Hier soll alles anders werden: Für diesen Bereich an der Adelheidstraße hat die Stadt Paderborn konkrete Pläne. Sie möchte Mehrfamilienhäuser und eine Kita bauen. - © Holger Kosbab
Hier soll alles anders werden: Für diesen Bereich an der Adelheidstraße hat die Stadt Paderborn konkrete Pläne. Sie möchte Mehrfamilienhäuser und eine Kita bauen. | © Holger Kosbab

Paderborn Stadt Paderborn will Vorkaufsrecht für alle Häuser und Kasernen der Briten sichern

Insgesamt 400 Wohneinheiten werden in den nächsten Monaten frei

Holger Kosbab
13.06.2019 | Stand 12.06.2019, 19:55 Uhr

Paderborn. Eine gute Wohnlage ist die Adelheidstraße in der Paderborner Südstadt. Und in absehbarer Zeit werden hier wohl auch wieder neue Wohnungen gebaut. So plant es die Stadt Paderborn. Aktuell gibt es zwar noch keine verfügbaren Flächen. Doch das soll sich ändern. Ein vierteiliger Komplex aus insgesamt 13 Reihenhäusern wird durch den Abzug der britischen Soldaten frei. Die Stadt würde das Areal gerne von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) kaufen und neu gestalten. Dafür muss sie sich aber das Vorkaufsrecht sichern: die sogenannte Erstzugriffsoption. Diese Option soll übrigens für alle künftig von der BImA angebotenen früheren Kasernen- und Wohngebäude der Briten gezogen werden. So schlägt es Bürgermeister Michael Dreier der Steuerungsgruppe Konversion (18. Juni) und dem Rat (11. Juli) vor. Dem Paderborner Konversionsbeauftragten Thomas Jürgenschellert würde dies die Arbeit erleichtern. Er müsste nicht jedes Mal mit einer nahezu identischen Vorlage in den Rat. Und die Möglichkeit zum Erstzugriff auf Immobilien ist wichtig: Sie bietet der Stadt die Chance, den Ankauf von Kasernen- oder Wohnarealen oder auch weiteren Einrichtungen sowie Sport- und Spielplätzen zu prüfen, bevor diese von der (BImA) auf dem Markt frei angeboten würden. Grundlage wäre ein gutachterlich ermittelter Verkehrswert. Rund 400 Wohneinheiten werden demnächst frei Die Alanbrooke-Kaserne war die erste Hinterlassenschaft der britischen Armee, für die die Stadt Paderborn die Erstzugriffsoption gezogen hatte. Im Januar wurde der Kaufvertrag für das 18-Hektar-Gelände unterzeichnet. Mit der Dempsey- und der Barker-Kaserne werden demnächst zwei weitere große Areale frei. Hinzu kommen soziale Einrichtungen, Sport- und Spielplätze - und rund 400 Wohneinheiten, die in den nächsten Monaten freigezogen und der Stadt mit der Möglichkeit zum Erstzugriff angeboten werden. 358 davon befinden sich sechs Siedlungsbereichen in der Kernstadt. Konkrete Pläne gibt es für die Adelheidstraße. Hier soll es durch Abriss und Neubau eine modernere, effektivere Nutzung geben, sagt Thomas Jürgenschellert. Auch eine Kita ist aufgrund des Bedarfs in der Südstadt angedacht. Die weiteren frei werdenden Siedlungsbereiche befinden sich an der Hildegardstraße (Südstadt), Rathenaustraße (Riemeke) und an der Plassmannstraße/Wichartstraße, Sattyweg sowie zwischen der Benhauser Straße und Piepentumweg (alle drei Bereiche in Nähe der Barker-Kaserne). An diesen Standorten wird noch detaillierter untersucht, um die Entscheidung für einen Erwerb beziehungsweise eine Nutzung oder Überplanung der Flächen zu erleichtern. Noch unklar ist, ob auch Wohnungen auf dem Truppenübungsplatz in Sennelager frei werden. Frei werden hier jedoch in jedem Fall Wohnungen an der Artilleriestraße, wo ebenfalls eine Kita geplant ist. Die Planungshoheit bleibt auch bei einem Verzicht bei der Stadt Informiert die BImA über die Rückgabe eines Grundstücks, so hat die Stadt Paderborn sechs Monate Zeit, um ihr Interesse zu erklären. Erst nach dieser Frist könnte die BImA mit Dritten verhandeln. Bei einem Verzicht auf die Erstzugriffsoption hat die Stadt keine Einflussnahme auf Inhalte und Dauer der Verhandlungen zwischen der BImA und Dritten. Die Planungshoheit bleibt aber weiterhin bei der Kommune. Zudem verpflichtet das Ziehen einer Zugriffsoption nicht zum Kauf. Ein besonderer Anreiz für Kommunen, Konversionsflächen zu kaufen, ist die BImA-Richtlinie zur verbilligten Abgabe von Grundstücken für sozialen Wohnungsbau und soziale Infrastruktur. Dadurch sollen Potenzialflächen möglichst intensiv und zügig zum Neubau von öffentlich geförderten Wohnungen und für soziale Infrastruktur nutzbar sein. Für sozialen Wohnungsbau im Geschosswohnungsbau mit mindestens acht Wohneinheiten gilt ein Abzug von 25.000 Euro pro geförderter Wohneinheit. Für Einrichtungen des Gemeinbedarfs wird eine Verbilligung von 350.000 Euro gewährleistet.

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