisher nur ein "Bauchgefühl". Aufgrund solcher Daten lassen sich etwa Immobilien in der Innenstadt oder Feste anders bewerten, denkt Seibel. "Man kann alles messen, allerdings nur, wenn viele mitmachen. Wir brauchen eine kritische Masse." Die App ist seit Liborisamstag für Android- und Applegeräte in den jeweiligen Stores verfügbar. "Ich bekomme seitdem täglich Informationen", sagt Seibel. 48 Aktionen und Angebote Mehr als 1.000 Paderborner hätten die Anwendung heruntergeladen. Allein am Sonntag wären 240 "Trips" durch die City verzeichnet worden. 48 Aktionen und Angebote seien derzeit aktiv. 30 Schausteller und Bühnen machten extra zu Libori mit, so Seibel, außerdem weitere 67 Gastronomiebetriebe und Einzelhändler. Eine davon ist Caroline Brockmann, Chefin von Brockmann Porzellan in der Rathaus-Passage. Das Geschäft präsentiert sich bereits in den sozialen Medien und macht dort auf Angebote und Aktionen aufmerksam. Sie sei neugierig auf die App gewesen, sagt Brockmann. Sie ist davon überzeugt, dass eine App für die Innenstadt die Zukunft sei. Vielleicht diese, vielleicht eine andere. "Innovationen sollte man immer eine Chance geben", findet Josef Massong, der seine Lebensgefährtin und Kamp-18-Inhaberin Silvia Pamme unterstützt. Smartmarket2 sehe gut aus und sei von Händlerseite einfach zu bedienen. "Von der technischen Seite gibt es nichts zu meckern und ich meckere eigentlich gerne", sagt er. Aber noch nicht alle Paderborner Einzelhändler treten in der App auf. Die Bonifatius-Buchhandlung etwa macht noch nicht mit. Allerdings, so Filialleiterin Tanja Huckemann, bloß aus technischen Gründen: "Wir wollen gerne dabei sein."

realisiert durch evolver group