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 Vom Rathaus ziehen die rund 500 Teilnehmer der Gegendemonstration durch die Westernstraße zur Herz-Jesu-Kirche, wo die AfD ihre Kundgebung abhält.  - © Birger Berbüsse
 Vom Rathaus ziehen die rund 500 Teilnehmer der Gegendemonstration durch die Westernstraße zur Herz-Jesu-Kirche, wo die AfD ihre Kundgebung abhält.  | © Birger Berbüsse

Paderborn Gauland sagt Auftritt in Paderborn ab - 500 Teilnehmer bei der Gegendemo

Der Parteichef Gauland muss wegen eines Magen-Darm-Infekts wie schon 2016 passen

Marc Schröder
14.06.2019 | Stand 16.06.2019, 08:35 Uhr |
Andreas Götte

Birger Berbüsse

Paderborn. Die Nachricht sickerte bei den Teilnehmern der Gegendemonstration erst nach und nach durch: Der AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland spricht doch nicht in Paderborn. Er hatte kurzfristig abgesagt: Magen-Darm-Infekt. Das hielt die Teilnehmer jedoch nicht davon ab, lautstark deutlich zu machen, was sie von der Alternative für Deutschland halten. Pfeifend, trötend, rufend und singend zogen am frühen Freitagabend etwa 500 Demonstranten durch die Paderborner Innenstadt. Die Kundgebung unter dem Motto „Für eine offene Gesellschaft" begann mit einigen Reden am Rathaus, bevor sie durch die Fußgängerzone zum Westerntor führte. Dort folgten zunächst weitere Reden und dann ein minutenlanges Pfeifkonzert. Das galt den rund 100 Teilnehmern der AfD-Kundgebung vor der Herz-Jesu-Kirche – immerhin 20 mehr als beim letzten Mal im November, obwohl der Star des Abends fehlte. Er hatte wie bereits vor drei Jahren erneut abgesagt. Die AfD-Anhänger mussten nun angestrengt zuhören, um zu verstehen, was die anderen Redner, darunter der Bundestagsabgeordnete Jens Kestner, zu sagen hatten. Denn rund eine halbe Stund lang blieben die Gegendemonstranten auf der Kreuzung beziehungsweise der Bahnhofstraße stehen, und ertränkten die AfD-Veranstaltung in Lärm. Dabei brachten sie auch den Feierabendverkehr komplett zum Erliegen, die Rückstaus auf Bahnhofstraße und Borchener Straße waren gewaltig. Unter den Gegendemonstranten war auch Marek Ermler. Der 19-Jährige war eigens aus Lippstadt angereist. Mit im Gepäck hatte er ein doppelseitig beschriebenes Schild. Er finde es wichtig, zu zeigen: „Wir sind mehr", sagt er über seine Motivation. Man müsse der AfD den Raum in der politischen Diskussion nehmen. Viel Redezeit für die Jugend Viel Redezeit erhielt bei der vom Bündnis für Demokratie und Toleranz organisierten Veranstaltung die Jugend. So erklärte Christopher Stange von den Jusos, der mittags auch schon bei der „Fridays for Future"-Demo mitgewirkt hatte: Paderborn habe sich leider zu einem Treffpunkt der AfD entwickelt. „Das darf kein Normalzustand sein", rief Stange. Daria-Leona MacAward von der Grünen Jugend sagte mit Blick auf die Klimadebatte daran, dass die AfD neben ihrer Politik gegen Menschen und Vernunft nun auch noch versuche, die Tierwelt und Natur zu zerstören. Sie betonte: „Wir wollen keine isolierten Staaten, sondern ein gemeinsames Europa mit vielen Menschen, die zusammen das Klima retten wollen." Ganz andere Klänge hingegen vor der Herz-Jesu-Kirche bei der AfD: Den Klimawandel nannte der Landtagsabgeordnete Christian Blex dort Volksverdummung und Panikmache. Er sei eine reine Vermutung und schon gar nicht menschengemacht. „Wenn die AfD 2020 im großen Stil in die kommunalen Räte einzieht, werden wir den Bildungsnotstand, den Wohnungsnotstand, den Armutsnotstand und in einigen Städten auch den Sicherheitsnotstand ausrufen", kündigte er an. Jens Kestner attackierte vor allem die SPD. „Sie wollen jetzt wie in Dänemark auf einen patriotischen Kurs einschwenken, um Erfolg zu haben. Doch so etwas können nur wir", rief er seinen Zuhörern zu, von denen viele Deutschlandfahnen schwenkten. Die nicht zu überhörenden Gegendemonstranten bezeichnete er als Störer und Dummköpfe. Laut Polizei gab es außer den Straßensperrungen keinerlei Zwischenfälle.

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