0
Hitzefrei und ab ins Freibad? Ganz so einfach ist das auch in Paderborn nicht. - © Symbolbild: Pixabay
Hitzefrei und ab ins Freibad? Ganz so einfach ist das auch in Paderborn nicht. | © Symbolbild: Pixabay

Paderborn Hitze: Unterrichtsfrei an einigen Paderborner Schulen

Die Zeiten sind vorbei, in denen Kinder kurzerhand nach Hause geschickt werden

Svenja Ludwig
24.06.2019 | Stand 24.06.2019, 20:10 Uhr
Holger Kosbab

Paderborn. Weit über 30 Grad in der Spitze und laut Vorhersage selbst gegen 11 Uhr morgens schon 28 Grad - da wird an allen Schulen etwas zum Thema, was es nur noch selten gibt: Hitzefrei. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen Kinder kurzerhand nach Hause geschickt werden, wenn das Thermometer eine gewisse Schwelle erreicht. Auch wenn die Konzentration noch so schwer fällt. Ein einfaches "Hitzefrei" gibt es nicht mehr, sagt Steffen Schmidt, Leiter des Schulverbundes Overberg-Dom und Sprecher der Grundschulen, der für diesen Dienstag und Mittwoch von einem verkürzten Unterricht ausgeht. Durch die stark genutzten Angebote des Offenen Ganztags und der Betreuung über Mittag könnten bei ihm von 330 Kindern nur etwa 90 aufgrund zu hoher Temperaturen frei bekommen. Alle anderen blieben ohnehin länger in der Schule. Die Eltern werden darüber in einem Brief informiert. Früher nach Hause - was hier nach der vierten Stunde um 11.30 Uhr bedeutet - dürfen dann auch wiederum nur die Kinder, deren Eltern dies schriftlich mitteilen. Allerdings könnten die Lehrer den Unterricht auch der Hitze anpassen "und es ab der dritten Stunde etwas ruhiger angehen lassen", sagt Schmidt. Mit Elternerlaubnis nach Hause Schmidt habe sich in seiner Funktion als Schulformsprecher mit einigen Kollegen ausgetauscht. Daher glaube er, dass auch anderen Schulen so verfahren werden. Die räumliche Situation sei jedoch an jeder Schule unterschiedlich. Auf die Entwicklung der Temperaturen ab Donnerstag werde genau geschaut. An der Marienschule läuft es so, wie Schmidt vermutet: Hier ist am Dienstag und Mittwoch für alle Kinder, die nicht wie der überwiegende Teil - 141 - in der OGS oder der Mittagsbetreuung sind - um 11.30 Uhr Schluss. Mit Elternerlaubnis geht es dann nach Hause, die anderen werden durch das Lehrerkollegium beaufsichtigt. Siegfried Rojahn, Leiter des Reismann-Gymnasiums, hat die Eltern am Montag vorgewarnt, dass die Kinder der Sekundarstufe I - also die Klassen 5 bis 9 - am Mittwoch und Donnerstag ab mittags vom Unterricht freigestellt werden. Sollte es so sein, dass die Eltern zu dieser früheren Zeit nicht zu Hause seien, könne die Caritas die Betreuung übernehmen. Diese ist in der Schule für die Übermittagsbetreuung zuständig. Für die Schüler der Oberstufe - Sekundarstufe II - fällt allerdings nichts aus, sagt Rojahn. Sie könnten in Lerngruppen in kühlere Räume ausweichen. Manche Schulen entscheiden spontan über Hitzefrei Am Gymnasium Theodorianum läuft es am Dienstag zunächst ganz normal, sagt Leiterin Nicole Michaelis. Am Mittwoch hat die Sekundarstufe I nach der 5. Stunde frei. Also ab 12.15 Uhr. Die Kinder könnten dann nach Hause, müssten es aber nicht, sagt Michaelis. "Und alles andere warten wir erst einmal ab." Am Gymnasium St. Michael wird spontan entschieden, welche Konsequenzen aus den hohen Temperaturen gezogen werde. Auch die Realschüler in der Südstadt haben erst einmal regulär Unterricht. Dann müsse in den Klassenzimmern die Temperatur gemessen werden, woraufhin der Schulleiter spontan entscheidet, erklärt Konrektorin Simone Görmann. "Die Schüler sind ja anders als Grundschüler schon so groß, dass sie auch eine Stunde früher nach Hause gehen können." In Krankheitsfällen komme dies ja auch manchmal vor. Gymnasiale Oberstufe darf auch bei Hitze nicht früher gehen Auf die ganze verbleibende Woche Hitzefrei hat sich stattdessen schon die Friedrich-Spee-Gesamtschule eingestellt. "Wir schließen nach der 6. Stunde", sagt Schulleiter Lothar Schlegel. Früher ginge nicht. "Weil wir an die Busse gebunden sind." Früh nach Hause dürften aber nur die Kinder der Sekundarstufe I. "Die gymnasiale Oberstufe darf kein Hitzefrei bekommen", weiß Schlegel. Denn diese Schüler wären vor dem Gesetz vergleichbar mit zum Beispiel Lehrlingen - und die bekämen ja auch nicht frei. Wenn aber die jüngeren Kinder alle zu Hause wären, sei die Auswahl an schattigen Räumen und Plätzen weitaus größer - so bekomme die Sekundarstufe II wenigstens ein bisschen Abkühlung.

realisiert durch evolver group