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In der Volkssternwarte Schloß Neuhaus: Wolfgang Dzieran hat die Mondlandung 1969 live im Fernsehen verfolgt. - © Svenja Ludwig
In der Volkssternwarte Schloß Neuhaus: Wolfgang Dzieran hat die Mondlandung 1969 live im Fernsehen verfolgt. | © Svenja Ludwig

Paderborn/Bad Lippspringe So erlebte ein Bad Lippspringer die Mondlandung

Noch heute ist Wolfgang Dzieran von diesem Ereignis fasziniert

Svenja Ludwig
20.07.2019 | Stand 20.07.2019, 11:34 Uhr

Paderborn/Bad Lippspringe. Vor 50 Jahren macht Neil Armstrong einen "kleinen Schritt für einen Menschen, aber einen großen Schritt für die Menschheit", und Millionen Zuschauer sind vom heimischen Sofa aus live dabei. Einer von ihnen ist der Bad Lippspringer Wolfgang Dzieran, den das Weltraumfieber seit der Mondlandung von Armstrong und Buzz Aldrin nicht mehr losgelassen hat. Dzieran, an diesem bedeutenden Tag gerade 14 Jahre alt, erinnert sich noch gut. "Damals wurde jeder Raketenstart live im Fernsehen übertragen." Obwohl seine Mutter ihn in seiner Begeisterung für das Weltall und die Raumfahrt immer unterstützte, war es weniger einfach, sie davon zu überzeugen, dass er bis in die Nacht vorm Fernseher sitzen darf. "Wir waren eine gut bürgerliche Familie, lange Aufbleiben gab's nur an Silvester." Für die Mondlandung machte die Lehrerin aber eine Ausnahme. Neben dem Teenager durften auch die jüngeren Geschwister zuschauen. "Wir waren alle im Weltraumfieber." "Jede Sekunde mitgezittert" "Aus heutiger Sicht war das eine unglaublich langweilige Sendung", erinnert sich der heute 64-Jährige. "Eigentlich saßen da nur Männer in Studios und warteten, aber für uns war das damals unglaublich spannend", erzählt er. Auf dem Mond gelandet sei die Raumfähre schon etwa um 22 Uhr. Dann hätten die Astronauten eine Pause einlegen müssen. Außerdem sei überprüft worden, ob die Landung auf dem Trabanten nach Plan funktioniert habe. Bei kleinsten Problemen hätten die Raumfahrer direkt zur Erde zurückkehren müssen. "Ich habe jede Sekunde mitgezittert, dass sie bleiben und aussteigen können", sagt Dzieran. Um 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt Neil Armstrong seinen berühmten Mondspaziergang. "Die Originalbilder kamen bei uns schwarz-weiß und etwas schemenhaft an", erinnert sich der Badestädter. "Mir war vorher schon ziemlich klar, dass auf dem Mond nicht viel los sein würde". Schließlich hätten bereits unbemannte Sonden Fotos von Kratern und Wüste auf dem Trabanten geschossen. "Aber man malt sich in der Fantasie ja einiges aus", sagt er. Neil Armstrongs historische Worte seien in der Nacht untergegangen, sagt Dzieran. Bewusst sei ihm aber die politische Dimension der geglückten Mondlandung gewesen. Der kalte Krieg machte auch vor dem Weltraum nicht Halt. Amerikaner und Russen lieferten sich einen regelrechten Wettlauf zum Erdtrabanten. "Ich war damals schon auf der Seite der Amerikaner", sagt Dzieran. Seine Pubertät, die langen Haare und die Rebellion seien erst später gekommen, wie er heute sagt. "Es war als wären Deutsche mitgeflogen" "Wir waren auch unglaublich stolz damals, dass Deutsche beteiligt waren", spricht Dzieran weiter und nennt Wernher von Braun, der die Trägerrakete Saturn V entwickelt hatte. "Es fühlte sich an, als wären Deutsche mitgeflogen." Erst Jahre später sei von Braun in der Öffentlichkeit zu einer problematischen Figur geworden. Denn der Raketeningenieur hatte während des 2. Weltkriegs in Peenemünde Vergeltungswaffen für die Nazis konstruiert, deren Produktion Tausenden KZ-Häftlingen das Leben kostete. Die Mondlandung, dieser Meilenstein in der Menschheitsgeschichte, hat Dzieran beeinflusst. Schon vorher sei er begeistert gewesen vom All - wegen der "Vorstellung, die Erde zu verlassen und irgendwohin zu fahren, wo noch nie ein Mensch war". Nach der Mondlandung beginnt der Schüler, sich naturwissenschaftlich mit dem Weltraum zu befassen. Er beobachtet täglich den Himmel und macht Aufzeichnungen dazu. Weil seine Mutter immer noch ein Problem damit hat, wenn sich der Filius der Sterne wegen die Nächte um die Ohren schlägt, konzentriert der Schüler seine Studien auf die Sonne. Er zählt und kartografiert zum Beispiel Sonnenflecken. Die Aufzeichnungen besitzt der 64-Jährige heute noch und zeigt eine blassrote Kladde, auf der groß "1970" geschrieben steht. Die Sterne lassen ihn nicht los Später studiert Dzieran Physik und Astronomie. Weil das Stellenangebot für Sternengucker aber stark limitiert ist, orientiert er sich beruflich in eine andere Richtung. "Ich wurde in einer Zeit groß, in der man in der IT-Branche schon einen guten Job bekam, wenn man 'Computer' nur richtig buchstabieren konnte", erzählt er mit einem Augenzwinkern. Unter anderem arbeitet er für Philips und Nixdorf. "Eigentlich bin ich ganz froh darüber", sagt er, "so ist die Astronomie mein Hobby geblieben". Seit mehr als 30 Jahren ist er nun Mitglied der Volkssternwarte Schloß Neuhaus und begeistert dort neue Generationen für die Himmelskörper.

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